Der Amerikaner am Bodensee

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Wenn er einem mit schaukelndem Gang entgegenkommt, die Beine in Jeans, den Pullover über die Schultern gelegt, könnte man meinen, Otmar ­Elsener sei auf dem Pferd aufgewachsen. In den USA hat er tatsächlich zehn Jahre gelebt. Aber nicht als Cowboy und auch nicht bei der Kavallerie. In der amerikanischen Armee hingegen war er, und mit dieser als Soldat oder GI, wie sich das dort nennt, in ­Italien. Später war der gelernte Bänkler als Textilkaufmann für die Rebsteiner Jacob Rohner AG in der ganzen Welt unterwegs. Je mehr Geschichten er auf seinen Reisen hörte, desto klarer wurde ihm: Solche Geschichten gibt es auch zu Rorschach. Der Bodensee gibt sie her, die Industrie­stadt und die Jugenderinnerungen auch. Könnte Elsener, inzwischen 82, nochmals anfangen, würde er vielleicht Schriftsteller. Oder Journalist. Weil das nicht geht, schreibt er seit seiner Pensionierung Rorschacher Geschichten. Geschichten von Ereignissen und Menschen, aus Quellen geschöpft oder selber ­erlebt, aber immer so unmittelbar erzählt, so lebensnah formuliert, dass sie Vergangenes nicht nach-, sondern miterleben lassen. 2011 – eigentlich zu spät – wagte er sich an sein erstes Buch. «Rorschach – Geschichten einer Hafenstadt» ist in dritter Auflage vergriffen. Unschwer vorauszusagen, dass im kommenden Herbst auch «Rorschach – Geschichten aus der Region» ein Erfolg werden wird. Am Mittwoch hat Otmar Elsener den Stürm-Preis erhalten. Eine Auszeichnung, die kulturelles und gesellschaftliches Bemühen und Wirken für die Stadt und die Region am See belohnt. (lü)