Das Wasser steigt und steigt

Kaum sind die ersten Regentage vorbei, folgen auch schon die nächsten. Die hohe Niederschlagsrate wird auch im Bodensee sichtbar. Der Pegel liegt jetzt 30 Zentimeter höher.

Jessica Kobler
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Im Rheinspitz ist der Anstieg des Seepegels derzeit gut zu beobachten. (Bild: Corina Tobler)

Im Rheinspitz ist der Anstieg des Seepegels derzeit gut zu beobachten. (Bild: Corina Tobler)

Der Bodensee habe zu wenig Wasser, hiess es in den vergangenen Monaten. Doch nach den starken Regentagen sehen die Zahlen wieder ganz anders aus. Im Juli ist der Seepegel stark angestiegen – und wird das auch weiterhin tun.

Vom Rhein abhängig

Das Einzugsgebiet des Bodensees einschliesslich Seefläche umfasst rund 11 500 Quadratkilometer und reicht bis an die Grenze Italiens. Mit seinem Gesamtvolumen von rund 50 Kubikkilometern ist er der drittgrösste See der Schweiz. Rund 62 Prozent und somit den grössten Teil des Wassers, das mit dreizehn Zuflüssen in den Bodensee gelangt, liefert der Alpenrhein.

«Wenn der Rhein anschwillt, so steigt der Bodenseepegel auch an», erklärt Silvia Morf von der Abteilung Hydrologie des Bundesamtes für Umwelt. Jeden Sommer, besonders im Juni und Juli, sei der Wasserpegel leicht höher als in anderen Monaten, weil der Alpenrhein zu dieser Jahreszeit mehr Wasser liefert. «Das lässt sich mit der Schnee- und Gletscherschmelze sowie der höheren Niederschlagsrate in den Sommermonaten erklären.»

Pegel lange unter der Norm

Doch von Schnee konnte diesen Winter nicht die Rede sein. Es fiel zwar über längere Phasen die übliche Menge Niederschlag, sie kam aber bis in mittlere Lagen nicht als Schnee, sondern als Regen und floss gleich ab. Aus diesem Grund stand das Wasser im See Anfang Jahr auf Durchschnittshöhe.

Im Frühling allerdings bewegte sich der Seepegel wegen der zu wenigen Niederschläge leicht darunter. Der Juni war wärmer als üblich und zeigte keine grossen Veränderungen: Statt um etwa einen halben Meter anzusteigen, wie es in dieser Jahreszeit für gewöhnlich der Fall ist, ging das Wasser kaum in die Höhe. Nun jedoch steigt der Bodenseepegel schnell an.

Böden sind zu feucht

Gemäss Bundesamt für Umwelt besteht für das Bodenseegebiet nur «mässige Gefahr». Der See könne lokal zwar über das Ufer fliessen, aber der Wasserstand liege in einem solchen Fall unter der Schadensgrenze. Überflutungen seien eher unwahrscheinlich. «Zurzeit ist dieser Anstieg zwar unproblematisch, aber der See wird in den nächsten Tagen weiter ansteigen», sagt Morf.

Der Grund dafür liege nicht nur in der überdurchschnittlich hohen Niederschlagsrate, die der Wetterbericht erneut verspricht. «Die Böden sind extrem nass und können kein Wasser mehr aufnehmen», sagt Morf. «Wir werden das Wetter weiterhin beobachten.»

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