Deponien, eine Spinnerei und viel Gemüse: 
Die St.Galler Regierung hat den Richtplan angepasst 

Im Linthgebiet sollen gleich drei Deponien entstehen. Das sieht der angepasste Richtplan im Kanton St.Gallen vor. In mehreren Gemeinden werden Siedlungsgebiete erweitert - in Diepoldsau für eine umstrittene Gemüserüsthalle. 

Katharina Brenner
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Erlaubnis zum Abriss: die ehemalige Spinnerei Uznaberg.

Erlaubnis zum Abriss: die ehemalige Spinnerei Uznaberg. 

PD

Abfall, Denkmal, Fussball: Der kantonale Richtplan ist umfassend. Er steuert die räumliche Entwicklung des Kantons und wird jedes Jahr angepasst. Nun hat die St. Galler Regierung die Anpassung 19 erlassen. Unter den Änderungen sind solche, die im Vorfeld zu Kontroversen geführten hatten, wie die um Kraut und Rüben im Rheintal:

  • Gemüserüsthalle Diepoldsau In der Gemeinde Diepoldsau wird das Siedlungsgebiet für die Erstellung einer Gemüserüsthalle erweitert; 100 Meter lang, 40 Meter breit und 14 Meter hoch soll sie werden. Vergangenes Jahr war dieser Schritt noch zurückgestellt worden wegen der Prüfung alternativer Standorte. Die Suche blieb erfolglos. Aus Landwirtschaftszone wird deshalb Siedlungsgebiet. «Ein notwendiger Schritt für nachgeordnete Verfahren», sagt Martin Schmid, Leiter Abteilung Kantonale Planung. Mit dieser Zuweisung könne auf Gemeindeebene das Teilzonenplanverfahren durchgeführt werden. Die Regierung lässt sogleich wissen: Falls das Vorhaben nicht realisiert werden kann, wird das Siedlungsgebiet zurückgeführt.

    Die geplante Halle hat einen schweren Stand im Dorf. Die Bevölkerung war in Aufruhr geraten, als sie von den Plänen des «Diepoldsauer Gemüsekönigs», wie Stefan Britschgi im Rheintal genannt wird, erfahren hatte. Gegen das erste Projekt hatte es Einsprachen gegeben, auch beim zweiten regte sich rasch Widerstand. Britschgi sagt, er müsse die Inhalte des Richtplans erst genau studieren, bevor er sich dazu äussern könne. Grundsätzlich seien das aber positive Nachrichten.
  • Spinnerei Uznaberg Vor 16 Jahren hat die Spinnerei Uznaberg ihre Türen geschlossen. Diese Türen, zusammen mit Fenstern, Wänden und Dächern könnten verschwinden. Denn auf Antrag der Gemeinde Uznach wird die Spinnerei aus dem Richtplan entlassen. Ein Abriss wäre damit möglich. Das Areal soll für die Ansiedlung der Streuli Pharma AG genutzt werden. Die Schutzwürdigkeit der ehemaligen Spinnerei sei grundsätzlich nicht bestritten, sagt Martin Schmid. Aber: «Die Regierung gewichtet in diesem Fall die wirtschaftlichen Interessen höher als die Erhaltung des Industriedenkmals.»
  • Deponien Im Linthgebiet sollen gleich drei neue Deponien entstehen: St.Dionys in Rapperswil-Jona, Gubel in Kaltbrunn/Uznach und Hofweid in Gommiswald/Kaltbrunn. Auf Rückmeldungen des Bundes hin hat der Kanton die Anforderungen an die nachgeordnete Planung ergänzt. So müsse beim Standort St.Dionys noch aufgezeigt werden, mit welchen Massnahmen dem angrenzenden geschützten Ortsbild um die Kapelle St. Dionys Rechnung getragen werde, sagt Tensing Gammeter, Sektionsleiter Abteilung Abfall und Rohstoffe beim kantonalen Amt für Umwelt. Da es sich zudem um ein archäologisches Funderwartungsgebiet handle, müsse im Planungsverfahren mit Auflagen gerechnet werden.

    St.Dionys wird die erste Deponie vom Typ B im Linthgebiet. Dort werden wenig verschmutzte, nicht verwertbare Bauabfälle entsorgt. Abfall dieser Art werde bislang in die Nachbarkantone gebracht, vor allem nach Glarus, so Gammeter. «Dort haben sie aber immer weniger Platz.» Deponien seien in der Bevölkerung unbeliebt. «Deshalb prüfen wir die Standorte vorher sorgfältig, wie zum Beispiel den Standort Thurhof in der Gemeinde Oberbüren.» Dort sind weitere Abklärungen in Zusammenhang mit dem Landschaftsschutzgebiet und dem angrenzenden Auenschutzgebiet nötig.
  • Engpassbeseitigung St.Gallen Mit der Richtplananpassung 19 werde die grobe Linienführung der Engpassbeseitigung St. Gallen festgesetzt, schreibt die Regierung. Das Autobahnprojekt, das eine dritte Röhre für den Rosenbergtunnel, den Zubringer Güterbahnhof und die permanente Pannenstreifenumnutzung von St. Fiden bis Neudorf umfasst, kann nun weiter geplant werden. Das Astra sieht gemäss aktuellen Plänen einen Start der Realisierung im Jahr 2031 vor und eine Inbetriebnahme 2040.
  • Feuerwehr und Fussball Der Richtplan weist die Erweiterung des Siedlungsgebietes für verschiedene öffentliche Nutzungen aus: für das neue regionale Feuerwehrdepot Pizol in Vilters-Wangs, Mels und Sargans, die Erweiterung der Fussballanlage Birkenau in Rebstein und Marbach, die Erweiterung der Abwasseranlage Saar der Gemeinden Vilters-Wangs, Sargans, Mels und Wartau sowie die Erweiterung des Entsorgungsplatzes Ökoville in Oberriet.

Die Unterlagen zur Richtplan Anpassung sind zu finden unter: www.areg.sg.ch

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