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Der Alpstein ist sein Wohnzimmer – weshalb der Portugiese Jorge Fonseca seit sieben Jahren auf dem Hohen Kasten lebt

Jorge Fonseca arbeitet nicht nur als Hilfskoch auf dem Hohen Kasten – er verbringt seit sieben Jahren auch den grössten Teil seiner Freizeit dort. Er will möglichst bescheiden leben, weil er in seiner Heimat eine kranke Tochter hat, die seine finanzielle Unterstützung benötigt.
Daniel Walt
Er arbeitet und lebt auf 1794 Metern über Meer: Jorge Fonseca auf dem Hohen Kasten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er arbeitet und lebt auf 1794 Metern über Meer: Jorge Fonseca auf dem Hohen Kasten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Jahr 2018 zückten rund 210'000 Menschen ihr Portemonnaie, um mit der Seilbahn auf den Hohen Kasten fahren und die prächtige Aussicht geniessen zu können. Für den 40-jährigen Portugiesen Jorge Fonseca ist das Panorama auf 1794 Metern über Meer im Arbeitsvertrag inbegriffen: Er arbeitet seit zehn Jahren auf dem Berg. Seit sieben Jahren lebt er sogar fix in einem kleinen Zimmer auf dem Gipfel des Hohen Kastens. Er sagt: «Jeder Tag hier oben ist anders – alleine schon vom Wetter her.»

«Die Menschen sind klein – so wie ich»

Jorge Fonseca jobbte in seiner Heimat Portugal nach der Schule auf einer Baustelle, bevor er 2001 als Gastarbeiter in die Schweiz kam – und sogleich Lehrgeld bezahlen musste:

«Es war Dezember, alles war verschneit – und ich hatte nur meine Turnschuhe dabei.»

Er musste sich zuerst einmal Winterschuhe zulegen.

Nach acht Jahren und zwei Engagements in Hotels in der Bündner Feriendestination Arosa wechselte der Portugiese im Frühling 2009 als Hilfskoch auf den Hohen Kasten. Eine Kollegin aus Appenzell, die er von Arosa her kennt, hatte ihm die Arbeitsstelle vermittelt.

Im Appenzellerland gibt es viele Bauern, viele alte Häuser, der Dialekt ist speziell – «und die Menschen sind klein, so wie ich.» Lachend beschreibt der 1.62 Meter grosse Mann aus Lamego die Vorstellungen, die er vom Appenzellerland und dessen Einwohnern vor seinem Engagement auf dem Hohen Kasten hatte.

Er sieht Frau und Kind nur in den Ferien

In den ersten drei Jahren wohnte Jorge Fonseca während der Sommersaison auf dem Hohen Kasten – über den Winter bezog er aber ein Domizil in Appenzell. Das änderte sich, als er Vater einer Tochter wurde. Das Kind kam mit einem Geburtsfehler zur Welt und ist deshalb auf Medikamente und eine spezielle Ernährung angewiesen. Das kostet Geld, viel Geld. Deshalb entschied sich Jorge Fonseca vor sieben Jahren, aus Kostengründen das ganze Jahr über in einem 32 Quadratmeter grossen Personalzimmer auf dem Hohen Kasten zu leben:

«Ich will hier nicht im Luxus leben, wenn daheim in Portugal jemand ist, der mich braucht.»

Jorge Fonseca in seinem kleinen Zimmer auf dem Hohen Kasten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Jorge Fonseca in seinem kleinen Zimmer auf dem Hohen Kasten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit seinem Schicksal hadert Jorge Fonseca nicht, selbst wenn er nur in den Ferien mit seiner Frau und seiner Tochter zusammen sein kann. «Eigentlich hatte ich geplant, meine Familie in die Schweiz zu holen», sagt er. Aufgrund der Krankheit der Tochter habe man sich gemeinsam aber dagegen entschieden. «Die Ärzte in Portugal kennen die Krankheit, dort gibt es bei der Behandlung auch keine sprachlichen Hürden, wie das hier vielleicht der Fall wäre», sagt der 40-Jährige.

Auch für seine Frau sei die Situation nicht einfach, fügt er an. Sie verstehe aber, dass er in der Schweiz bleibe. Denn wenn Jorge Fonseca nach Portugal zurückkehren und dort arbeiten würde, könnte er seine Familie mit dem entsprechenden Lohn nicht durchbringen.

Wandern, TV schauen, fotografieren

Was macht jemand, der auf dem Hohen Kasten arbeitet und wohnt, in seiner Freizeit? Jorge Fonseca, in seiner Heimat Portugal eher dem Meer als den Bergen zugetan, lacht:

«Wandern!»

Insbesondere zum Kamor laufe er manchmal. Zudem ist Fonseca auf dem Hohen Kasten zum passionierten Fotografen geworden: Mit seinem Handy fängt er die Tages- und Jahreszeiten sowie die entsprechenden Stimmungen auf dem Berg ein – entstanden sind viele prächtige Bilder, aus denen er Alben macht und die er bei seinen Besuchen in der Heimat stolz vorzeigt. Eins der Fotos von Jorge Fonseca sehen Sie hier:

(Bild: pd)

(Bild: pd)

Jorge Fonseca vertreibt sich die Zeit auch mit TV schauen. Oder dann redet er mit anderen Angestellten, die teils ebenfalls auf dem Berg übernachten, oder macht Würfelspiele mit ihnen.

Er verhehlt aber nicht, dass die Tage lang werden können – insbesondere dann, wenn die Bahn in den Wintermonaten wegen Föhns tagelang nicht fahren kann und das Restaurant geschlossen bleibt. «Im Lauf des Nachmittags wird es irgendwann langweilig», sagt Jorge Fonseca. Er putze dann teilweise in der Restaurantküche, um sich die Zeit zu vertreiben.

Jorge Fonseca in der Restaurantküche. (Bild: Hanspeter Schiess)

Jorge Fonseca in der Restaurantküche. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Foto mit den Appenzeller Sennen

Bei aller Sparsamkeit: Jorge Fonseca lebt nicht 365 Tage à 24 Stunden auf dem Hohen Kasten. Zweimal pro Woche besucht er einen Deutschkurs im Tal. Auch sonst fährt der Portugiese an freien Tagen ab und an mit der Seilbahn nach Brülisau und macht dann Ausflüge. Diese führen ihn auf die Ebenalp, zum Aescher oder zum Seealpsee – oder dann besucht Fonseca Kollegen in Appenzell oder auch in Arosa.

In seinen mittlerweile zehn Jahren auf dem Hohen Kasten hat Jorge Fonseca vieles erlebt. Da sind zum einen die nächtlichen Flüge, welche die Rega auf der Suche nach Vermissten immer wieder durchführen muss. Der Portugiese sagt:

«Das Brummen der Helikopter, das Licht der Suchscheinwerfer, welches mein Zimmer erleuchtet – das fährt einem schon ein.»

Genauso unvergesslich bleibt ihm jener Abend, als um 23 Uhr vier Junge an sein Fenster klopften, weil sie noch etwas zu essen wollten. Weil Fonseca an jenem Abend alleine auf dem Berg war, öffnete er ihnen aber aus Sicherheitsgründen nicht.

Und da ist da noch eine Episode aus dem Jahr 2016. Anlässlich einer Veranstaltung kamen auch zwei der drei Sennen, welche die Gesichter der bekannten Werbekampagne für den Appenzeller Käse sind, auf den Hohen Kasten. Jorge Fonseca setzte sich kurz entschlossen zwischen die beiden:

(Bild: pd)

(Bild: pd)

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