Der Biss in den sauren Apfel

OSTSCHWEIZ. Hunde dürfen in der Ostschweiz weiterleben, selbst wenn der Halter die Hundesteuer schuldig bleibt (Tagblatt Online berichtete). Doch wie gut ist die Zahlungsmoral der Hundebesitzer überhaupt? Ein Stimmungsbild aus Ostschweizer Kantonen und Gemeinden.

Daniel Walt
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Jeder Hund muss gelöst sein - wenn nicht, kriegt der Halter Probleme. (Bild: Archiv/Hanspeter Schiess)

Jeder Hund muss gelöst sein - wenn nicht, kriegt der Halter Probleme. (Bild: Archiv/Hanspeter Schiess)

1877 Hunde sind aktuell in der Stadt St.Gallen gemeldet. »Bei rund zehn Prozent der Halter kommt es zu einer Zahlungserinnerung», sagt Benjamin Lütolf von der Stadtpolizei. Pro Jahr gibt es rund zehn Halter, welche die Hundesteuer auch danach nicht begleichen. Ihnen droht die Betreibung, allenfalls wird ein Verlustschein ausgestellt. Allein wegen der Zahlungsmoral der Halter werden in der Stadt aber keine Hunde eingezogen, geschweige denn getötet. Es gibt jährlich zwar eine Handvoll Fälle, wo Menschen schriftlich einwilligen, auf ihren Hund zu verzichten. Dort ist laut Lütolf die geschuldete Hundesteuer - wenn überhaupt - aber nur eines der Problemfelder. Generell stellt er in diesem Zusammenhang fest, dass gerade Randständige meist gut für ihre Tiere sorgen: «Manchmal sind die Hunde besser im Schuss als die Halter.»

Wegnehmen keine Option
Als die Stadt Rorschach noch Plaketten für gelöste Hunde abgab, nahm sie laut Stadtschreiber Bruno Seelos jährlich 22'000 bis 23'000 Franken an Hundesteuern ein. «Seit die Tiere gechipt werden müssen und wir die entsprechenden Besitzer für die Hundesteuer anschreiben, gehen rund 10'000 Franken mehr ein. Das zeigt, dass es früher Hundebesitzer gab, die ihre Tiere nicht lösten», sagt er. Aktuell werde die Hundesteuer von rund 80 Prozent der Halter anstandslos beglichen. Beim Rest werden Inkassomassnahmen bis hin zur Betreibung in die Wege geleitet. «Es gibt Einzelfälle, wo wir am Schluss das Geld nicht erhalten. Aber das passiert auch bei der gewöhnlichen Steuerpflicht», sagt Seelos. Das Wegnehmen oder Töten von Hunden, für die nicht bezahlt wurde, ist in Rorschach ebenfalls keine Option.

Das Gesetz im Hinterkopf
Appenzell Ausserrhoden ist der einzige Ostschweizer Kanton, in dessen Hundegesetz die Tötung von Tieren als letzte Möglichkeit erwähnt ist, wenn die entsprechende Steuer nicht bezahlt wird. In der Praxis kam es laut Claudio Maggio von der Verwaltungspolizei aber schon lange nicht mehr dazu. Rund 3300 Hunde leben auf Kantonsgebiet. «Die Zahlungsmoral bei uns ist gut», sagt Maggio. Das Einziehen der Hundesteuer bereite nur in seltenen Fällen Probleme. «Viele Leute, die knapp bei Kasse sind, zahlen die Hundesteuer wohl noch vor der Stromrechnung», sagt Maggio. Er vermutet, dass die Hundehalter über den Tötungs-Paragraphen im Hundegesetz informiert sind. Seines Wissens wird bei säumigen Zahlern aber nicht damit gedroht.

Thurgau: Der Entzug droht
Im Kanton Thurgau können Gemeinden Hundehaltern seit drei Jahren ihren Liebling entziehen, wenn die Steuer partout nicht bezahlt wird. Die Stadt Frauenfeld, wo rund 900 Hunde leben, spricht diese Androhung gleichzeitig mit der zweiten Mahnung aus. «Bisher wurde ein Einzug von Hunden allerdings ausnahmslos durch Bezahlung der Hundesteuer abgewendet», hält Andreas Anderegg, Leiter des Informationsdienstes, fest. Generell sei die Zahlungsmoral der Hündeler gut. Welchen Einfluss der Entzugs-Paragraph dabei hat, ist laut Anderegg schwierig zu beurteilen, weil Frauenfeld ihn erst seit vergangenem Jahr anwendet.

In Amriswil leben rund 600 Hunde. Die Hälfte der Halter zahlt die Steuer für ihre Tiere fristgerecht, wie Beatrice Mezger vom Infoschalter schätzt. Beim Rest sind Erinnerungen beziehungsweise Mahnungen und allenfalls Betreibungen nötig. Weitergehende Massnahmen, etwa den Entzug oder gar die definitive Fremdplatzierung eines Hundes, gab es laut Mezger bisher nicht. Das wäre für Amriswil laut Stadtschreiber Roland Huser aber durchaus eine Option: «Zu mir ist bisher aber kein Fall gelangt, bei dem nach einer Betreibung das Geld nicht eingegangen wäre», sagt er.

«Wie ein Familienmitglied»
Wenig Probleme bietet die Hundesteuer im Kanton Appenzell Innerrhoden, wo rund 950 Hunde leben. «Die Leute hängen an ihrem Hund, für viele ist er wie ein Familienmitglied», sagt der stellvertretende Ratsschreiber Rudolf Keller. Wenn man den wenigen Haltern, die nicht zahlen wollten oder könnten, die Betreibung androhe, gehe das Geld dann schliesslich doch noch ein. Oscar Dobler, Verwaltungsangestellter des Bezirks Appenzell, wo rund 270 Hunde leben, bestätigt diese Einschätzung: «90 Prozent der Halter zahlen ohne Mahnung», hält er fest. Bleibt die Hundesteuer aus, kommt es zu Mahnungen und Betreibungen. Wobei der Bezirk das Gespräch mit säumigen Haltern sucht - meist mit Erfolg: «Unser Gebiet ist kleinräumig, hier kennt man sich noch», so Dobler.