Dem Kind unsittlich genähert

Ein 58jähriger Schweizer hat einen Buben bei sich aufgenommen, obwohl es ihm gesetzlich verboten war. Er soll versucht haben, sich ihm unsittlich zu nähern. Das Gericht verurteilte ihn und ordnete eine Therapie an.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte befindet sich zurzeit in einem Regionalgefängnis in Sicherheitshaft. Ihm wird vorgeworfen, er habe einen 13jährigen Buben bei sich übernachten lassen, obwohl es ihm gesetzlich verboten war. Nach früheren Verurteilungen und Vorfällen hatte das Amt für Justizvollzug verfügt, dass er keine Kinder und Jugendlichen ohne Begleitung von erwachsenen Personen und der Zustimmung der Eltern in seine Wohnung mitnehmen darf.

Moped versprochen

Laut Anklageschrift nahm der Mann den Jugendlichen für vier Nächte bei sich auf. Er soll während dieser Zeit mehrfach versucht haben, den 13-Jährigen zu sexuellen Handlungen zu überreden. Er habe nackt mit ihm im Bett geschlafen mit der Begründung, dies sei normal. Dem Buben soll er Geld und Geschenke – unter anderem ein Moped – versprochen haben. Dieser lehnte alle Annäherungsversuche ab.

Die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Sie beantragte, der Mann sei zu verwahren. Er sei schon mehrmals wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen rechtskräftig verurteilt worden, betonte der Staatsanwalt. Ein Gutachten diagnostiziere Pädophilie und halte fest, dass die Rückfallgefahr gross sei. Der Beschuldigte habe bewusst die Nähe zum 13-Jährigen und dessen Bruder gesucht. Er habe dem Vater mehrmals seine Hilfe angeboten und gesagt, er könne den Buben Tips geben, wie sie zu Fussballern werden würden.

Vater im Spital

Der Beschuldigte wies am Kreisgericht St. Gallen die Vorwürfe zurück. Der alleinerziehende Vater des Buben habe ihn gefragt, ob er den Sohn aufnehmen könne, weil er für einige Tage hospitalisiert werden müsse. Er sei in einer Zwickmühle gewesen. Er habe helfen wollen und beim Abwägen, was er tun solle, eine Fehlinterpretation der amtlichen Verfügung gemacht. Er sei davon ausgegangen, dass er den Buben aufnehmen dürfe, wenn der Vater einverstanden sei.

Als sie zusammen im Säntispark gewesen seien, um Autogramme von brasilianischen Fussballspielern zu erhalten, habe eine Nachbarin den Jugendlichen angesprochen. Sie habe ihm erzählt, er mache schlimme Dinge mit Kindern. Zum Beispiel sei er ihrem Sohn ein halbes Jahr nachgestiegen. Wahrscheinlich sei der Bub durch diese Unterstellungen verwirrt gewesen und habe ihn deshalb später beschuldigt. Er habe sich dem 13-Jährigen zu keinem Zeitpunkt unsittlich genähert.

Freispruch gefordert

Der Verteidiger forderte einen Freispruch. Zwischen dem Vater des Buben und seinem Mandanten habe ein freundschaftliches Verhältnis bestanden. Er habe dem alleinerziehenden Vater nur helfen wollen. Es sei gut möglich, dass der 13-Jährige durch das Gespräch mit der Nachbarin einiges vermischt habe und es deshalb zu den Anschuldigungen gegen seinen Mandanten gekommen sei. Die Aussagen des Buben seien widersprüchlich.

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten und ordnete eine stationäre Therapie an. Eine Verwahrung komme in diesem Fall nicht in Frage, da sie als allerletzte Möglichkeit gelte. Die Gutachterin aber erachte eine Therapie als Erfolg versprechend. Dem Beschuldigten müsse aber bewusst sein, dass er nicht mehr viele Chancen erhalte. Werde er wieder rückfällig, könne die Verwahrung zur Realität werden.

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