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Depeche Mode bringen Herz, Wärme und eine spektakuläre Show ins Sittertobel

Der Auftritt der britischen Band Depeche Mode war der grosse Höhepunkt des Open Air St.Gallen 2018. Die Musiker um Frontmann Dave Gahan präsentierten ein Hitfeuerwerk, aber auch viele nachdenkliche Töne.
Philipp Bürkler
Dave Gahan, Frontmann der Band Depeche Mode. (Bild: Ralph Ribi)

Dave Gahan, Frontmann der Band Depeche Mode. (Bild: Ralph Ribi)

Die Musikverantwortlichen beim Open Air St.Gallen haben es 2018 einmal mehr geschafft, auf die richtige Mischung an Stilrichtungen und Headlinern zu setzen. Am Freitagabend sprach mit Nine Inch Nails eine ziemlich düstere und für die breite Masse weniger zugängliche Band ein eher kleineres und überschaubares Publikum in der Nische an. Derweil schafften es Depeche Mode mit ihrem unverkennbaren Sound sowie mit dem einzigartigen Charme, die gesamte Open-Air-Meute, Besucher jeglichen Alters, anzusprechen.

40 Jahre Hits

Depeche Mode können immerhin auf ein fast 40-jähriges Repertoire mit unzähligen weltbekannten Songs und eingängigen Melodien zugreifen, das sie am Samstagabend voll auskosteten. Nicht nur das Publikum war ob des vielschichtigen Sounds und der visuell starken Video-Show mit sehr subtilen Botschaften beeindruckt und begeistert. Auch Sänger Dave Gahan, Gitarrist Martin Gore und Keyboarder Andrew Fletcher schien die Show sichtlich Spass zu machen.

Dave Gahan schaffte es von Beginn weg, das sowieso schon von der guten Stimmung im Sittertobel berauschte Publikum nochmals auf eine höhere Glücksebene zu bringen. Seine integrative Art, sein feiner Geist und sein Gespür für Ästhetik übertrugen sich auf das Publikum. Depeche Mode brachten Herzlichkeit und Ehrlichkeit ins Sittertobel.

Stark an der Show war die Authentizität. Obwohl Depeche Mode ihre Megahits wie «Walking in My Shoes», «Personal Jesus» oder «I Just can't Get Enough» in ihrer vier Jahrzehnte dauernden Karriere schon Tausende Mal auf Konzertbühnen gespielt haben, war die Show unter freiem Himmel in einer lauen Sommernacht frisch und belebend. Das Publikum genoss es und bekam, was es wollte: Party.

Eindringlicher Auftritt: Depeche Mode im Sittertobel. (Bild: Ralph Ribi)

Eindringlicher Auftritt: Depeche Mode im Sittertobel. (Bild: Ralph Ribi)

Soundtrack für Botschaften

Der blonde Gitarrist Martin Gore ist seit Jahren der Mastermind hinter der Band, wenn es um Texte geht. Gore schreibt, Gahan singt. Für zwei, drei Songs übernahm dann aber auch Gore den Gesang - er erzeugte ebenfalls eine sehr feinfühlige Atmosphäre. Keyboarder Andrew Fletcher als drittes Bandmitglied sorgte dezent mit Sonnenbrille im Hintergrund für die Depeche-Mode-typischen Synthesizer-Sounds.

Die drei Jungs, die mittlerweile alle auf der Welt verstreut in verschiedenen Städten leben, London, Los Angeles und New York, überzeugen nicht nur als Trio mit ihrem sympathisch-düsteren Erscheinungsbild und ihrem unverkennbaren Sound. Sie haben auch das Konzert als Show und Erlebnis auf einen neuen Level gebracht. Während die vom Fernsehen übertragenen Live-Bilder der Show auf den Video-Screens in schwarz-weiss dargestellt wurden, vermittelte die Show mit farbigen Videos feinsinnige Botschaften zum aktuellen Zustand unserer Welt.

Während die Band progressiv ihren teilweise bretternden Sound spielte, sah man in einem Video einen Mann und eine Frau in einer Wohnung tanzen. Die Schönheit des Tanzes, die geschmeidigen Bewegungen sowie die Leichtigkeit und Langsamkeit setzten einen Kontrapunkt zum teilweise schnellen und progressiven Sound. «Ich konnte mich gar nicht auf die Musik konzentrieren, weil ich auf die Videos fokussiert war», sagte eine Besucherin. Das ist aber genau die Absicht der Band. Sie bot mit ihrer Musik lediglich einen Soundtrack für ihre Botschaft.

Depeche Mode in Aktion. (Bild: Ralph Ribi)

Depeche Mode in Aktion. (Bild: Ralph Ribi)

Rückbesinnung auf Umwelt und Tiere

In einem anderen Video war ein Mann zu sehen, der am Morgen aus dem Bett steigt und sich anschliessend weiblich schminkt und als Frau durch die Strassen Berlins geht. Die Message der Band ist klar: Transgender, Homosexualität, Polyamorie und jegliche anderen einvernehmlichen Formen von Sexualität sind nicht etwas Besonderes, sondern völlige Normalität in unserer Gesellschaft. Die Rückbesinnung auf unsere Umwelt, auf Mitmenschen sowie Tiere, die ebenfalls ihren Platz auf der Erde haben, wurde in eindrücklichen Porträts dargestellt. Tierbilder zeigten die Schönheit und gleichzeitige Schutzlosigkeit der Tiere.

Die fast schon dreidimensional wirkenden Tiere waren gewissermassen auch ein Spiegelbild für uns Menschen, wie wir mit Tieren umgehen. In einer hyperglobalisierten Welt, die durch Konsum definiert ist, in der viele Menschen Tiere nur noch von der Fleischwarenabteilung im Supermarkt kennen, haben Depeche Mode dem Publikum die Zerbrechlichkeit der Natur auf entspannte Art und Weise vor Augen geführt.

Wo bleibt die Revolution?

Auf dem aktuellen Album «Spirit» fragen Depeche Mode «Where is the Revolution?». Wo bleibt die Revolution? Warum wollen wir Menschen nicht eine bessere und sozialere Welt erschaffen, obwohl wir alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann?

Neben der musikalischen Grösse ist dieser Gedanke seit Jahren eines der zentralsten Anliegen der Band. Insofern waren Depeche Mode der optimale Headliner, 2018 zur richtigen Zeit, am passenden Festival. Integration und Gemeinschaft, die Botschaft von Gahan, Gore und Fletcher, ist letztendlich auch die Aufgabe und Berechtigung eines Open Airs wie in St.Gallen, wo Gemeinschaft und Miteinander gelebt werden sollen.

Tausende Menschen, sehr viel junges Publikum, das sich offenbar auch in seiner Generation von Depeche Mode inspiriert fühlt, sowie auch ältere Fans, viele mit Fanshirts unterwegs, erlebten zusammen während der knapp zweistündigen Show glückliche, aber auch nachdenkliche Momente.

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