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Dem Autofahren verfallen: Zwei seiner Wagen wurden zwangsverschrottet – trotzdem fuhr er weiter illegal auf Ostschweizer Strassen

Das Kreisgericht in Mels schickt einen Mann in Haft, der wiederholt unerlaubt Auto gefahren ist.
Reinhold Meier

Nicht einmal die Beschlagnahme von vier Autos konnte ihn hindern, weiter Gas zu geben. Das Kreisgericht in Mels schickt einen Mann ins Gefängnis, der unerlaubt Auto gefahren war. Dies, weil die Zahl seiner illegalen Fahrten derweil kaum mehr überschaubar ist.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 57-Jährigen auf elf Seiten ein regelrechtes Bündel von Verstössen gegen fast jedes nur denkbare Strassenverkehrsdelikt vorgeworfen. Im Kern standen «Entwendungen zum Gebrauch». So hatte er etwa den gut versteckten Zweitschlüssel des Autos seiner Freundin geschnappt und fuhr los, wie stets im Raum des St.Galler und Churer Rheintals sowie im Sarganserland. Wegen einer Panne wurde er kontrolliert, er hatte keinen Ausweis, wie immer.

Einen Monat später das gleiche Spiel. Kurz darauf erneut, diesmal mit einem nicht eingelösten Porsche und gestohlenen Schildern. Als ihn die Polizei von der Autobahn lotsen wollte, trickste er sie aus, gab Gas und konnte erst später gestellt werden. Rechtlich schlugen grobe Verletzungen von Verkehrsregeln zu Buche:

  • Rechtsüberholen
  • Tempoverstösse
  • Missachten von Signalen
  • Missbrauch von Ausweisen
  • Hinderung einer Amtshandlung

Später unternahm er Fahrten mit einem anderen, nicht eingelösten Audi. Darauf hatte er Liechtensteiner Schilder montiert. Die habe er auf einer Wiese im Ländle gefunden, erklärte er.

Aus der Haft ins Auto

Auch als längst schon ein Strafverfahren lief, fuhr er weiter. Einmal versuchte er, eine Versicherungsdeckung zu erlangen, indem er die Unterschrift seines Bruders fälschte. Viermal hat die Polizei Autos beschlagnahmt, drei Audis und einen Porsche. Zwei wurden «verwertet» – also geschreddert. Genutzt hat es nichts.

So kamen acht Bündel von teils mehrmonatigen illegalen «Fahrperioden» in den letzten vier Jahren zusammen. Dies, nachdem er bereits 2013 zu einer sechsmonatigen Haftstrafe in gleicher Sache verurteilt worden war. Danach brachte er sogar das Kunststück fertig, selbst aus dem halboffenen Vollzug heraus eine illegale Fahrt zu unternehmen, im Anschluss an eine staatsanwaltliche Einvernahme in bereits laufenden, neuen Verfahren.

So war das Staunen im Gerichtssaal allenthalben gross. Die Anklage forderte denn auch umstandslos satte 20 Monate Haft, unbedingt. Die Verteidigung plädierte auf acht Monate, dies jedoch bedingt auf zwei Jahre. Dabei machte sie geltend, dass es sich nicht um Delikte gegen das Strafgesetz handle, sondern um die Verletzung von Verwaltungsvorschriften, eben das Strassenverkehrsgesetz. Bis auf einen einzigen Fall habe er niemanden gefährdet und verletzt. «Niemand kam zu Schaden», so der Verteidiger.

Eine Zukunft in Frieden?

Der Beschuldigte selbst hat stets alle Taten eingeräumt, auch nun an Schranken. Eine Erklärung für seine offenbar vorliegende Verhaltens-Akzentuierung vermochte er aber nicht zu liefern. Sichtlich ratlos gab er zu Protokoll:

«Vielleicht sollte ich mal fünf Minuten studieren, bevor ich was mache.»

Im Privaten sei es schwierig gewesen, beruflich auch, wenn er unter Druck komme, neige er zu Kurzschlüssen, er sei aber bereit, die Konsequenzen zu tragen. Eine Therapie habe er aufgegleist. «Ich bin 100-prozentig sicher, dass ich vermutlich nicht mehr auf dem Anklagestuhl sitzen werde.»

Das Gericht gelangte zu einem Schuldspruch und verhängte eine 15-monatige Haftstrafe. Davon sind sieben Monate zu vollziehen, acht Monate werden aufgeschoben, jedoch bei der höchstmöglichen Bewährungszeit von fünf Jahren. Zudem werden eine Geldstrafe von 1800 Franken sowie Verfahrenskosten von 40000 Franken fällig.

Die Prognose sei schlecht, hiess es, darum komme eine bedingte Strafe nicht in Betracht. Schwer wögen auch die zahlreichen, einschlägigen Vorstrafen sowie die Vielzahl der neuen Delikte. Der Mann habe sich bisher als völlig strafresistent erwiesen. Deshalb sei eine Haft unausweichlich. Ob diese in Halbgefangenschaft möglich sei, um dem sonst wirtschaftlich und gesellschaftlich integrierten Mann den sozialen Absturz zu ersparen, werde von den Behörden des Justizvollzugs entschieden.

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