Das Wettrüsten in den Skigebieten: Am Flumserberg geht's jetzt doppelt so schnell hoch hinauf

Die Bergbahnen Flumserberg verdreifachen mit einer neuen Gondelbahn ihre Kapazität.

Reinhold Meier
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Die neuen Achtergondeln befördern Skifahrer in 11 statt wie bisher 20 Minuten auf den Maschgenkamm.

Die neuen Achtergondeln befördern Skifahrer in 11 statt wie bisher 20 Minuten auf den Maschgenkamm.

Bild: PD

Auch wenn der ganz grosse Schneefall im Moment noch etwas auf sich warten lässt, die neue Hauptschlagader des Skigebiets am Flumserberg ist fristgerecht fertig geworden. Als ­solche bezeichnet sie Bergbahn-CEO Heinrich Michel. «Denn sie ist von strategischer Bedeutung.» Auf 3,3 Kilometer Seillänge verbindet sie Tannenboden und den 2020 Meter hohen Maschgenkamm.

Statt der bisherigen Vierergondeln hängen neu bis zu 105 Achtergondeln am Seil und düsen in kaum 11 statt der bisher 20 Minuten himmelwärts. Michel zeigt sich zuversichtlich:

«Am Tannenboden wird es keine Wartezeiten mehr geben.»

Dazu böten die Bergjet-Gondeln im Porsche-Design einen Panoramablick gegen die Churfirsten und den Walensee, mehr Sitzplatz pro Person und höchste Laufruhe dank eines neuen Federungssystems.

Gondeln kommen von lokalem Hersteller

Dafür verantwortlich zeichnet die in Flums beheimatete Bar­tholet Maschinenbau AG (BMF), die sich über Jahre weltweit einen Namen im Seilbahnbau geschaffen hat. Von Norwegen bis Südkorea, von Russland bis Mexiko erstreckt sich ihr Referenznetz mit individuellen Seilbahnlösungen. Auch in der Schweiz hat sie etwa für Lenzerheide, Laax und St.Moritz Sessel- und Gondelbahnen geliefert, und jüngst am Pizol. Der «Bergjet» symbolisiert nun aber erstmals auch direkt vor der Haustüre des Flumser Unternehmens mit seinen 450 Mitarbeitenden die Innovationskraft der örtlichen Spezialbahnspezialisten. «Der versierte, einheimische Hersteller hat sich bei der technischen Evaluation sehr bemüht», sagt Michel.

Die überzeugende Offerte habe aber auch finanziell die Grundlage für den Vergabeentscheid geliefert, sagt er. Die Bergbahnen seien froh, dass der Grossauftrag für die neue Bahnanlage bei der einheimischen BMF platziert werden konnte. Roland Bartholet, VR-Präsident der BMF, sagt:

«Für uns war es eine grosse Freude, dieses Projekt direkt vor unserer Haustüre umsetzen zu dürfen.»

Er schätze die Berücksichtigung von Region und Swissness. «Wir konnten dieses Projekt zu 80 Prozent in Flums herstellen und in nur 20 Minuten auf die Baustelle liefern, im Normalfall haben wir 2000 Kilometer Entfernung bis zum Kunden».

Mit der Bahn sind zugleich eine Garagierungshalle für die neuen Gondeln, eine Tiefgarage für Betriebsfahrzeuge, eine Werkstatt mit Stellplatz für Pistenraupen sowie ein Restaurant mit Bar entstanden. Das «Colors» ersetzt das ehemalige «Restaurant Kabinenbahn», ist weiter und heller.

Stützpfeiler mit Hilfe von Super-Pumas montiert

Binnen eines Jahres wurden 19'000 Kubikmeter Material ausgehoben, 250 Mitarbeitende von 40 Unternehmen waren am Projekt beteiligt. Als einer der Höhepunkte darf wohl die Montage der bis zu 37 Meter hohen und 32 Tonnen schweren Stützpfeiler gelten, die im letzten Sommer mit Hilfe von Super-­Pumas über die Bühne ging. Am Berg waren dazu eigens Zuschauerterrassen eingerichtet worden.

Namentlich das neue Restaurant Colors dürfte vom Publikum rasch angenommen werden, es besticht durch seine sonnige Südlage mit Terrasse und bunten Akzenten im Interieur, heisst es bei den BBF. Nach zwölf Jahren gehe eine intensive Investitionsphase zu Ende, ergänzt Michel. Der Flumserberg sei nun auf einem modernen und technisch hochstehenden Level angelangt. «Langweilig wird uns aber nicht», betont er, wohl auch im Blick auf die Entwicklung von Sommerattraktionen. Europaweit befindet sich der Flumserberg heuer auf Platz fünf der grössten Investitionen in Skigebieten. Nach Salzburg, Brixental, Ski Amadée und Schladming rangiert er noch vor Kitzbühl, Matrei und dem Kauntal, wie das Fachjournal «OLN-News» errechnet hat.

Feier mit Martina Hingis und Sonja Nef

Die heutige Feier am Flumserberg ist mit einem Tag der offenen Tür verbunden, der dem ­Publikum morgen einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Zudem gibt’s Livemusik an beiden Seilbahnstationen, eine Après-Ski-Party und viel Prominenz. Die Skilegende Tina Maze ist ebenso vor Ort wie ihre Kolleginnen Marie-Theres Nadig und Vreni Schneider. Auch wer mal Martina Hingis, Sonja Nef oder Stefan Roos treffen will, wird fündig. Um 10.30 Uhr interviewt Kurt Aeschbacher die Genannten im Restaurant Maschgenkamm.

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