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«Den Röstigraben empfinde ich nicht»

Am Vormittag war Isabelle Chappuis im Besucherzentrum des Pestalozzidorfes in Trogen, in Kürze besucht sie das kleine Heimatmuseum Wolfhalden. «Ich bin noch dabei, die Appenzell Ausserrhoder Museen kennenzulernen», sagt Isabelle Chappuis.
«In den Museen steckt viel Herzblut», sagt Isabelle Chappuis im Museum Herisau. (Bild: Urs Jaudas)

«In den Museen steckt viel Herzblut», sagt Isabelle Chappuis im Museum Herisau. (Bild: Urs Jaudas)

Am Vormittag war Isabelle Chappuis im Besucherzentrum des Pestalozzidorfes in Trogen, in Kürze besucht sie das kleine Heimatmuseum Wolfhalden. «Ich bin noch dabei, die Appenzell Ausserrhoder Museen kennenzulernen», sagt Isabelle Chappuis. Gut die Hälfte der Institutionen hat sie schon besucht – nicht nur aus privatem Interesse. Die gebürtige Zürcherin mit Westschweizer und englischen Wurzeln ist Museumskoordinatorin des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Seit April arbeitet sie im Amt für Kultur Herisau auf der neugeschaffenen 50-Prozent-Stelle.

Grosse Konkurrenz

Der Posten für die Museumskoordination sei keine feste Einrichtung, im Gegensatz zu Museumspädagogen oder -konservatoren. Dabei sei es wichtig, eine zentrale Austauschplattform zu schaffen. «In der Schweiz gibt es über tausend Museen, die nicht nur einander konkurrenzieren, sondern sich auch gegen Festivals und diverse Freizeitangebote behaupten müssen», sagt Chappuis.

In der ausserrhodischen Museumslandschaft möchte die 44-Jährige Projekte institutionsübergreifend anpacken, «die zwölf Museen in der Aussenwahrnehmung positionieren und eine gemeinsame Kommunikation etablieren.» Konkret plant Chappuis einen gemeinsamen Internetauftritt mit einem Logo für die verschiedenen Institutionen. Bislang würden die über den Kanton verstreuten Museen als Einzelinstitutionen wahrgenommen. In Zusammenarbeit mit der jeweiligen Leitung schweben ihr museumsübergreifende Ausstellungen vor, «ein Thema wird von verschiedenen Institutionen beleuchtet». Oder ein Projekt mit zeitgenössischen Künstlern, die in den Museen intervenieren – «im ganzen Kanton gibt es keine Kunsthalle oder Kunstmuseum.» Voller Begeisterung spricht Chappuis von «ihren» Museen und ihrer langjährigen Arbeit im Kunstbereich – die «Verbundenheit mit Kulturschaffenden» ist ihr deutlich anzumerken.

Dreisprachig aufgewachsen in einer Ingenieursfamilie im Zürcher Birchwil besuchte sie als Kind sporadisch Museen, Konzerte oder Theater. Ihr Interesse für Literatur und Kunst wurde in der Schule geweckt. Nach dem Studium in Kunstgeschichte, neuer deutscher Literatur und Publizistikwissenschaften an der Universität Zürich machte Isabelle Chappuis den Master in Museologie an der Universität Basel. Anschliessend arbeitete sie zehn Jahre am Bündner Kunstmuseum in Chur, zuerst als wissenschaftliche Assistentin, später als Konservatorin. Dann zog es Chappuis nach Lausanne , an der Walliser Schule für Gestaltung in Siders betreute sie das «Artist-in-Residence»-Programm und Künstler aus aller Welt, die für einige Monate «in dieser alpinen Gegend, fernab aller Kunstzentren» arbeiteten. Da galt es öfters, den Kulturschock abzufangen. Wie bei einer ägyptischen Fotografin, die in ihrer Heimat unter enormer Zensur arbeiten musste. Die ungewohnte Freiheit in der Schweiz habe sie richtiggehend blockiert.

«Sommerprojekt Säntis»

Zuletzt arbeitete Chappuis vier Jahre am Westschweizer Sitz des Schweizer Nationalmuseums in Prangins als Kulturvermittlerin. Nun freut sie sich, wieder auf Deutsch arbeiten zu können. Vor dem Umzug in die Ostschweiz wurde sie vom Lausanner Freundeskreis mit bewundernden bis skeptischen Kommentaren bedacht, nun freut sie sich, dass ihre welschen Kolleginnen und Kollegen sie besuchen wollen. «Den Röstigraben empfinde ich überhaupt nicht», sagt Chappuis, im Gegenteil, «die Menschen in der Ostschweiz sind sehr offen und zugänglich.» Offen auch sie, liegt doch die Gallus-Biographie von Max Schär auf ihrem Nachttisch.

Ihre Ankunft habe sie positiv erlebt, vielleicht auch, weil ihr Partner schon seit einigen Jahren in St. Gallen lebt und arbeitet. «Inzwischen schaue ich schon wie eine richtige Ostschweizerin ab Wil aus dem Zugfenster, ob man nicht den Säntis sieht», erzählt sie lachend. Der Berg ist ihr Sommerprojekt, «ich warte, bis der Schnee eine Besteigung zulässt.» Sie freut sich darauf, die kulturelle und geographische Landschaft kennenzulernen. Julia Nehmiz

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