Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Dem Populismus die Flügel stutzen

Wie kann Demokratie – das höchste Gut einer Zivilgesellschaft – jungen Menschen so vermittelt werden, dass sie diese als erwachsene Menschen nicht aufs Spiel setzen? Welches sind die Werkzeuge, die jedes Kind mit auf den Weg nehmen sollte, um später als wachsamer und kritischer Bürger an einer gerechteren Welt teilzunehmen? Wie lernt ein Mensch, sich einzumischen, wenn etwas falsch ist im Staate? Wie und wo lernt er, Konflikten nicht mit Aggression zu begegnen? Was ist Demokratie überhaupt? Viele Fragen in einer Zeit der verschobenen Wirklichkeiten, der vermeintlichen Deutungshoheiten und den daraus wachsenden Zweifeln.

Demokratie in Geschichte, Theater und Literatur

Geschichtsvermittlung in der eigenen Kindheit: Wilhelm Tell; die Schlacht von Marignano und das Lied: «Härrgott, Härrgott, mach um üsers Ländli i der Not as Wändli. Dass üs niemer d’Heimat stiehlt…» Später dann die Erörterung nach der «idealen Staatsform», Locke, Hobbes, Rousseau. Die Französische Revolution, welche zwar Demokratie wollte, doch letztendlich in der Diktatur endete. Theater und Literatur: Shakespeare, der in «Hamlet» einen Geist erscheinen lässt, um die Lüge zu enttarnen; Lessing, Schiller.

Und heute? Wir blicken satt, selbstzufrieden und gut verdienend als Kriegsmaterialproduzenten hinaus aus der 1848 gegründeten Demokratie, hinaus auf eine Welt der Zerwürfnisse, der Kriege, der Ausbeutung und des immer dramatischeren Gefälles zwischen Arm und Reich. Wir zeigen angemessen Mitgefühl am Desaster und wähnen uns in Sicherheit innerhalb des «Wändlis» – auch wenn es da und dort Schlupflöcher gibt und «Fremdlinge» einbrechen. Sie stammen meistens aus Staaten, die sich das Label «Demokratie» auf die Fahnen schreiben und in Wirklichkeit regiert werden von Despoten.

Es dürfte eine kluge Investition sein, junge Menschen bezüglich Geschichtsschreibung und Demokratiebewusstsein in die Pflicht zu nehmen. Sie den Inhalt der UNO-Menschenrechtskonvention (von der Schweiz im Jahr 1974 ratifiziert, drei Jahre nachdem die Frauen das Stimm- und Wahlrecht erhielten) büffeln zu lassen wie das ABC oder das Einmaleins. Und immer wieder zu fragen, weshalb die Erklärung nicht für alle gilt. Was ein einzelner freier Mensch dazu beitragen kann, die Welt, und sei’s die im eigenen Geviert, gerechter zu gestalten. Wie «Wändli» abgerissen statt neu aufgebaut werden.

Despoten missbrauchen den «Begriff» Demokratie für eigene Ziele

Die Geschichte lehrt, dass es verheerende Folgen haben kann, auf die falschen Kräfte, auf die falschen Leader zu setzen. Wachsamkeit setzt Verantwortung voraus. Wenn Kinder nicht lernen, Selbstverantwortung für ihr Tun zu übernehmen, dann wissen sie später auch nicht, wie Meinungsfreiheit geht und verteidigt werden muss. Die Gefahr besteht, dass sie dann selber zu kleinen oder grösseren Tyrannen oder Profiteuren, zu rücksichtslosen, machthungrigen Grossmäulern werden. Und zu Feiglingen. Aber mit Feiglingen ist kein gerechter Staat zu machen und keine Demokratie am Leben zu erhalten. Wenn Drückeberger die Abstimmungsvorlagen im Kehricht verschwinden lassen, haben sie den falschen Schulunterricht und eine mangelnde Kinderstube erhalten. Und über ihre Gleichgültigkeit und Ahnungslosigkeit reiben sich jene die Hände, die mit einem ausgetüftelten Instrumentarium Machtmaschinen anwerfen. Es gibt sie, die Geräusche im Räderwerk der Gegner einer offenen Gesellschaft. Sie benützen – wortstark – verbindliche Begriffe der Demokratie. Und sie verhalten sich – vordergründig nach legitimen Regeln – wie das Königspaar in «Hamlet». Das kann ins Auge gehen. Oder schlimmer. (bsg)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.