Deckel drauf statt Transparenz?

Das St. Galler Gesundheitsdepartement und die St. Galler Staatsanwaltschaft sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert, zu wenig transparent und nur auf Druck der Medien über den Todesfall am Spital Wil informiert zu haben.

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Das Spital Wil – hier ist vor fünf Jahren eine Frau nach einer schwierigen Geburt verstorben. (Bild: Urs Jaudas)

Das Spital Wil – hier ist vor fünf Jahren eine Frau nach einer schwierigen Geburt verstorben. (Bild: Urs Jaudas)

Eine Mutter stirbt an den Folgen einer schwierigen Geburt. Die verantwortliche Chefärztin wird fünf Jahre später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Das erfahren Medien und Öffentlichkeit diese Woche durch eine Mitteilung des St. Galler Gesundheitsdepartements. Am darauffolgenden Tag ist klar: Das Zürcher Magazin «Die Weltwoche» hatte Kenntnis davon und über den Fall recherchiert.

Seit dies bekannt ist, sehen sich Gesundheitsdepartement und Staatsanwaltschaft dem Vorwurf ausgesetzt, den Fall unter dem Deckel gehalten zu haben, statt transparent über Fehler an öffentlichen Spitälern zu kommunizieren.

Forderungen der Politik

«Derartige Vorfälle an öffentlichen Spitälern sollten eigentlich kommuniziert werden, zumal das Verfahren gegen die Chefärztin abgeschlossen und rechtskräftig ist», sagt Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenorganisation. «Das wäre transparent.» Teilt sie die Vermutung, der Kanton hätte den Fall am liebsten unter dem Deckel gehalten? «Es kann gut sein, dass er nie publik geworden wäre, wenn die Medien nicht recherchiert hätten.» Hielt der Kanton den Fall bewusst unter Verschluss und verschwieg er bewusst einzelne Fakten?

Roman Wüst, Generalsekretär im Gesundheitsdepartement, dementiert. Er gibt zu bedenken: «Solange ein Urteil nicht rechtskräftig ist, gilt die Unschuldsvermutung.» Im Falle der Wiler Chefärztin ist das Urteil inzwischen rechtskräftig; sie hat den Schuldspruch akzeptiert. Weiter sagt der Generalsekretär: «Es gibt betroffene Angehörige, so den Ehemann der verstorbenen Frau. Und sie haben keine Kommunikation über den Fall gewünscht.»

Inzwischen ist aus CVP- und SVP-Kreisen die Forderung laut geworden, das Gesundheitsdepartement müsse «alle Karten auf den Tisch» legen und in den nächsten Tagen «offensiv und aktiv über den Fall informieren». Darüber sei noch nicht entschieden. Die Situation werde sicher nochmals beurteilt, sagt Wüst.

Verhandlung ist öffentlich

Auch Thomas Hansjakob, Erster St. Galler Staatsanwalt, hält fest: «Die Staatsanwaltschaft hat nicht das geringste Interesse, etwas in diesem Fall geheim zu halten.» Die Staatsanwaltschaft sei mit ihren Anträgen vor Gericht ja durchgedrungen. Die bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten für die Wiler Chefärztin entspricht der Forderung der Anklage.

Hansjakob hält aber auch fest: «Nur die Gerichtsverhandlung, nicht aber die Strafuntersuchung ist öffentlich.» Zum Vorwurf, der Ehemann der Verstorbenen habe erst aus den Medien vom Entscheid erfahren, sagt der Erste Staatsanwalt: «Das liegt daran, dass sein Anwalt dem Gericht vor der Verhandlung mitteilte, sein Mandant werde sich am Verfahren nicht mehr beteiligen.»

Regula Weik