«Der Bund lügt uns alle an!» – In St.Gallen fordern Gegner der Corona-Einschränkungen mehr Transparenz

In Schweizer Städten demonstrierten am Samstagnachmittag lose Gruppierungen gegen die Corona-Einschränkungen des Bundes. Auch in St.Gallen – ein Augenschein vor Ort.

Raphael Rohner
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Eine Gruppe versammelt sich in St.Gallen, um ein Zeichen gegen die Massnahmen und Bestimmungen des Bundes zu setzen.

Eine Gruppe versammelt sich in St.Gallen, um ein Zeichen gegen die Massnahmen und Bestimmungen des Bundes zu setzen.

Bild: Raphael Rohner

«Wir lassen uns doch nicht für blöd verkaufen», sagt eine etwa 40-jährige Frau am Samstagnachmittag am Bahnhofplatz in St.Gallen. Sie hat ein Transparent umgehängt mit der Aufschrift:

«Unsere wirklichen Probleme: Klimanotstand und Menschenrecht.»

Sie steht mit rund zwei Dutzend weiteren Menschen nur wenige Meter neben den rot-gelben Warnschildern des Bundesamts für Gesundheit mit den verordneten Massnahmen. Die Gruppe habe sich spontan zu einem Spaziergang versammelt und es sei ausdrücklich keine Versammlung, stellen die Teilnehmenden mehrmals klar.

Blick über den Tellerrand gefordert

Es gehe beim Treffen darum, ein Zeichen gegen die einseitige Kommunikationspolitik der Medien und der Behörden zu setzen: «Es kann doch nicht sein, dass jeder mundtot gemacht wird, der die Informationen und Massnahmen der Coronakrise kritisiert. Der Bund lügt uns doch alle an», sagt ein Teilnehmer der Kundgebung leicht enerviert. Man sei dabei, sich über soziale Medien zu organisieren und sich auszutauschen.

Der Mann fügt hinzu: «Wir werden immer mehr und wir werden jeden Samstag hier sein.» Dass er damit Recht haben könnte, zeigt ein Blick in andere Städte der Schweiz. In der Bundeshauptstadt Bern versammelten sich am Samstagnachmittag über 300 Demonstranten auf dem Bundesplatz. Mit Parolen wie: «Machtmissbrauch stoppen: Wir wollen unsere Demokratie zurück!», oder «Corona schafft das Bargeld ab!» standen die Menschen auf dem Platz.

Bild: Raphael Rohner

In St.Gallen gehen die Aussagen in eine ähnliche Richtung. Eine Frau, die laut eigenen Angaben im Spital arbeitet, verlangt Klarheit von den Behörden:

«Es werden nicht alle Fakten publiziert. Man gibt Experten wie Pietro Vernazza zu wenig Gehör und es wird mit der Angstmacherei sehr viel Geld verdient. Das kann es nicht sein!»

Sie kritisiert zudem die einseitige Berichterstattung der Medien. Man solle in diesen Tagen bewusst über den Tellerrand blicken und sich selber schlau machen, sagt sie.

Das Versammlungsverbot gilt

Der «Spaziergang» der Gruppierung löste sich nach rund einer Stunde wieder auf und die Teilnehmer verschwanden in alle Richtungen. In Bern hingegen wurde die Kundgebung wegen dem geltenden Versammlungsverbot für Gruppen mit mehr als fünf Menschen von der Polizei aufgelöst. Dort müssen die Teilnehmer mit Anzeigen rechnen. Bei der St.Galler Stadtpolizei hatte man hingegen keine Kenntnis des «Spaziergangs» der Gruppierung. Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen, sagt: «Wir gehen solchen Sachen nach – generell gilt unverändert das Versammlungsverbot.»

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