«Das, was uns im Moment rettet, sind die Kurzurlauber aus dem Welschland»: So kämpfen St.Galler Hotels gegen die Krise

Die Hotels Säntispark und Oberwaid buhlen mit Sommerangeboten um Gäste aus der Romandie.

Melissa Müller
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Das Hotel Säntispark war im Juli so stark ausgelastet wie noch nie.

Das Hotel Säntispark war im Juli so stark ausgelastet wie noch nie.

Benjamin Manser

Während die Alpsteinregion derzeit von Touristen aus der ganzen Schweiz entdeckt wird, gehören Businesshotels zu den Verlierern der Krise. Geschäftsreisende bleiben aus. Das «Walhalla» am St. Galler Bahnhof ist derzeit geschlossen, das «Radisson blu» war es bis vor kurzem. Corona trifft die Tourismusbranche in der Stadt härter als auf dem Land.

Aber wie läuft es gewissermassen dazwischen, im Säntispark und der Oberwaid? Das Hotel Säntispark in Abtwil lebt vom Geschäftstourismus. Aber nicht nur: «Wir sind sehr froh, dass wir verschiedene Segmente bedienen», sagt Mediensprecherin Natalie Löhrer. Im Vergleich zu anderen Sommern würden viel mehr Freizeitgäste einchecken – auffallend viele aus der französischen Schweiz.

Wie man in den Alpstein oder an den Bodensee kommt

Und sie bleiben länger. Statt ein bis zwei Nächten buchen sie gleich einige Tage. Wer länger bleibt, will nicht nur in den Bädern und Saunen im Säntispark entspannen, sondern auch Ausflüge unternehmen.

«Unsere Damen und Herren an der Rezeption dürfen fleissiger als sonst erklären, wie man in den Alpstein oder an den Bodensee kommt.»

Das Hotel Säntispark reagiert mit einer Preisreduktion auf die Krise und bietet einen «Sommerhit» an: Ein Doppelzimmer für zwei Erwachsene samt üppigem Frühstück und Zugang zur Bäderwelt für 215 Franken. Das koste normalerweise je nach Auslastung zwischen 250 und 340 Franken. Der «Sommerhit» werde rege genutzt, auch von Familien.

«Wir waren im Juli so stark ausgelastet wie noch nie.»

«Schwierige Monate hinter uns»

Die Stimmung im Betrieb sei nach diesem «sensationellen Juli» positiv. Allerdings sei das Freizeitgeschäft ein sehr kurzfristiges und vom Wetter abhängig. «Wenn die Sommerferien vorbei sind, flaut das Geschäft wieder ab», relativiert Löhrer. Es laufe im Moment erfreulich. «Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass wir schwierige Monate hinter uns haben.»

Man habe einen «starken Einbruch» erlebt, etliche Stornierungen von Firmen entgegen genommen. Die Seminarräume für Konferenzen, welche das Hotel Säntispark anbietet, bleiben leer. Die Zunahme bei den Touristen könne zwar die Übernachtungen im Businessbereich kompensieren – nicht aber die verlorenen Seminarumsätze.

Die Oberwaid, Kurhaus & Medical Center, spricht eine gehobene Kundschaft an.

Die Oberwaid, Kurhaus & Medical Center, spricht eine gehobene Kundschaft an.

Michel Canonica

Den französischen Markt aktiv beworben

Damit kämpft auch das Hotel Oberwaid am Stadtrand von St. Gallen. Drei Monate war der geschwungene moderne Bau geschlossen. Seit 19. Juni ist die Oberwaid wieder offen. «Wir haben sonst viele Geschäftsreisende, das fällt jetzt weg», sagt Andreas Fienbork, der stellvertretende Hoteldirektor. «Das, was uns im Moment rettet, sind die Kurzurlauber.» Dies seien vor allem Schweizerinnen und Schweizer, hauptsächlich aus der Romandie, sowie ein paar Deutsche. Das liege daran, dass die Oberwaid den französischen Markt aktiv beworben habe und zudem ein Kurzurlaubsangebot für vier Tage mit Halbpension lanciert habe.

Das Kurhaus Oberwaid, 2013 eröffnet, wurde von Architekt Carlos Martinez entworfen.

Das Kurhaus Oberwaid, 2013 eröffnet, wurde von Architekt Carlos Martinez entworfen.

Michel Canonica

Nur noch für Patienten und Hotelgäste

Das Restaurant wurde von 90 auf 30 Plätze verkleinert. Dies, weil die Oberwaid auch eine Rehaklinik ist. «Wir legen grossen Wert drauf, Risikopatienten räumlich von den Hotelgästen zu trennen», sagt Fienbork. Treppengeländer und Türgriffe würden sechs Mal täglich desinfiziert, Hotelzimmer ebenfalls sehr häufig. Besucher sind nur zugelassen, nachdem bei ihnen Fieber gemessen wurde. «Wir wollen hier keinen unkontrollierten Gast.»

Die Wäsche werde mit speziellen Desinfektionsmitteln gewaschen. «Jeder Mitarbeiter trägt eine Maske, die wir extra selbst im Haus angefertigt haben», zählt der stellvertretende Direktor die verschärften Hygieneregeln auf. Viele Angestellten seien auf Kurzarbeit. Restaurant und Spabereich sind nur noch für Patienten und Hotelgäste der Oberwaid zugänglich. Für die Öffentlichkeit bleiben sie bis auf weiteres geschlossen. «Wenn ich die Entwicklungen der Coronakrise verfolge, dann glaube ich nicht, dass sich daran in nächster Zukunft etwas ändern wird», sagt Fienbork.

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