Das Wort «Neger» hat Folgen: Urheber des Fasnachtswagens in Wangs muss 3100 Franken Busse bezahlen

Weil er den FDP-Politiker Nirosh Manoranjithan auf einem Fasnachtswagen rassistisch beleidigte, wird der Urheber der unrühmlichen Aktion mit einer Busse und einer bedingten Geldstrafe von 21'000 Franken bestraft.

Noemi Heule
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Am Fasnachtsumzug von Wangs fuhr ein Wagen, auf dem eine rassistische Äusserung prangte, die einen FDP-Kandidaten beleidigt. Die Aktion hat Folgen.

Am Fasnachtsumzug von Wangs fuhr ein Wagen, auf dem eine rassistische Äusserung prangte, die einen FDP-Kandidaten beleidigt. Die Aktion hat Folgen.

Bild: PD

«Wie viele ‹Neger› brauchen wir in St.Gallen?» Diese Frage, weiss auf blau, prangte im Februar dieses Jahres auf einem Fasnachtswagen in Wangs. Dazu die Plakate mehrerer FDP-Exponenten, speziell hervorgehoben in Grösse und Platzierung das Plakat des damaligen Kantonsratskandidaten Nirosh Manoranjithan.

Diskriminiert und gegen Menschenwürde verstossen

Für den Urheber des Fasnachtswagens, der sich als Walter Brandstetter – eine regional bekannte Figur – zu erkennen gab, hat die Aktion Folgen: Er wurde nun wegen Rassendiskriminierung zu einer Busse von 3100 Franken verurteilt. Im Strafbefehl heisst es: Mit der vorgenannten Bild- und Wortkombination habe der Urheber damit rechnen müssen, «beim Erscheinen in der Öffentlichkeit mit seinem derart gestalteten Fasnachtswagen dunkelhäutige Menschen zu diskriminieren und zu beleidigen und er nahm dies auch billigend in Kauf».

Und: Indem Walter Brandstetter eine Person dunkler Hautfarbe öffentlich mit der Bezeichnung «Neger» in Verbindung gebracht habe, habe er Personen dunkler Hautfarbe diskriminiert und in gegen die Menschenwürde verstossender Weise herabgesetzt.

Bedingte Geldstrafe von 21'000 Franken

Nebst der Busse wurde dem 72-Jährigen eine bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 350 Franken auferlegt. Sollte er die Probezeit von zwei Jahren brechen, droht ihm somit eine Geldstrafe von insgesamt 21'000 Franken.

Zusätzlich wurde er wegen einer illegal angebrachten Werbetafel zu einer Busse von 200 Franken verurteilt und muss die Verfahrenskosten von 650 Franken tragen.

Den Schriftzug kurzerhand überklebt

Der Fasnachtswagen sollte mit dem besagten Schriftzug an den beiden Fasnachtsumzügen im Mels und Wangs teilnehmen. Soweit kam es allerdings nicht: Bereits zuvor war Brandstetter mit dem Wagen im Sarganserland unterwegs und stellte ihn gut sichtbar am Strassenrand ab. Bilder der Komposition machten daraufhin im Internet die Runde.

Der Fasnachtswagen vor dem Umzug in Wangs.

Der Fasnachtswagen vor dem Umzug in Wangs.

Bild: pd

Als Brandstetter zum Umzug in Wangs eintraf, machten ihn die Vertreter der Fasnachtsgesellschaft darauf aufmerksam, dass er mit dieser Wortwahl nicht teilnehmen dürfe, weshalb er das Wort kurzerhand abdeckte. Später liess er das Fasnachtssujet an der Umzugsroute stehen, bis Polizei und Staatsanwaltschaft intervenierten.

Brandstetter selbst, der einst Mitglied in der SVP war, sah im Schriftzug kein Problem. Im Februar sagte er bereitwillig:

«Ich brauchte ein kurzes Wort. Ich habe ja alles von Hand auf den Wagen geschrieben.»

Die Strafe ist noch nicht rechtskräftig.

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