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Den Tod in die Nase gezogen

Der Südafrikaner, der im August tot in seiner Zelle in der Strafanstalt Gmünden gefunden wurde, starb an einer Überdosis. Das morphinhaltige Medikament hatte er von einem Mithäftling erhalten.
Chris Gilb

Am 1. August wurde Rico Engelbrecht von einem Wärter tot in seiner Zelle in der Strafanstalt Gmünden aufgefunden. Mehr als zwei Monate dauerte anschliessend die Untersuchung zu seiner Todesursache. Während dieser Zeit wurde viel über die Todesursache spekuliert (Ausgaben vom 9. und 23. September). Gestern hat die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft nun das Ergebnis ihrer Ermittlungen mitgeteilt. Laut Michael Friedli, Sprecher der Staatsanwaltschaft, soll der 25jährige Südafrikaner am Morgen des 1. August gemeinsam mit einem Mithäftling ein morphinhaltiges Medikament konsumiert haben. Am späten Nachmittag soll er jenen Mithäftling gebeten haben, ihm mehr davon zu geben, und es dann alleine in seiner Zelle konsumiert haben.

Laut Alexandra Horvath, Direktorin der Strafanstalt in Niederteufen, erhielt der Mithäftling das Medikament seit April als Ersatzpräparat für seine Heroinsucht. Es sei ihm vom vorbehandelnden Arzt verschrieben worden und in Gmünden dann weiterhin abgegeben worden. Engelbrecht soll sich dieses dann in die Nase gezogen haben und in Folge dessen an einer Überdosis gestorben sein. «Er hat die tödliche Dosis wahrscheinlich nach17 Uhr eingenommen, als er zur Essensausgabe zum letzten Mal gesehen wurde. Es ist anzunehmen, dass er bei dieser hohen Dosis anschliessend relativ schnell starb», sagt Friedli. Gemäss Katharina Hofer von «Tox Info Suisse», einer telefonischen Beratungsstelle für Vergiftungsfälle, erhöht der nasale Konsum von Morphin die Wirkung des Mittels, da es über die Schleimhäute schneller in die Blutbahnen gelangt und weniger davon in der Leber abgebaut werden kann.

Beweggründe bleiben unbekannt

Wieso Engelbrecht das Medikament konsumierte, ist der Staatsanwaltschaft Ausserrhoden nicht bekannt. «Wir haben aber keine Hinweise darauf, dass er Suizid begehen wollte oder drogensüchtig war», sagt Michael Friedli. Doch wie war es überhaupt möglich, dass der Mithäftling einen Vorrat des Medikamentes lagern konnte? Denn laut Gefängnisdirektorin Alexandra Horvath wird dieses in Kapselform verteilt und die Einnahme findet unter Sichtkontrolle des Gefängnispersonals statt. Horvath sagt, die Arbeitsprozesse im Gefängnis seien deshalb erneut überprüft und die Mitarbeiter auf Schmuggelmöglichkeiten sensibilisiert worden. Und wie konnte der Mithäftling das Medikament an Engelbrecht weitergeben? Horvath verweist darauf, dass sich Engelbrecht im offenen Vollzug aufhielt. Dort hätten die Gefangenen miteinander Kontakt, ob bei der Arbeit oder der Freizeit. «Kontrollen finden zwar regelmässig statt. Eine Überwachung rund um die Uhr kann aber nicht gewährleistet werden», sagt sie.

Keine Tötungsabsicht hinter der Weitergabe

Die Details zur Todesursache erfuhr die Staatsanwaltschaft erst letzten Freitag, als sie den Obduktionsbericht vom Institut für Rechtsmedizin in St. Gallen erhielt. «Es fanden schon im Voraus polizeiliche Befragungen der Mithäftlinge statt, in denen besagter Mithäftling schon gestand, das Medikament an den Toten weitergegeben zu haben», sagt Friedli. Nachdem die Staatsanwaltschaft den Bericht erhalten habe, sei dann noch eine staatsanwaltliche Einvernahme mit dem Häftling durchgeführt worden. Gravierende strafrechtliche Konsequenzen hat dieser nicht zu erwarten. «Die Ermittlungen haben ergeben, dass bei der Weitergabe des Medikamentes keine Tötungsabsicht bestand und auch der Tatbestand der fahrlässigen Tötung nicht erfüllt ist», sagt Friedli. Hingegen werde der Mithäftling wegen der Weitergabe von Betäubungsmitteln mittels Strafbefehl verurteilt.

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