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«Ihre Praxis, ihre Entscheidung», «Verstösst gegen die Ethik»: Reaktionen zur St.Galler Psychiaterin, die keine Ungeimpften behandelt

Eine St.Galler Psychiaterin hat eine junge Patientin abgelehnt, die sich partout nicht impfen lassen will. Die grosse Mehrheit unserer Leserinnen und Leser, die den Artikel kommentiert haben, versteht diesen Entscheid. Doch es gibt auch Kritik.

Daniel Walt 4 Kommentare
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Wer unter Problemen leidet, braucht irgendwann vielleicht psychiatrische Hilfe. In einer St.Galler Praxis ist eine Patientin abgelehnt worden, weil sie nicht geimpft ist.

Wer unter Problemen leidet, braucht irgendwann vielleicht psychiatrische Hilfe. In einer St.Galler Praxis ist eine Patientin abgelehnt worden, weil sie nicht geimpft ist.

Symbolbild: Fotolia

«Wir können nicht mit Menschen arbeiten, die wir als gefährlich empfinden»: So begründet eine St.Galler Psychiaterin ihren Entscheid, eine junge Frau nicht zu behandeln. Die Patientin hatte sich telefonisch an sie gewandt, ein erster Termin war bereits fixiert, als der Impfstatus der Hilfesuchenden zur Sprache kam. Als die junge Frau der Psychiaterin sagte, dass sie ungeimpft ist und daran auch nichts ändern will, wies die Psychiaterin sie ab.

Die Reaktionen auf die Geschichte fallen grösstenteils zum Vorteil der Psychiaterin aus. In einer Online-Umfrage auf unserem Portal äusserten bis am Mittwochmorgen rund drei Viertel der Teilnehmenden Verständnis für den Entscheid der Frau, nicht mit Ungeimpften zu arbeiten.

Nehmen Sie an der Umfrage teil:

«So etwas macht mich wütend»

«Nicht geimpft, aber grosse Forderungen stellen. So etwas macht mich wütend. Geimpft oder angesteckt, das sind heute die zwei Alternativen.» So kommentiert Peter Lieberherr auf tagblatt.ch den Artikel. Er hoffe nur, dass keiner von diesen Menschen dann auf der Intensivstation liege, wenn er selber wegen eines Herzinfarkts oder eines Autounfall dringend einen Intensivplatz bräuchte.

«Das würde mich dann grad nochmals wütend machen.»

In dieselbe Richtung geht das Votum von Roland Stofer: Er hofft, dass sich noch viele Unternehmen, Ärzte, Psychologen oder Coiffeure entscheiden, nur Geimpfte zu behandeln beziehungsweise zu bedienen. «Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, und wenn er nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchte, dann muss er auch die Konsequenzen tragen.»

«Konsequent ist das nicht»

Auch in den sozialen Medien sind die Meinungen zum Entscheid der Psychiaterin gemacht. Auf Twitter äussert @naehdrescherin ihr Unverständnis über die Intoleranz von Ungeimpften:

Auf Facebook tönt es ähnlich: «Impfverweigerer bestehen ja immer so auf der persönlichen Freiheit. Die besteht dann halt eben auch für Impfbefürworter», schreibt beispielsweise Tamara Wenzler. Eveline Siegenthaler betont:

«Ihre Praxis, ihre Entscheidung!»

Daniel Prinz schreibt: «Impfgegner schwurbeln immer von ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit. Sie sind aber regelmässig erbost, wenn sich jemand die Freiheit nimmt, auf Kontakt mit ihnen zu verzichten. Konsequent ist das nicht.» Yo Land Sand betont derweil, ein Arzt müsse auch die anderen Patienten schützen.

«... dann nennt sich das Diskriminierung»

Es gibt auf Facebook allerdings auch einige Gegenstimmen, welche das Verhalten der Psychiaterin kritisch sehen. Auf eine Wortmeldung von Cornelia Bösch-Frick, wonach die Chemie zwischen Psychiatern und ihren Patienten stimmen müsse, sonst nütze die ganze Therapie nichts, schreibt Felice Torre:

«Tolle Argumentation! Und jetzt wiederhole das Ganze mit einer Variante. Statt dass sie nicht geimpft ist, setze ein: ‹Weil sie schwarz ist.› ‹Weil sie Jüdin ist.› ‹Weil sie Muslima ist.› Oder ‹Weil sie lesbisch ist.› Würdest du auch so argumentieren?»

Derselbe Felice Torre hält an anderer Stelle in Bezug auf den Entscheid der Psychiaterin zudem fest: «Wenn sie es aufgrund fehlender Impfung macht, dann nennt sich das Diskriminierung!» Carlo Tesco seinerseits schreibt, dass der Entscheid «gegen die Ethik der Ärzte» verstosse. Das Schlusswort hingegen gehört Willi Carpanese:

«Was lernen wir daraus? Lasst euch impfen, und das Problem ist gelöst.»
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Patrik Etschmayer

Ich habe aus Neugier sowohl den hippokratischen Eid als auch den Eid des Genfer Weltärztebundes durchgelesen und konnte nirgends eine Klausel darüber finden, dass Ärzte alle Patienten akzeptieren müssten. Die Psychiaterin hat voll im Rahmen des erlaubten gehandelt. 

Marianne Levron

Als  Psychiaterin  ist die Dame  wie alle Mediziner  an den  hypokratischen  Eid  gebunden, der bestimmt,  dass  kein  Hilfesuchender  abgewiesen  werden darf, aus  welchem  Grund  auch immer. Ich habe nicht  viel  Sympathie  fuer Nichtimpfer, aber in diesem  Fall  ist die Impfverweigerung  vielleicht  im Zusammenhang  mit der psychischen Krankheit zu sehen. Diese Patientin braucht Hilfe.

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