Der Dampfmechaniker

Werner Zäch aus Montlingen hat eine ungewöhnliche Leidenschaft: Selbstgebaute, dampfbetriebene Fahrzeuge im Kleinformat, die aber gross genug sind zum Mitfahren.

Sabine Tschudi
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Für ihn gibt es nichts Schöneres, als nach langer Vorbereitung gemütlich mit der Dampfbahn im eigenen Garten Runden zu drehen oder mit dem Dampftraktor um die Häuser zu tuckern: Seit seiner Pensionierung hat Mechaniker Werner Zäch aus Montlingen endlich Zeit, seinem liebsten Hobby zu frönen – sehr zur Freude seiner Enkelkinder und deren Freunde.

Wann das Ganze angefangen habe, könne er nicht genau sagen, sagt Zäch. Es sei wohl eher eine langsame, kontinuierliche Entwicklung gewesen, die sich aus seinem Flair für mechanische Zusammenhänge und seinem Gespür für Metallbearbeitung ergeben habe. Als Kind half er seiner früh verwitweten Mutter auf dem kleinen Landwirtschaftsbetrieb. «Immer wieder mal musste eine Maschine überholt und repariert werden», erinnert er sich. Auch auf den umliegenden Höfen war sein technisches Flair willkommen. Zächs Berufswunsch war früh klar – seine Lehre absolvierte er im Nachbardorf Oberriet bei der Jansen AG, einer metallverarbeitenden Firma. Irgendwann wurde er als Schichtmeister vorgeschlagen, machte seinen Meister, blieb der Firma über Jahrzehnte treu. Und er baute das Elternhaus für die Familie um.

Doch irgendwie fehlte dem passionierten Mechaniker damals das Kleine, das Feine. Denn in der Firma ging es eher grosskalibrig zu und her. Nach einem Besuch im Verkehrshaus Luzern mit seinem Sohn, der damals die zweite Klasse besuchte, fasste er einen Plan: Er beschloss, eine Modell-Dampflokomotive mit einer Spurbreite von 4,5 Zentimetern nachzubauen. Die Räder, die Gestänge, das Dampfkesselchen, den Druckbehälter, einfach alles habe er selbst nachgebaut, sagt Zäch. Ein Buch mit dem Titel «Wie baue ich eine Dampflok» gab wertvolle Unterstützung. «Hier kam ich voll auf meine Rechnung, was die Anforderung an meine Geschicklichkeit betraf.» Aber die Freude sei bald erschöpft gewesen, und auch sonst fühlte er sich doch sehr allein im Rheintal mit seiner Leidenschaft. Das änderte sich erst bei einem zufälligen Besuch der Herbstmesse in Vorarlberg 1990. Plötzlich war die Welt voll von Tips rund um die Dampfbahn. Endlich wusste Zäch, wo er das eine oder andere für seine nächste, grössere Dampflok kaufen konnte. Diese sollte eine Spurbreite von 12,7 Zentimetern haben. In dieser Grössenordnung kann der Lokomotivführer mitfahren – und sogar noch Passagiere in angehängten Wagen mitnehmen.

«Und jetzt jahrelang im Kreis fahren?»

Ein unbeschreibliches Glücksgefühl erfasste Werner Zäch, als die Dampflok 1992 das erste Mal auf der Gleisanlage im Garten ihre Runden drehte. Doch auch hier plötzlich die Ernüchterung. «Sollte ich jetzt jahrelang im Kreis im Garten Dampfbahn fahren? Ich hatte echt Fragezeichen», sagt Zäch und lacht. 1996, bei einer dreitägigen Messe in Sinsheim nahe Stuttgart, fand er das fehlende Puzzleteil: einen Traktor, und zwar dampfbetrieben, wie ihn die Engländer Ende des 19. Jahrhunderts gebaut hatten, allerdings um zwei Drittel geschrumpft. Zäch war angekommen, war auf der richtigen Spur, konnte hilfreiche Kontakte knüpfen. Schnell war klar, wo er alles bekommen würde, was er nicht selber herstellen mochte. Zum Beispiel die Eisengussteile, den Zylinderblock und Ventile. Den Rest habe er selbst hergestellt und zusammengebaut, sagt Zäch. Für seinen Dampftraktor, eine Nachbildung eines Burrell-Traktors, hat er einen 42-Millimeter-Kolben gewählt und einen Hub von 63 Millimetern.

Gerade letzten Samstag hat Zäch das letzte Highlight der Saison organisiert, nämlich das «Abdampfen» in Montlingen: eine Dampftraktor-Ausfahrt in einer Runde von Gleichgesinnten mit gemütlichem Drumherum. Seither ist Pause – und die Dampftraktoren dämmern geölt und geputzt wieder dem nächsten Frühling entgegen.

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