«Den Skilift konnten wir noch gar nicht starten»: Wie kleinere Ostschweizer Skigebiete und Loipen in mittleren Höhenlagen unter dem Schneemangel leiden

Ostschweizer Skigebiete und Langlaufloipen in mittleren Höhenlagen leiden unter dem ausbleibenden Schnee. Mancherorts wurde noch gar kein Betriebstag verzeichnet.

Marco Cappellari und Leoni Noger
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Auch in Heiden auf rund 800 Metern über Meer bleibt der Niederschlag aus.

Auch in Heiden auf rund 800 Metern über Meer bleibt der Niederschlag aus.

Bild: Ralph Ribi (Heiden, 6. Januar 2020)

Über die Festtage sind wieder Zehntausende Ostschweizerinnen und Ostschweizer auf die Skipisten der Region geströmt. Das herrliche Wetter und die Schneeverhältnisse liessen die Liftbetreiber schwärmen, die sich am Besucherandrang und Umsatz der vergangenen Tage erfreuen.

Ganz anders sieht es jedoch in den kleineren Skigebieten und Langlaufloipen in mittleren Höhenlagen aus. Sie beklagen den fehlenden Schnee, vielerorts ist noch kein einziger Betriebstag zu verzeichnen.

«Den Skilift konnten wir in diesem Jahr noch gar nicht starten», sagt Urs Stutz vom Skilift in Degersheim. Zwar sei es höchst selten, dass der Betrieb zwischen Weihnachten und Neujahr laufe. «Das Problem ist aber, dass wir momentan keine Aussichten auf Schnee haben.»

«Bis Ende Januar keine Aussichten auf Schnee»

Ähnlich klingt es in Heiden. «Wir haben keinen Schnee momentan», sagt Loipenchef Ivan Keller. Die Loipe über dem Bodensee liegt auf rund 800 Metern über Meer. Es komme häufiger vor, dass es über die Fest­tage keinen Schnee hat.

«Im letzten Jahr hat es am 5. Januar geschneit. Das hielt dann bis in den März hinein», sagt Keller.

«In diesem Jahr ist es extrem, da bis Ende Januar gar kein Schnee angesagt ist.»

«Die letzte Saison war ein gutes Jahr», sagt Bert Baumann, Chef Loipenwesen in Ebnat-­Kappel. In der aktuellen Saison habe die Panorama-Loipe erst eine Woche im Dezember geöffnet werden können. Die Thurloipe, die Ebnat-Kappel und Wattwil verbindet, habe noch gar nicht in Betrieb genommen werden können.

Doch Baumann gibt sich zuversichtlich. «Der Schnee wird auch heuer noch kommen.» Beeinflussen könne man das sowieso nicht. Der Schneemangel hat aber auch in Ebnat-Kappel Auswirkungen auf das Winterprogramm. «Der für Freitag angesetzte Vollmondlauf auf der Thurloipe muss auf Anfang Februar verschoben werden.»

Noch nicht am Limit

Es habe vor zehn Jahren schon Winter gegeben, in denen die Loipen komplett geschlossen blieben. Für die Zukunft mache er sich noch keine Sorgen. «Bei uns wird viel Frondienst geleistet, das gibt uns wirtschaftlich einen gewissen Spielraum.»

«Natürlich wäre es schön, Schnee zu haben», sagt Fridolin Früh vom Skigebiet Wolzenalp.

«Bei uns läuft das Sommergeschäft dafür je länger je besser.»

Zusätzlich zum zunehmend ausbleibendem Schnee beobachtet er einen weiteren Trend: «Früher sind die Leute auch bei Schlechtwetter gekommen. Heute nur bei Traumwetter. Das Freizeitangebot ist einfach viel grösser geworden.» Nebst dem Sommergeschäft hofft er auch auf die Ausflugsgastronomie. «Diese boomt.»

In Waldkirch hat weder Skilift noch Loipe geöffnet. Häufig folge auf ein gutes Jahr – wie das letzte eines war – ein schlechtes, sagt Christian Frei, Präsident des Skiclubs Tannenberg. Die für 4. Januar geplante 50-Jahr-­Jubiläumsfeier habe bereits verschoben werden müssen. «Es sieht so aus, als falle sie komplett ins Wasser.» Angesichts des Klimawandels sagt er:

«Lange Winter werden wir keine mehr haben, das ist uns bewusst.»