«Der April wird matchentscheidend»: St.Galler Kantonsärztin und Labormedizinchef rufen zu Geduld und Disziplin noch im ganzen Monat auf

Im TVO-Talk appellieren die St.Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz und der Leiter der Labormedizin Wolfgang Korte an die Bevölkerung, punkto Vorsichtsmassnahmen nicht nachzulassen. Die Welle sei in der Ostschweiz erst im Anrollen, doch könne man dank längerem Hinauszögern auf einen flachen Kurvenverlauf hoffen.

Marcel Elsener
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Wie schlimm wird es noch, oder ist am Ende alles halb so schlimm? Das ist in diesen Tagen allerorts die grosse Frage, und Moderator André Moesch stellt sie am Mittwoch am Anfang der TVO-Talksendung «Zur Sache» der St.Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz.

St.Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz.

St.Galler Kantonsärztin Danuta Reinholz.

Bild: Urs Bucher

Ist angesichts der weiterhin «erschreckend schnell» steigenden Zahlen von Covid-Infizierten und Todesfällen in der Schweiz – jedoch nach wie vor ruhigen Verhältnissen in der Ostschweiz – «das Schlimmste» zu erwarten? «Das Schlimmste ist ein schlimmes Wort», sagt Danuta Reinholz und wiederholt ihre Aussage vom Vortag. «Bei uns ist es die Ruhe vor dem Sturm. Die Welle rollt, nach dem Tessin, Waadt und Genf hat sie nun unseren Nachbarkanton Zürich erreicht.»

«Wir rechnen mit einem langsamen, stetigen Anstieg der Fallzahlen.»

Der Anstieg betreffe Personen mit leichten Symptomen ebenso wie schwerer Erkrankte, die ins Spital müssten. Der Blick auf Tessin und Genf belege allerdings die grosse Wirkung der vom Bund verordneten Massnahmen, sagt Reinholz. «Genf hat eine viel flachere Kurve. Das lange Hinauszögern lässt auch bei uns auf eine flachere Kurve hoffen.»

St.Galler Zentren sind bereit für viele Tests

Das St.Galler Zentrum für Labormedizin, eines der grössten der Schweiz, hat nebst seinem Versorgungsauftrag «einen grossen Fokus auf die zeitnahe Corona-Diagnostik» gelegt, wie CEO und Chefarzt Wolfgang Korte erklärt. Dass bislang noch wenig getestet wurde, lag laut Korte an den unterbrochenen Lieferketten und an den geschlossenen Grenzen.

«Jetzt sind wir parat für deutlich mehr Tests und auch unabhängig von ausländischen Lieferanten.»

In den drei kantonalen Konsultationszentren, aber auch in den Spitälern und in Arztpraxen, werden laut den beiden Experten beide Tests möglich sein: einerseits der sogenannte PCR-Abstrich zur Erkennung von Virusträgern, andererseits der Antikörper-Test zur Identifikation der Immunität. Letzterer ist vor allem für Personen im Gesundheitswesen wichtig, die in der ersten Welle getestet werden. «Das wird jetzt aufgegleist», so Reinholz.

Ab wann genau im Kanton St.Gallen Massen- und Schnelltests laufen, diese Frage bleibt trotz Moderator Moeschs mehrfachem Nachhaken unbeantwortet. Man habe «grosse Bestellungen aufgegeben» und sei «gut gewappnet», sagt Korte, doch warte man noch auf die Lieferungen. Ein zweiter Grund liegt wohl an der landesweiten Koordination: «Es darf in der Schweiz keinen Fleckenteppich mit unterschiedlichen Kriterien geben.»

Im Monat April noch durchzuhalten ist «matchentscheidend»

Ebenso vorsichtig äussern sich die Gesundheitsfachleute zu den nun herbeigesehnten und teils geforderten Lockerungen im Lockdown. Kantonsärztin Reinholz betont Bundesrat Bersets Aussage, man habe erst «drei Kilometer eines Marathons» hinter sich.

Um die Welle zu bewältigen, müsse die Bevölkerung «noch sicher den ganzen April durchhalten, ein Nachlassen wäre jetzt fatal». Danuta Reinholz freut sich über die beobachtete Disziplin: «Die Bevölkerung macht sehr gut mit.» Und sie ruft auf:

«Haltet durch! Der April wird matchentscheidend. Weiter so!»