Das Zentrum für Berufliche Weiterbildung in St.Gallen wird zur Schulbank für Armeekader

Das Weiterbildungsmodell mit der Höheren Fachschule ist neu und soll schweizweit Schule machen.

Christoph Zweili
Drucken
Teilen
Armeekader können sich in St.Gallen weiterbilden lassen.

Armeekader können sich in St.Gallen weiterbilden lassen.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Korpskommandant Hans-Peter Walser ist erfreut. Hört man dem obersten Ausbildungschef zu, hat die Armee derzeit keine Probleme, gute Kaderleute zu finden. Nun sollen die rund 3000 Armeekader von Lehrgängen der Höheren Berufsbildung am Zentrum für Berufliche Weiterbildung (ZbW) in St.Gallen profitieren. Im Gegenzug werden bereits vorhandene militärische Qualifikationen vom ZbW anerkannt, wenn sie sich mit Modulen der angestrebten Weiterbildung decken.

Das Weiterbildungsmodell ist neu und soll schweizweit Schule machen. Der Vertrag zwischen der 1946 gegründeten privaten Bildungsinstitution und der Schweizer Armee, der die Details regelt, ist unterschrieben, die Tinte kaum trocken: Die rund 3000 Armeekader profitieren damit ab sofort von den berufsbegleitenden Lehrgängen an der St.Galler Schule.

Bildungsgutschrift ist das Zauberwort

Wer als Milizkader seinen Grad in der Schweizer Armee abverdient, hat Anrecht auf eine Ausbildungsgutschrift auf einem virtuellen Konto. Der Betrag, welcher je nach Dienstgrad und Ausbildungszeit unterschiedlich hoch ausfällt, kann individuell für eine zivile Aus- oder Weiterbildung genutzt werden, die zu einem eidgenössischen oder kantonalen Abschluss führt. Dieser Grundsatz gilt schon heute – nicht nur für das ZbW.

Josef Wüst, Oberstleutnant und Lehrgangsleiter am ZbW, macht ein Beispiel:

«Ein Zugführer erhält von der Armee maximal 10'600 Franken, die er frei für die Aus- und Weiterbildung einsetzen kann.»

Absolviert er am ZbW eine Ausbildung, brauche der Leutnant das Modul «Personalmanagement und Führung» nicht mehr zu absolvieren, «weil er im Rahmen der militärischen Ausbildung bereits ein ‹Leadership-Modul› absolviert hat».

Hans-Peter Walser.

Hans-Peter Walser.

Alex Spichale

Für Korpskommandant Walser ist das Pilotvorhaben gleich mehrfach eine Win-Win-Situation. Der Armeeangehörige profitiere von der neuen Kooperation für seine zivile Laufbahn, «und die Armee erhält besser ausgebildete Kader». Auch für die Arbeitgeber sei das Modell attraktiv:

«Beteiligt sich die Armee an den Ausbildungskosten, müssen die Arbeitgeber selbst weniger bezahlen.»

Zusammen mit der Erwerbsersatzordnung, die den Verdienstausfall während des Militärdienstes kompensiert, dem Sold und den Soldzulagen für Kader komme ein Zugführer, der 442 Tage Dienst leiste, so auf rund 54000 Franken im Rahmen der Ausbildung, rechnet Walser vor.

Roger Herzig.

Roger Herzig.

Urs Bucher

Das Zentrum für Berufliche Weiterbildung wächst seit der Gründung jährlich um 4,3 Prozent. Laut Direktor Roger Herzig wurden 2018 über 8000 Studenten an der Höheren Fachschule mit 50 Angestellten und 360 externen Lehrkräften unterrichtet. Angeboten werden HF-Lehrgänge für Technik und Wirtschaft sowie Nachdiplomstudien im tertiären Bereich. Dazu kommen Höhere Fachausbildungen im Elektroinstallationsgewerbe und im Schreinergewerbe, in der Industrie und in der Logistik sowie der Grund- und Erwachsenenbildung für Ausbildende.

ETCS-Punkte für militärische Ausbildung

Ähnliche Kooperationsmodelle gibt es bereits bei akademischen Lehrgängen für höhere militärische Kaderausbildungen. Bereits seit 2016 können sich höhere Kader drei bis sechs sogenannte ECTS-Punkte an ihr Studium anrechnen lassen. Diverse Hochschulen anerkennen die militärische Führungsausbildung, unter anderem die Universitäten St.Gallen, Zürich, Luzern, Neuenburg, Basel, Bern, die ETH Zürich sowie das Global Studies Institute in Genf.