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Souvenirs! Souvenirs! Welches Bild hat die Welt von der Ostschweiz?

Mitbringsel konservieren das Ferienglück, erinnern an eine Reise, die Erlebnisse und Emotionen. Und helfen gegen das Fernweh. Wir haben uns in die Tourismushochburgen aufgemacht.
Text: Ursula Wegstein, Bilder: Urs Bucher

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Heidi zieht immer noch. Und das wie wahnsinnig. Verzückt beobachten japanische Touristen das Glockenspiel mit Heidi, Peter und den Ziegen Schwänli und Bärli im Turm der Raststätte Heidiland. Eine Art Kuckucksuhr, nur dass statt einem Kuckuck Heidi und ihre ­Gspänli die Akteure sind. In Mundart geben sie ein paar Textpassagen aus dem Klassiker von Johanna Spyri zum Besten. Als dann das Lied der japanischen Fernsehserie aus den 1970ern von Gitti und Erika ertönt, singen gleich mehrere mit. «Holaadioooo». Die Stimmung könnte besser nicht sein.

Eingezäunt auf wenigen Quadratmetern, sitzen ein paar Ziegen auf kleinen Felsstücken am Eingang der Raststätte bei Bad Ragaz. Dahinter ein Maiensäss im Kleinformat. Vom Hochspannungsmasten daneben einmal abgesehen, ist die Idylle perfekt in Szene gesetzt.

Heidi ist ein Touristenmagnet und Verkaufsschlager. Sie und das, wofür sie steht, sind auch im Innern der Raststätte omnipräsent und in allen erdenklichen Formen und Ausprägungen zu haben: Heidi als Puppe, Heidi in der Schnee­kugel, Schlüsselanhänger, Servietten, Handtücher, T-Shirts, Trinkflaschen, auf der Schokolade. Und. Und. Und. Und ­natürlich das Buch von Johanna Spyri in zig Sprachen übersetzt. Selbst Heidi auf einem Schwein verkaufte sich wie warme Weggli, erzählt die Verkäuferin im Souvenirshop der Heidiland-Raststätte. Immerhin eine, die es wissen muss.

Praktisches mit Lokalkolorit

Das gesamte Souvenirangebot ist ein Sammelsurium praktischer Gegenstände, auf die alles gepflastert wird, was ­gemeinhin für die Schweiz steht: Edelweiss, Kühe, Ziegen, Berge, Heidi, Natur. Nicht zu vergessen das Schweizerkreuz. Bestseller seien mit grossem Abstand die Kühlschrankmagneten, sagt die Verkäuferin.

Gefragt sind tägliche Gebrauchsgegenstände. Nicht nur Staubfänger. Leichtes, was sich auch gut im Gepäck verstauen lässt. Auch kulinarische Spezialitäten wie Birnbrot, Biber, Salziz, Käse und Whiskey kommen bei Touristen gut an. Weil sie keinen Platz im ­Regal benötigen und nicht einstauben.

Letztlich seien es die Heidibücher, durch die Johanna Spyri nicht nur internationale Bestseller, sondern genau das noch heute weit verbreitete romantische und idealtypische Bild der Schweiz geschaffen habe, ist auf Myswitzerland.com zu lesen. Das arme Waisenkind, das in der Natur auf der Alp das Glücklichsein erlebt, einen Zugang zum Herzen des sturen Grossvaters findet und später in Frankfurt vor lauter Heimweh nach den Bergen krank wird. Und die Freundin Klara aus reichem Hause, die auf der Alp das Gehen wiedererlernt.

Klischees kommen an

Glückliche Kinder, Freiheit in der Natur, Tiere und ein Happy End. «Mit dieser Idylle im Kopf kommen die Touristen in die Schweiz», sagt Claudia Grünenfelder von der Creanorm Polipins GmbH mit Sitz in Au. Die Firma produziert Heidi-Souvenirs.

Und dieses Bild möchten Touristen in der Schweiz auch wiederfinden. Das ist auch im Toggenburg und in Appenzell nicht anders. Gefragt sind dort besonders die Edelweisshemden, traditionelle Ledergürtel mit Bless und Kuh. Biber und Käse. Die Bauernmalerei als Postkartenmotiv hat Patrick Baumann in ­Appenzell mit über 100 verschiedenen Sujets in seinem Geschäft im Angebot.

Doch nicht nur von Touristen werden Souvenirs gekauft. Das eine oder andere kommt auch bei Einheimischen an. Bei Roger Dörig, Sennsattler in Appenzell, decken sich zur Hälfte Einheimische mit den berühmten Appenzeller Gürteln, Hosenträgern oder Halsbändern für den Hund ein. «Ein traditioneller Ledergürtel gehört sich einfach», sagt er.

Ganz anders will die Region St. Gallen-Bodensee wahrgenommen werden: Als «beschauliche Boutiquetown im Osten der Schweiz», so Tobias Treichler, Vizedirektor von St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Keine Weltstadt, aber urban. Modern und mit Hang zu Innovation. Stolz auf ihr Unesco-Weltkulturerbe. Und auf ein hochstehendes Kulturangebot. Das Image als die Textilhauptstadt der Schweiz hätte man auch noch gerne. Dieses Bild spiegelt sich auch in mancher Postkarte wieder, die in St. Gallen erhältlich ist: andere Perspektiven, moderne Zuschnitte, neue Untertitel in Kleinbuchstaben.

Klischees als Unterscheidungsmerkmal

So wie das Oktoberfest, Hofbräuhaus und die Frauenkirche für München stehen, die Royals, Tower Bridge, der Big Ben und der Union Jack für England oder die Akropolis für Athen, wird die Ostschweiz mit Heidi, Kindern und Kühen, Glocken und Gürteln, Trachten, Berggipfeln und Edelweiss in Verbindung gebracht. Das Urchige und Ländliche. Gefragt ist das Charakteristische, Besondere. Das, was in der Region einzigartig ist.

In einer Welt, in der sich Innenstädte und Berufe immer ähnlicher werden, sind es vielleicht gerade die alten Klischees, mit denen man sich noch unterscheiden kann. Ob das noch der heutigen Realität entspricht, steht auf einem anderen Blatt.

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