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Der Bischof ruft «Stiller»

Bischof Markus Büchel erhebt sich. Er schaut in die Runde und stutzt. Von den Türmen der Kathedrale dringt das Einläuten durch das offene Fenster – hinein in die bischöfliche Residenz.
Bischof Markus Büchel – Gastgeber und Referent. (Bild: Ralph Ribi)

Bischof Markus Büchel – Gastgeber und Referent. (Bild: Ralph Ribi)

Bischof Markus Büchel erhebt sich. Er schaut in die Runde und stutzt. Von den Türmen der Kathedrale dringt das Einläuten durch das offene Fenster – hinein in die bischöfliche Residenz. An der langen Tafel im Festsaal – er ist dem Bischof Arbeits- und Begegnungsraum – haben Medienschaffende Platz genommen. Traditionell. Der Bischof lädt alljährlich zur Begegnung, zum Gespräch, zum Austausch. Keine Predigt, keine Bekehrungen, keine Läuterungen, keine Beichten.

«Soll ich Stiller rufen?», fragt er in die Runde. Die IG Stiller ist eine Gruppierung Lärmgeplagter und Lärmleidender; sie erleben das Geläute der Kirchenglocken als Störung, als Plage, und wollen sie zum Verstummen bringen. Die Antwort ist noch ausstehend, da schweigen die Glocken – ohne bischöflichen «Stiller»-Ruf.

Schwindendes Vertrauen

Die Informationsbeauftragte habe ihm dringend empfohlen, am Treffen festzuhalten – «um nicht den Eindruck zu erwecken, die Kirche habe etwas unter den Teppich zu kehren», sagt der Bischof.

Und dann: «Das Vertrauen in die Kirche schwindet.» Und die Zahl der Kirchenaustritte steigt. Dieses Jahr sind es mehr als auch schon. Der Bischof spricht von einem unglücklichen Zusammentreffen zweier Faktoren: dem Verschicken der Steuerrechnung und der Debatte über Missbrauchsfälle, über sexuelle Übergriffe in der Kirche. Beides Ereignisse, die den Schritt, der Kirche den Rücken zu drehen, beschleunigen dürften. Für verbindliche Schlüsse sei es noch zu früh – «Ende Jahr dann», sagt der Bischof.

Unumwunden fügt er an: «Die Austritte bereiten Sorge.»

Mangel – Überfluss

Genauso wie der Priestermangel. Das ganze Bistum flächendeckend mit Seelsorgern zu versorgen, sei eine grosse Herausforderung. Bislang wurde sie erfolgreich gemeistert – dank des Einsatzes von Pastoralassistenten. Und dank der grosszügigen Haltung des Bischofs. So kommt es, dass Pastoralassistenten in seinem Bistum predigen dürfen. «Nun ist auch dieser Markt ausgetrocknet», sagt er.

Und die Aussichten sind wenig erfreulich – «nur wenige junge Menschen steigen in die Theologie ein».

Der Bischof schmunzelt: Noch nie habe es so viele Priester gegeben – weltweit. Priestermangel hier, Priesterüberfluss dort. Da wäre das Verschieben doch ein Einfaches? Der Bischof wehrt sich nicht gegen ausländische Priester. Doch: «Sie müssen sorgfältig eingeführt werden. Es dauert ziemlich lange, bis sie eigenständig wirken können.»

Der Bischof hätte noch so manches zu berichten – aus dem Kirchen- und dem Alltagsleben. Er ist ein unterhaltsamer Erzähler – und ein guter Gastgeber. «Nun sollen die Gläser gefüllt werden», sagt er. Er habe genug referiert. Und reden könne er auch mit Glas. Regula Weik

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