Den Rauchern reicht's: Wut und Unverständnis über rauchfreie Bushäuschen in Herisau

Nach den Bahnhöfen herrscht nun auch in den Bushäuschen Rauchverbot – zumindest in Herisau. Das sorgt für rauchende Köpfe. 

Linda Müntener
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Herisau macht fünf seiner Bushäuschen rauchfrei. (Bild: Karin Erni)

Herisau macht fünf seiner Bushäuschen rauchfrei. (Bild: Karin Erni)

«Es reicht», schreibt eine Tagblatt-Leserin. Unglaublich, was sich Raucher alles bieten lassen müssten. «Wehrt euch endlich!» Stein des Anstosses ist eine neue Regelung in Herisau. Dort sind die fünf frequenzstärksten Bushäuschen seit kurzem rauchfrei. Das soll verhindern, dass sich die Fahrgäste durch den Rauch gestört fühlen. Und: Es soll die Sauberkeit verbessern. 

Blaue Hinweisfelder am Boden weisen darauf hin: Rauchen ist hier unerwünscht. Das sorgt in den sozialen Medien für rauchende Köpfe. Als Raucherin fühle sie sich diskriminiert, schreibt eine von ihnen auf Facebook: 

«Ein Rauchverbot im Freien?! Und dann wundert man sich, wieso die Städte aussterben.»

Sie ist nicht die einzige, die ihrem Ärger auf der sozialen Plattform Luft macht. Dass er in öffentlichen Gebäuden oder Restaurants nicht rauchen dürfe, leuchte ihm ja noch ein, schreibt ein Raucher, aber bei den Bushäuschen hört's also auf. Da müsste man konsequenterweise ja auch die Abgase der Autos verbieten. «Und alles, was sonst noch stinkt.»

Ein weiteres Verbot für die Raucher

Die Raucherinnen und Raucher fühlen sich zurückgedrängt. Wohl auch deshalb, weil seit Juni dieses Jahres die Schweizer Bahnhöfe grundsätzlich rauchfrei sind. Diese Regelung wird schrittweise eingeführt, in der Ostschweiz ist dies beispielsweise bereits in Wil und Frauenfeld passiert. Gossau folgt Mitte September. Bis Ende Oktober sollen in der ganzen Schweiz knapp 1000 Bahnhöfe umgerüstet werden, bis Mitte des nächsten Jahres alle.

Dass Herisau noch einen Schritt weiter geht, sei eine Reaktion auf Reklamationen aus der Bevölkerung, sagt Beni Geel, Leiter technische Dienste bei der Gemeinde Herisau. Bussen würden aber keine verteilt. «Es ist eine freiwillige Massnahme, die auf Selbstkontrolle beruht.» Sollte es bei der Einhaltung Probleme geben, werde man sich aber weitere Massnahmen überlegen müssen. Er könne sich auch vorstellen, das Rauchverbot auf weitere Haltestellen auszuweiten, sagt Geel. Ein Bushäuschen sei schliesslich ein öffentliches Gebäude – und damit im Prinzip rauchfrei. 

Die Raucher lassen dieses  Argument nicht gelten. Von Diskriminierung, gar Hetze ist in den Facebook-Kommentaren die Rede. Lediglich eine Kommentatorin kann der Herisauer Regelung etwas Positives abgewinnen. «Ist echt blöd, wenn ich frisch angezogen im Bushäuschen sitze und es setzt sich ein Rauchender daneben. Dann muss ich aufstehen und rausgehen. Das kann's ja nicht sein.»

Und was meinen Sie? 

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