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DEFIZITÄR: Badis schreiben hunderttausende Franken Verlust

Eine Umfrage in der Region zeigt: Kaum ein Freibad ist selbsttragend. Die Verluste betragen teils mehrere 100000 Franken. Trotzdem halten die Verantwortlichen an den Anlagen fest.
Alessia Pagani
Den Verlust der Badi Teufen von 50 (Bild: Hanspeter Schiess)

Den Verlust der Badi Teufen von 50 (Bild: Hanspeter Schiess)

Alessia Pagani

alessia.pagani@tagblatt.ch

Die Badi Teufen schreibt jährlich einen Verlust von einer halben Million Franken. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, subventioniert die Gemeinde jeden Eintritt mit über 20 Franken. Damit steht die Gemeinde Teufen nicht alleine da: Kaum ein Freibad in der Region ist selbsttragend. So budgetiert die Ausserrhoder Zentrumsgemeinde Herisau für die Badi Sonnenberg im Voranschlag 2017 ein Defizit von rund 250000 Franken. Getragen wird der Verlust durch die Gemeinde. In den vergangenen Jahren bewegte sich das Minus etwa im selben Rahmen, wie Gemeindepräsident Renzo Andreani sagt.

Die Badi im Ausserrhodischen Waldstatt weist ein jährliches Defizit von 150000 bis 160000 Franken aus. Den Grossteil machen mit 107000 Franken die Abschreibungen aus. Auch hier trägt die Gemeinde den Verlust. Einer Badi-Sanierung wurde im April 2015 vom Volk zugestimmt. Bereits damals habe man der Bevölkerung gesagt, dass sie das Schwimmbad rund 0,1 Steuereinheiten kosten werde, sagt Gemeindepräsident Andreas Gantenbein «Die Stimmbürger wissen, was das Schwimmbad kostet, und stehen mit grosser Mehrheit dahinter.» In der Badi Waldstatt werden im Schnitt rund 21000 Eintritte pro Jahr verkauft. Damit muss die Gemeinde pro Eintritt etwa sieben Franken zuschiessen. In Heiden betrug das Defizit 2016 insgesamt 332000 Franken. Das macht pro Eintritt zwölf Franken.

Defizite von Eintrittszahlen abhängig

Nebst Abschreibungen schlagen bei den Freibädern vor allem die Löhne der Mitarbeiter sowie Energie und Wasser, und falls notwendig bauliche Unterhaltsarbeiten, stark zu Buche. Im Schwimmbad Arbon, das für 2017 von einem Defizit von 350000 Franken ausgeht und von der Stadt Arbon betrieben und getragen wird, fallen 70 bis 80 Prozent der Kosten auf diesen Positionen an. Das Wasser muss aufbereitet werden. Die Sicherheitsanforderungen sind gross und auch bei schlechtem Wetter muss immer ein Bademeister präsent sein. Ein Blick in die vergangenen Jahre zeigt am Beispiel der Badi Herisau: Die verkauften Eintritte pro Saison und damit auch das Defizit sind von der Wetterlage abhängig. Wurden vor drei Jahren 10300 Eintritte in den Sonnenberg gelöst, waren es im Folgejahr mit 23300 Eintritten mehr als doppelt so viele. «Ein Supersommer bringt viel mehr Eintritte und damit Einnahmen. Dafür steigen auch die Kosten für Personal und Betriebsmittel», sagt Fredy Bechtiger, Leiter Sportzentrum, dem das Freibad Sonnenberg in Herisau angegliedert ist. «Die Vollkosten können nicht auf die Eintrittspreise übertragen werden.» Bechtiger rechnet vor, dass für Herisau rund 47000 Eintritte mehr verkauft oder die Eintrittspreise verdreifacht werden müssten, um die Badi selbsttragend betreiben zu können. Dies scheint unwahrscheinlich, wäre wohl kaum jemand bereit, 15 Franken für einen Tag im Freibad zu zahlen. Zudem sagt Bechtiger: «Die Gemeinde hat einen sport-, bewegungs- und gesundheitsfördernden Auftrag. Deshalb werden die Preise so angesetzt, dass sie von allen bezahlt werden können und mit denen anderer Badis vergleichbar sind.»

Schliessungen sind keine Option

Warum aber halten die Gemeinden an den defizitären Anlagen fest? Die Badis gehörten einfach zum Gemeindeleben dazu, sagen alle Verantwortlichen einhellig. Eine Schliessung kommt für niemanden in Frage. Die Badis würden speziell Jugendlichen und jungen Familien eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglichen. «Für uns ist das auch Prävention. Die Jugendlichen sind unter Aufsicht der Gemeinde und geniessen trotzdem Freiheiten», sagt Andreas Gantenbein. In Anbetracht des hohen Defizits sagt Teufens Gemeindepräsident Reto Altherr: «Wir können und wollen uns ein Freibad leisten. Aber wir müssen zumindest hinterfragen, warum unser Defizit bis zu viermal höher ist als in anderen Freibädern im Appenzellerland.»

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