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Der Borkenkäfer ist dieses Jahr unersättlich – in der Ostschweiz ist er besonders gefrässig

Die Ostschweiz rechnet 2019 mit einer Borkenkäfer-Plage. Ein Grund ist das extreme Wetter im vergangenen Jahr. Mit Lockstofffallen lässt sich die Population zwar überwachen, aber nicht bekämpfen.
Rossella Blattmann
Ein grosser Buchdrucker, der in der Schweiz am meisten verbreitete Borkenkäfer, frisst sich durch Fichtenholz. (Bild: Roland Weihrauch/Keystone)

Ein grosser Buchdrucker, der in der Schweiz am meisten verbreitete Borkenkäfer, frisst sich durch Fichtenholz. (Bild: Roland Weihrauch/Keystone)

Er ist klein, dunkelbraun, und er frisst für sein Leben gern Holz. Bereits 2018 hat sich die Menge Holz, die vom Borkenkäfer befallen ist, in der Schweiz auf 735'000 Kubikmeter erhöht – mehr als doppelt so viel wie noch 2017.

Und für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem «Ansturm» an Borkenkäfer für das ganze Land. Doch die Gefahr ist nicht überall gleich gross. In der Ostschweiz sei der grosse Buchdrucker, der in der Schweiz am meisten verbreitete Borkenkäfer, besonders gefrässig, teilt die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) mit.

August Ammann, St.Galler Kantonsoberförster. (Bild: PD)

August Ammann, St.Galler Kantonsoberförster. (Bild: PD)

August Ammann, St.Galler Kantonsoberförster, sagt: «Die Borkenkäfergefahr ist momentan im ganzen Kanton gross.» Die Situation sei auf dem gesamten Kantonsgebiet angespannt. Ammann geht davon aus, dass sich der Borkenkäfer-Befall dieses Jahr gegenüber 2018 erhöhen wird. Deshalb setze der Kanton aktuell einen Schwerpunkt bei der Borkenkäfer-Bekämpfung. «Es geht jetzt darum, befallene Fichten innert kürzester Zeit zu fällen und entweder zu entrinden, um so den Schädling mitsamt Rinde zu vernichten, oder das Käferholz aus dem Wald zu entfernen.»

Wärme und geschwächte Bäume

Im Kanton St.Gallen sind laut Ammann 2018 rund 20'000 Kubikmeter Käferholz angefallen. Das ist – wie auf Bundesebene – doppelt so viel wie im Vorjahr. Eine Prognose für 2019 sei kaum möglich, da vieles von der Witterung im Frühling und Sommer sowie dem Erfolg der Bekämpfungsmassnahmen abhänge.

Der Borkenkäfer hat in der Vergangenheit im Kanton St.Gallen immer wieder grosse Schäden an den Fichtenbeständen verursacht. Das sei vor allem nach grösseren Sturmereignissen wie Lothar 1999 oder lang anhaltenden Trockenperioden wie zum Beispiel 2003 der Fall gewesen. «Das kombinierte Auftreten von Stürmen und Trockenheit, wie dies 2018 der Fall war, beschleunigt die Populationsdynamik der Borkenkäfer», sagt Ammann. Der Borkenkäfer brauche zur Entwicklung eine gewisse Wärme und geschwächte Bäume – beides gab es 2018.

35'000 Kubikmeter Käferholz im Thurgau

Daniel Böhi, Thurgauer Kantonsförster. (Bild: Reto Martin)

Daniel Böhi, Thurgauer Kantonsförster. (Bild: Reto Martin)

Auch im Thurgau fühlt sich der Borkenkäfer wohl. «Nach einer ruhigen Phase zwischen 2008 und 2015 steigt die Borkenkäferpopulation wieder an», sagt Daniel Böhi, Thurgauer Kantonsförster. Ein Sommersturm anfangs August 2017 sowie Burglind im Januar 2018 hätten vor allem im Unterthurgau gewütet und zu viel Schadholz geführt. Der Rest des Kantons sei von den Unwettern nicht so stark betroffen gewesen, darum habe sich der Borkenkäfer dort weniger stark verbreitet.

Wie sein St.Galler Amtskollege stellt auch Böhi fest: Die ausserordentliche Trockenheit des vergangenen Sommers habe die Ausbreitung des Borkenkäfers begünstigt. Das zeigen auch die Zahlen: Im Thurgau fielen 2018 so viele Kubikmeter Käferholz an wie seit 2006 nicht mehr, nämlich 30-35000 Kubikmeter.

Einsatz von Fallen mit Lockstoffen

Fallen mit Lockstoffen sind ein Mittel, um die Population des Borkenkäfers zumindest zu überwachen. «Die Fangzahlen geben Hinweise zur Flugaktivität und Generationenfolge», sagt Ammann. Die Ausbreitung des Käfers kann mit den Fallen aber nicht verhindert werden. Böhi sagt:

«Die Käfer bleiben zwar in den Fallen hängen und werden vernichtet. Doch ihre Population ist schlicht zu gross, um ihre Ausbreitung mit Lockstoff-Fallen wesentlich zu beeinflussen.»

Experten im Appenzellerland teilen diese Einschätzungen. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden rechnet Forstingenieur Beat Fritsche für das laufende Jahr ebenfalls mit einem Anstieg der Borkenkäferschäden. Und auch Martin Attenberger, Forstingenieur in Appenzell Innerhoden, erwartet viel Käferholz.

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