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Wie weiter nach dem Hitzesommer 2018? Das schlagen Experten vor

Der Kanton St. Gallen prüft nach der Dürreperiode, ob im Rheintal die Wasserentnahme aus Bächen ins Grundwasser verlegt werden kann. Ein Vorbild könnte im Neckertal liegen.
Natascha Arsic, Christoph Zweili
Im Rheintal sind vor allem die Gemüsebauern auf Bewässerungen angewiesen. (Bild: Nana do Carmo)

Im Rheintal sind vor allem die Gemüsebauern auf Bewässerungen angewiesen. (Bild: Nana do Carmo)

Die täglichen Schlagzeilen sind noch vor Augen: Bauern, die wegen Futtermangels ihr Vieh verkaufen müssen. Bäume, die sich schon im Juli herbstlich verfärben, weil sie trotz tiefer Wurzeln kein Wasser mehr finden. Die Pegelstände der Fliessgewässer und Seen auf tiefem Niveau: der Bodensee 90 Zentimeter unter dem langjährigen saisonalen Mittelwert – ein so tiefer Pegelstand, dass die Schifffahrt zum Teil beeinträchtigt ist. Kleine Bäche, die austrocknen, in grösseren herrschen teils kritische Wassertemperaturen für Wasserlebewesen. Der Hitzesommer 2018 hatte die Ostschweiz fest im Griff.

«Bei den Futtervorräten und dem Heu für den Winter gibt es immer noch ein Defizit», sagt Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes. Aufgrund des trockenen Sommers mussten die Bauern schon viel verfüttern. Auch Mais, der für die Nahrungsmittelproduktion gedacht war, musste bereits für das Vieh gebraucht werden. Somit geht Widmer schätzungsweise von Futter im Wert von 40 bis 45 Millionen Franken aus, das aufgrund von Trockenheit im Kanton St. Gallen nicht produziert werden konnte.

In trockenen Gebieten andere Kulturen anbauen?

Den Bauern bleiben somit weiterhin folgende Möglichkeiten: Vorräte aus dem Vorjahr brauchen, Vorräte dazukaufen oder weniger Tiere halten. Gemäss Widmer hat sich der Hitzesommer auch auf die Zuckerrübenernte ausgewirkt. Da Zucker­rüben viel Wasser benötigen, sei der Ertrag eher schlecht. Möglich, dass das mit Importzucker aus dem Ausland kompensiert werden müsse.

Um für künftige Trockenperioden vorbereitet zu sein, hat sich der Bauernverband mit dem Kanton ausgetauscht. Im Zen­trum stehen die folgenden Fragen: Wie gehen wir mit dem Wasser um? Wie kann man mit weniger Wasser den gleichen Ertrag erzielen? Ebenso müsse die Landwirtschaft überlegen, ob künftig in trockenen Gebieten ­allenfalls andere Kulturen angebaut werden sollen.

Im Einzugsgebiet der Thur zeigte sich, dass der Niedrigwasserspeicher Anfang Juli etwas grösser war als im Hitzesommer 2003, aber deutlich geringer als im Hitzesommer 2015. In den letzten 30 Jahren gab es aber noch andere Sommer, die ein ähnlich tiefes Niveau hatten, zum Beispiel der Sommer 2011.

Von der Geologie her besonders beschaffen ist das Neckertal: Vom Aachbach, der an Mogelsberg vorbeifliesst, war im Sommer nur noch das trockene Bett zu sehen – der stark vom Grundwasser gespiesene Bach hatte sich quasi in den Untergrund zurückgezogen. «Das geschieht regelmässig, auch in trockenen Wintern, wenn viel Schnee liegt und es wenig Oberflächenwasser hat», sagt Marcel Schirmer, Hydrometrie-Spezialist beim Amt für Wasser und Energie im Kanton St. Gallen.

Grundwasser (37 Prozent) und Quellen (38) sind die wichtigsten Trinkwasserressourcen im Kanton St. Gallen – ein Viertel ist Oberflächenwasser, vor allem Seewasser. 85 Prozent der Grundwassermenge sind im Einzugsgebiet Alpenrhein-Bodensee zu finden, 10 Prozent im Gebiet Walensee-Obersee und lediglich 5 Prozent im Gebiet der voralpinen Thur-Sitter. Das Grundwasservorkommen im Rheintal zwischen Bad Ragaz und St. Margrethen ist mengenmässig mit Abstand das grösste Vorkommen des Kantons – es gehört auch zu den grössten der Schweiz. In Trockenzeiten ist es ein zuverlässiger Wasserspeicher, im Gegensatz zu kleinen Fliessgewässern.

Experten rechnen damit, dass Trockenperioden wie 2003 und 2018 künftig häufiger vorkommen werden. «Denkbar wäre, dass in Zukunft zum Beispiel bei Bewässerungen im Rheintal mehr Grundwasser gefasst wird, um damit Entnahmen aus Bächen, die in Trockenzeiten zu wenig Wasser führen, zu ersetzen», beschreibt Schirmer ein mögliches Szenario.

Drei Jahre, um alten Stand zu erreichen

Nach dem Hitzesommer sind die Grundwasserpegel noch immer tief. «Das Grundwasser reagiert viel träger als das Wasser auf der Oberfläche», sagt Schirmer. Nach 2003 habe es drei Jahre gedauert, bis der alte Stand wieder erreicht worden sei. «Wir werden die Pegel im nächsten Halbjahr genau beobachten und hoffen auf Regen im Herbst und eine Schneeschmelze, die möglichst kontinuierlich verläuft.» Auch im Toggenburg wäre man über eine oder gar zwei Wochen Landregen nicht unglücklich. «Wir sind noch nicht ganz auf dem alten Wasserstand», sagt Adolf Breitenmoser, Präsident der Wasserversorgung Krummenau. Durch den Verbund mit der Nachbar-Wasserversorgung habe sich die Lage ein wenig entspannt.

Auch er überlegt sich, wie künftig mit Hitzeperioden umgegangen werden kann. «Eine Möglichkeit wäre, die Verbunde untereinander mehr auszuschöpfen», sagt Breitenmoser. Derzeit lasse sich nur mit speziellen Schläuchen eine Verbindung zum Nachbarn herstellen. Wenn es nun immer so heiss sei, könne eine fixe Leitung verlegt werden. Dies wäre aber mit siebenstelligen Investitionen verbunden. «Ein Rezept für eine definitive Lösung habe ich noch nicht», sagt Breitenmoser.

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