«Der Anschluss bringt nichts»

Die Strassen in Goldach, Rorschach und Rorschacherberg sind oft verstopft. Das Verkehrsaufkommen ist stark, der Wunsch nach Entlastung ebenso. Ein Autobahnanschluss soll diese bringen. Dagegen regt sich Widerstand.

Regula Weik
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Bereits im Herbst haben sich 40 Personen im Restaurant Hohrain in Goldach ge. Der Versammlungsort ist nicht zufällig gewählt. Unmittelbar neben dem denkmalgeschützten Haus ist ein neuer Autobahnschluss geplant. Der Unmut über das Vorhaben hatte die 40 Personen im «Hohrain» zusammengeführt. Sie sind überzeugt: «Dieser Autobahnanschluss bringt nichts.» Ganz sicher nicht die gewünschte Verkehrsentlastung.

Persönlich betroffen?

Lukas Reichle ist einer der «Widerstandskämpfer», ein loses, parteiübergreifendes Komitee mit Bürgern aus den drei Gemeinden. Der Rektor des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen ist Rorschacher – und direkt von den Plänen tangiert? «Ich bin so sehr vom Vorhaben betroffen wie jeder andere Einwohner auch, solange die flankierenden Massnahmen nicht definiert sind», begründet Reichle sein Engagement.

Flankierende Massnahmen

Damit ist auch gleich ein Kritikpunkt des Komitees erwähnt: die flankierenden Massnahmen – «heute ein nebulöses Etwas», sagt Reichle. «Es gibt dazu keine konkreten Informationen.» So sei etwa von einem Tunnel die Rede – unter ganz Rorschach hindurch. «Ein Vorhaben, das einen dreistelligen Millionenbetrag kosten dürfte. Und wer zahlt?»

«Regionales Konzept fehlt»

Der zweite Hauptkritikpunkt des Komitees: «Es fehlt ein regionales, gemeindeübergreifendes Verkehrsmanagement.» Reichle ergänzt: «Über 80 Prozent des Verkehrs sind hausgemacht» – und daher: «Der Autobahnanschluss allein löst das Verkehrsproblem nicht. Er verschärft es.»

Das Komitee ist überzeugt: Es gibt «sanftere Massnahmen, um das Verkehrsproblem in der Region wirkungsvoller, nachhaltiger und vor allem kostengünstiger zu lösen». Wo würden die Mitglieder des Komitees konkret ansetzen? Bei den zahlreichen Bahnübergängen, indem Unterführungen realisiert werden. Oder indem die Angebote des öffentlichen Verkehrs erweitert und attraktivere Wege für Velofahrer und Fussgänger geschaffen werden – um so mehr Leute zum Umsteigen vom Auto auf Bahn, Bus oder Velo zu bewegen.

Innerhalb von zwei Kilometern

«Das Potenzial liegt in einer regionalen Lösung», sagt Reichle. «Wir sind offen für gemeindeübergreifende Verbesserungen beim Strassenverkehr. Wir wehren uns aber gegen einen zusätzlichen Autobahnanschluss quer durch bestehendes Wohngebiet – und quer durch einen der letzten grünen Gürtel.» Zudem nur gerade gut zwei Kilometer entfernt vom nächsten Autobahnanschluss Meggenhus – «wo gibt es so etwas in der Schweiz», sagt Reichle.

Im kantonalen Strassenbauprogramm 2014 bis 2018 ist die Detailplanung des Autobahnanschlusses Rorschach vorgesehen. Ob der Bund einen zusätzlichen Anschluss zwischen Mörschwil und Thal überhaupt bewilligt, ist noch offen. Der Grundsatzentscheid könnte noch dieses Jahr, allenfalls 2013 fallen.

Informationsanlass über Verkehrskonzept für die Region Rorschach mit den Regierungsräten Willi Haag und Beni Würth: Montag, 12.11., 19.30 Uhr, Stadthofsaal, Rorschach

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