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Der «Avalon»-Erbauer

Die Politiker aus Gemeinde und Kanton trauten ihren Ohren nicht, als Daniel Model vor sechs Jahren im Weinfelder Rathaussaal seinen eigenen Staat namens «Avalon» ausrief. Morgen weiht der Thurgauer Unternehmer in Müllheim sein Regierungsgebäude ein.
Daniel Model gründet seinen eigenen Staat. (Bild: Reto Martin)

Daniel Model gründet seinen eigenen Staat. (Bild: Reto Martin)

Die Politiker aus Gemeinde und Kanton trauten ihren Ohren nicht, als Daniel Model vor sechs Jahren im Weinfelder Rathaussaal seinen eigenen Staat namens «Avalon» ausrief. Morgen weiht der Thurgauer Unternehmer in Müllheim sein Regierungsgebäude ein.

Zum Modelhof gehören neben einem Konzertsaal und einer Bibliothek eine Akademie. Sie soll die Idee des idealen Staates weiterentwickeln. Denn Model «leidet» an unserem Sozialstaat. Durch die Transferzahlungen der Erfolgreichen würden die Schwachen noch schwächer, weil für diese keine äussere Veranlassung bestehe, aus ihrer Opferrolle herauszukommen, beklagt er. Mit seiner Kritik am Sozialstaat eckt der 52-Jährige an. Insbesondere, weil er keinen Hehl daraus macht, dass er nichts von einem umfassenden Kündigungsschutz und vom Engagement der Gewerkschaften hält. Sein Ideal ist die Freiheit.

Studium in St. Gallen

Es dürfte ihm nicht schwerfallen, dieses Ideal selbst zu leben, gehört er doch zu den Privilegierten dieser Gesellschaft. Aufgewachsen in einer Unternehmerfamilie tritt er nach dem Wirtschaftsstudium in St. Gallen in das Familienunternehmen ein. 1995 bietet sich ihm und seinem Bruder Martin U. Model die Gelegenheit, Eigentümer der Firma zu werden, die auf die Entwicklung und Herstellung von Verpackungen aus Voll- und Wellkarton spezialisiert ist. Daniel Model ist Präsident und CEO der Holding, die ihren Sitz in Weinfelden hat. Der Konzern beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter, davon 1000 in der Schweiz. Die Gruppe besteht aus 16 Tochtergesellschaften in acht Ländern.

Model, der von sich selbst sagt, er sei als Chef unberechenbar, scheut sich nicht, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. So erhöhte er im vergangenen Jahr im Kampf gegen die Frankenstärke die Arbeitszeit von 40 auf 42 Stunden. Mit diesem Entscheid und im besonderen seinen Äusserungen in der «Tagesschau», wonach jeder Angestellte, der nicht bereit sei, mehr zu arbeiten, gehen müsse, zog er den Zorn der Gewerkschaften auf sich. Ein Gewerkschaftssekretär bezeichnet das Weinfelder Unternehmen als «typisch patriarchalen Familienbetrieb», der mit eigenen Wohnungen und eigenen Kinderkrippen im Dorf sage, wo es langgehe.

Solche Äusserungen scheinen Daniel Model nicht zu belasten. Im Gegenteil. Immer wieder kritisiert er in Interviews die Sozialpartnerschaft. «Wo der Einfluss der Gewerkschaften hoch ist, ist auch die Arbeitslosenrate hoch. Wo es keine Freiheit gibt, ein Verhältnis aufzulösen, fällt ihre disziplinierende Wirkung dahin.» Seinen Feldzug gegen den «Verwöhnstaat» untermauert Model mit Vorstellungen vom «Auserwähltsein» und «Schmerz als Geschenk». Worte, die man eher in der Esoterik sucht denn bei einem Mann, der einem Konzern vorsteht.

Mann mit Sportsgeist

Daniel Model hat viele Facetten. Neben dem knallharten Patriarchen gibt es den Kunstmäzen und Musikliebhaber. Als Wohltäter unterstützt er Organisationen, die sich ehrenamtlich für Kinder engagieren. Er ist ein Mann mit Sportsgeist. Er war Elite-Amateur im Radsport und ein erfolgreicher Curler. Als Skip der Nationalmannschaft erzielte er den vierten Rang an der Weltmeisterschaft 1988. Geprägt hat ihn zudem seine klassische Bildung.

Dennoch: Daniel Model polarisiert. Die einen halten seine Gedanken für gefährlich. Andere wiederum sind fasziniert von seinem Redefluss und froh, dass er den Mut hat, querzudenken. Auch wenn er mitunter als «Spinner» bezeichnet wird, so lässt sich der 52-Jährige nicht davon abhalten, in Müllheim mit Künstlern, Mitbürgern und Philosophen Hof zu halten. In Weinfelden wird gemunkelt, dass es in Models Palast einen Thronsaal geben soll. Für seinen Staat hat er sogar eine Münze prägen lassen. Ob «Avalon» die Gesellschaft weiterbringen wird oder ob es nur Models ganz persönliches Forum Romanum wird, wird sich zeigen. Inge Staub

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