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Kolumne

St.Margrethen: Das Tor der Ostschweiz zur Welt – und umgekehrt

Dieses Dorf ist Grenzübergang, Einkaufsmekka, Verkehrsdrehscheibe, Wohngemeinde und Sehnsuchtsort zugleich: Zwei Stunden in St.Margrethen.
Adrian Vögele
Start- und Endpunkt vieler Fernreisen: Der Grenzbahnhof St.Margrethen. (Bild: Adrian Vögele)

Start- und Endpunkt vieler Fernreisen: Der Grenzbahnhof St.Margrethen. (Bild: Adrian Vögele)

Einen Tag lang die Heimat feiern genügt vollkommen: Manche packt schon am 2. August wieder das Fernweh. Während am Portal des Einkaufszentrums Rheinpark der Feuerwerk-Verkaufsstand abgebrochen wird, bleibt drinnen im ersten Stock ein Mann beim Reisebüro stehen und blättert Prospekte durch. Seine Frau verdreht die Augen, redet auf ihn ein. Die Optionen sind aber auch uferlos. Cancùn? Kroatien? Oder doch lieber die Countrymusik-Kreuzfahrt mit Toni Vescoli?

St. Margrethen

Der Grenzort St.Margrethen hat dank seiner Lage einen direkten Draht in die weite Welt. Nicht jede Schweizer Gemeinde mit weniger als 6000 Einwohnern kann internationale Bahnverbindungen bieten. Auf der Tafel vor dem Bahnhofgebäude steht «Billette Europa», daneben unterhalten sich zwei Reisende auf Französisch. Gut, der Eurocity nach München schwächelt gerade ein wenig, wegen Bauarbeiten auf deutscher Seite ist Umsteigen auf Ersatzbusse angesagt. Darum gehen momentan weniger internationale Tickets über den Tresen als gewöhnlich, wie ein SBB-Mitarbeiter erklärt. Immerhin: Die S-Bahn nach Bregenz ist normal in Betrieb. Ein Teenager rollt einen schweren Koffer an Bord.

Von Havanna über Monaco nach Hamburg

Auf dem Weg vom Bahnübergang zum Zoll ist die Szenerie schon fast aufdringlich mondän: «Havanna Grill». «Café Bar Monaco». Ein weiteres Reisebüro, diesmal ferienhalber geschlossen. Logisch: Wer sich beruflich ständig mit Urlaubswilligen abgibt, ist irgendwann selber reif für die Insel. Rechts der Strasse werden geräuschvoll Güter umgeschlagen, vor dem «Cargo Service Center» setzen sich Lastwagen mit Schiffscontainern in Bewegung. Die Namen der Reedereien klingen nach Norden, «Mærsk» und «Hamburg Süd» – das Meer scheint fast um die Ecke zu liegen. Der Wind frischt jedenfalls schon mal auf. Am Grenzübergang parkiert ein slowakischer Chauffeur, auf der Führerkabine prangt das Konterfei eines Piraten. Ob das beim Vorwärtskommen hilft? Hier am Zoll rollt der Verkehr für einmal flüssig.

In St.Margrethen wird aber nicht nur durchgereist, sondern auch gern geblieben. 48,3 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner stammen aus dem Ausland, das ist nach Rorschach der zweithöchste Wert im Kanton. Fast identisch war der SVP-Wähleranteil der Gemeinde in den letzten nationalen Wahlen. Wie es wohl im Oktober ausgeht? Auf der Grenzstrasse ist ein älterer Velofahrer unterwegs, «Switzerland» steht auf der Dächlikappe. Fast gleichzeitig streift ein dunkelhäutiger junger Mann mit seiner Familie durch den kleinen Park beim Bahnhof. Auch er trägt einen Hut – andere Farbe, gleicher Schriftzug: «Switzerland».

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