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Wie Ostschweizer Hotels im angespannten Markt um Gäste werben

Innovationen bringen, investieren und flexibel in allen Situationen sein - damit bleiben Ostschweizer Hotels trotz Frankenstärke und Eurolandnähe erfolgreich. Was schön und plausibel klingt, erfordert allerdings täglich grossen Einsatz.
Markus A. Will
Das Hotel Einstein in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Das Hotel Einstein in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Auf der Schwägalp verschwand die Schwebebahn im dichten Nebel. In Bad Horn wehte der kräftige Wind die Terrasse leer. In St. Gallen stach nur das schlapp hängende rote Schweizer Kreuz auf dem Dach aus dem Einheitsgrau hervor. Kurzum: Das Wetter war überall gleich schlecht, als wir drei Ostschweizer Hotels besuchten, um herauszufinden, warum und wie sie trotz immer noch schwachem Euro und naher Konkurrenz in Vorarlberg und Oberallgäu erfolgreich geblieben sind. So unterschiedlich das Säntis-Hotel, das Hotel Bad Horn und das Hotel Einstein auch sind, sie eint das Grundrezept des Erfolgs: ­Innovationen im Angebot, Investitionen in die Anlagen, Flexibilität mit Effizienz im Betrieb, und dies alles in der Kombination von allen drei Stellschrauben.

Der Tourismus hat 2017 wieder zugelegt, also noch bevor die Währungsgrenze von 1.20 Franken zum Euro wieder kurzzeitig überschritten wurde. Auch wenn die Gäste aus Asien und Amerika zulegten, so bleibt das europäische Ausland mit 11,9 Millionen Logiernächten (plus 2,2 Prozent gegenüber 2016) der grösste Gästeblock von den insgesamt 20,5 Millionen ausländischen Logiernächten (plus 6,1 Prozent). Schweizerinnen und Schweizer logierten 16,9 Millionen Nächte in hiesigen Hotels (plus 4,2 Prozent). Das sind Ergebnisse, die fast an das Rekordjahr von 2008 heranreichen. Auch die Tourismusregion Ostschweiz hat davon profitiert, allerdings liegt das Plus gegenüber 2016 mit 0,3 Prozent weit hinter anderen Tourismusregionen.

Das Wetter ist im Übrigen ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Hotel- und Restaurationsbetrieben. Aber im Säntis-Hotel auf dem Berg, im Hotel Bad Horn am See und im Hotel Einstein in der Stadt wird die wirtschaftliche Bedeutung des Wetters unterschiedlich eingeschätzt. Auf der Schwägalp hat das Wetter den grössten Einfluss. «Gestern war die Terrasse um diese Zeit voll», schaut Säntis-Gastgeber Remo Brülisauer beim Besuch auf die nebelfeuchte leere Terrasse und die freien Parkplätze, die am Tage zuvor noch voll gewesen seien.

Landesgrenze ist auch eine Währungsgrenze

Am See hingegen geht es bekanntlich auch hin und her mit dem Wetter: «Das Wetter kann ich nicht budgetieren», erklärt der dortige Gastgeber Stephan Hinny, für den es sich meist über das Jahr ausgleicht. Und in der Stadt «ist eher sogar schlechtes Wetter gut», bemerkt Einstein-General-Manager Michael Vogt. Bei Sonne sitzen alle draussen im Klosterviertel. Dafür radeln bei gutem Wetter aber inzwischen die E-Biker vom See bis nach St. Gallen hoch, und Vogt fügt an: «Vor zehn Jahren kamen die noch nicht.» Das Einstein mit der Stadtlage ist etwas anders als die beiden anderen Hotels: Mit 80 Prozent Geschäftsreisenden hat das Einstein den höchsten wetterunabhängigen Anteil der Gesamtgäste und mit einer je hälftigen Aufteilung von Schweizer und ausländischen Gästen eine etwas andere Zusammensetzung. Sowohl Säntis als auch Bad Horn haben 80 Prozent Schweizer Gäste. Das macht es nicht unbedingt einfacher, weil gerade Schweizer mit hoher Franken-Kaufkraft die paar Kilometer weiter in das Euroland fahren können. Alle Hoteliers hoffen, dass im 2018 wieder mehr Deutsche und andere EU-Bürger über die Landesgrenze kommen, auch wenn der Euro aktuell wegen der drohenden Italien-Krise wieder in die Knie geht.

Die Schweizer Landesgrenze ist nun einmal auch eine Währungsgrenze in «billigere» Regionen. Das ist ein Standortnachteil des Ostschweizer Tourismus, den man nicht wegreden kann. Insofern gilt gerade für die Ostschweiz, dass sie innovativ sein muss. Solche Innovationen können grosse Dinge sein wie das Einstein Congress Center oder die Bullaugen unter Wasser, durch die man im modernen Spa-Bereich des Hotels Bad Horn direkt in den Bodensee schauen kann. Aber auch kleine Dinge wie der Oskar, die Ostschweizer Gästekarte, wo bei zwei Übernachtungen bereits der ÖV inklusive ist (auch auf den Säntis), und man viele Vergünstigungen haben kann. «Die Karte kostet nur zehn Franken pro Tag. Den Rest sponsern die Hotels», erklärt der General Manager des Einstein, Michael Vogt.

Mit geübtem Blick und offenem Ohr

Oder es sind urchige Dinge, wie der «Laternliweg» auf der Schwägalp. «Zahlreiche junge Familien mit Kindern dürfen wir am frühen Abend im Restaurant begrüssen, nachdem sie den Weg abgelaufen sind», freut sich Brülisauer vom «Säntis – das Hotel», wie das erst Ende 2015 neu eröffnete Hotel offiziell heisst. Das bietet so sonst niemand. Was allerdings so einfach klingt, bedarf eines nicht unbeträchtlichen Aufwandes; denn über 90 Laternen müssen täglich mit ­Petrol gefüllt und die Gläser geputzt ­werden. Der Aufwand wird auch deutlich, wenn man mit den drei Hoteliers ­redet.

Das Säntis-Hotel auf der Schwägalp. (Bild: Urs Bucher)

Das Säntis-Hotel auf der Schwägalp. (Bild: Urs Bucher)

Sie machen alle viel mehr als früher, um ihren Gästen etwas zu bieten, und dies in hoher Schweizer Qualität. Die Chefs haben auch kaum Zeit für ein Interview, schauen immer wieder mit geübtem Blick herum oder werden von Mitarbeitenden etwas gefragt. Das ist nicht unhöflich, sondern ihr Job.

Denn auch das wird klar: Die Konkurrenz schläft auch nicht, ist stark und nah: Denn zugegebenermassen sind auch im nahen Bregenzerwald die Berge schön oder in Ravensburg die alte Innenstadt, auch wenn sie kein Weltkulturerbe ist wie das Klosterviertel in St. Gallen.

Deshalb werden Pakete (aus Übernachtungen und anderen Angeboten) geschnürt, da wird das Kundenmanagement digitalisiert und täglich ein optimaler Preis gestellt, da haben alle verschiedene Restaurants (von Gourmet bis regionale Küche) und da werden Messen besucht, an denen sich die Hotels potenziellen Reiseanbietern vorstellen und auch um Firmenkunden werben. Sucht das Stadthotel Einstein private Gäste, bietet das Säntis auch Firmenveranstaltungen in anderem Umfeld an. Im Bad Horn gibt es beispielsweise ein Rundum-Sorglos-Weihnachtspaket, das an den Festtagen siebzig bis achtzig Gäste nutzen. «Unsere Gäste kommen gerne zu uns in die Schweiz, aber sie erwarten für unseren Preis auch eine absolute Top-Qualität», sagt Stefan Hinny und erläutert einen weiteren Punkt: «Es kommt hinzu, dass man das Neue laufend unterhalten muss. Unser Spa ist acht Jahre alt, sieht aber aus wie brandneu.»

Das Hotel Bad Horn. (Bild: Sabrina Stübi)

Das Hotel Bad Horn. (Bild: Sabrina Stübi)

Das Neue und Schöne alleine reicht aber auch nicht: Das Einstein hat quasi sein eigenes Weltkulturerbe und einen «textilen Touch», führt Vogt aus und verweist auf alle textilen Zusatzangebote wie Textil-Museum oder Textil-Weg. Und Stefan Hinny sagt mit Blick aus dem Fenster auf den See: «Die Lage eines Hotels ist entscheidend.» Bei Remo Brülisauer ist das der «Standortfaktor Appenzellerland mit dem Alpsteingebirge, dem Säntis und der Schwebebahn. Im Umkreis von 1,5 Stunden leben 1,5 Millionen Menschen, die auf die Schwägalp kommen können.»

Das Einzigartige wird gesucht und betont

So hat jedes Hotel seinen USP, eine sogenannte «Unique Selling Proposition». Auf Deutsch: Etwas, das sie mehr oder weniger einzigartig macht und von anderen Hotels unterscheidet. Bad Horn hat einen See mit eigenem Hafen und dem Schiff Emily; das Säntis-Hotel hat einen Berg mit eigener Schwebebahn; das Einstein hat eben ein Weltkulturerbe als Nachbarn, zählt Vogt auf. Das ziehe die Gäste an. Aber er sagt auch klar: «Wir profitieren vom Städtetourismus und ein wenig vom ‹Überlauf› aus Zürich und Luzern», erläutert der Einstein-Hotelier. Man müsse zugeben, dass man auf der «B-Karte» des Schweizer Tourismus läge. Wichtig ist, dass die Gäste wiederkämen.

Aber auch das reicht immer noch nicht aus, um erfolgreich und profitabel zu sein. Nehmen wir die Betriebe auf der Schwägalp. Sommer wie Winter, mit ÖV oder privatem Auto, gepfadet wird selbst und auf eigene Rechnung. «Vieles geschieht hier im Hintergrund», sagt Brülisauer. 170 Mitarbeitende arbeiten in den Betrieben der Säntis Schwebebahn AG, viele hinter der Kulisse, viele heute sehr flexibel in Teilzeit.

Gerade werden das Restaurant Passhöhe und das Panoramarestaurant auf dem Säntis renoviert. Das schafft dann nicht nur Neues, sondern bringt auch Effizienz: Die Produktionsküche ist dann für alle unten im Hotel, in den anderen Küchen wird nur noch gefertigt. «Einfach ausgedrückt: Wir bringen nicht mehr die Eier und das Mehl für die Hörnli nach oben, sondern gleich die frischen, vorgefertigten Hörnli.» Gut, wenn man eine hauseigene Schwebebahn für den Transport hat.

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