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Bund mischt sich in Bergbahnen-Streit ein

Vertreter der beiden Bergbahn-Unternehmen im Toggenburg und des Kantons St. Gallen setzen sich an einen Tisch – Gastgeber ist der Bund.
Regula Weik
Chäserruggbahn von Unterwasser nach Iltios und Chäserrugg

Chäserruggbahn von Unterwasser nach Iltios und Chäserrugg

Die Bergbahnen in Elm und Braunwald erhalten sie, auch die Bahnbetreiber am Pizol können darauf zählen – auf staatliche Unterstützung. Die Bergbahnen Wildhaus AG hätte dies auch gern. Sie hat bislang erfolglos dafür gekämpft. Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer – und zwar am Berner Himmel. Die Wildhauser hatten bereits im Frühling angetönt, dass sie ihre Hoffnung auf das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) setzen. Diese Woche soll nun ein Treffen stattfinden, wie das Regionaljournal von Radio SRF meldete. Dies treffe zu, sagt Mediensprecher Fabian Maienfisch auf Nachfrage. Das Seco sei im Gespräch mit den beiden Bergbahn-Unternehmen und Kantonsvertretern aus St. Gallen. Ziel des Treffens sei, «Möglichkeiten einer besseren Zusammenarbeit im Toggenburg auszuloten».

Mit dieser steht es in der Tat nicht zum Besten. Die Verantwortlichen der Bergbahnen haben sich über Wochen öffentlich bekriegt. Auf Vorwürfe von hüben folgten Anschuldigungen von drüben – und umgekehrt.

Bundesgelder sind blockiert

Der Streit der beiden ist denn auch der Grund, weshalb die St. Galler Regierung Gelder blockiert hält, auf welche die Bergbahnen Wildhaus AG angewiesen ist. Die Wildhauser wollen ihr Skigebiet ausbauen – und hofften dabei auf Mittel der Neuen Regionalpolitik (NRP), die von Bund und Kanton finanziert wird. Sie beantragten ein Darlehen von fünf Millionen Franken. Doch die Regierung stand auf die Bremse.

In den vergangenen Wochen ist es ruhiger um die Streitparteien geworden – jedenfalls in der Öffentlichkeit. Kommt das Gespräch auf das Toggenburg, ist der Bergbahnenstreit jedoch rasch ein Thema. Und das Treffen mit dem Seco deutet an: Die beiden Bahnbetreiber dürften sich kaum geeinigt haben. So überrascht nicht, dass keine Angaben zum Inhalt des Austausches gemacht werden. Die Gespräche seien vertraulich; er könne daher inhaltlich nichts dazu sagen, so Seco-Mediensprecher Maienfisch. Auslöser des Streites war ein «unfreundliches Übernahmeangebot» per Zeitungsinserat. So empfanden die Wildhauser die Avancen der Toggenburg Bergbahnen AG, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig gelassen hatte. Seither ist ein Jahr ins Land gezogen – ohne, dass die beiden von ihren Positionen abgerückt wären.

Die Ansage der Regierung war unmissverständlich: Die beiden Bergbahn-Unternehmen sollen sich auf eine weitere Zusammenarbeit einigen, dann fliesse das Geld. Und ihre Forderung: ein Berg, ein Ticket. Die Regierung verlangt von den beiden Unternehmen, dass sie auch künftig ein gemeinsames Skiticket anbieten. Gesichert ist dieses nur noch für die Saison 2018/2019. Danach müssten Wintersportler zwei Tickets lösen, um sämtliche Liftanlagen zwischen Wildhaus und Alt St. Johann benutzen zu können. Noch glaubt im Toggenburg niemand richtig daran, dass es so weit kommen könnte. Das Risiko, dass es kein gemeinsames Ticket mehr gebe, schätze er auf unter zehn Prozent, sagte kürzlich ein Einheimischer.

Die Bergbahnen Wildhaus AG ist klar der Meinung, dass ihr das Geld zusteht. «Die Auflage der Regierung ist willkürlich und missbräuchlich», sagte ihr Verwaltungsratspräsident Jack Rhyner im Dezember vor den Medien. Und er liess keine Zweifel daran: «Wir werden weiterkämpfen.» Wenige Tage später war klar: Das Bahnunternehmen unternimmt juristische Schritte. Es gelangte mit einer Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht. Dieses hat in der Sache noch nicht entschieden.

Start des Ausbaus verzögert sich

Für die Wildhauser steht aktuell einiges auf dem Spiel. Tut sich nichts in der Pfalz, tut sich auch nichts in ihrem Gebiet. Sie mussten ihr Ausbauprojekt bereits um ein Jahr verschieben – «wegen der blockierten Bundesgelder», wie sie im Dezember mitteilten. Wird in absehbarer Zeit keine Einigung erzielt, dürfte auch der Baustart im Frühling 2019 wackeln. Hat die Bergbahnen Wildhaus AG bis im Spätsommer nicht die Gewissheit, dass die Regierung die fünf Millionen freigibt, dürfte sie ihre Aktionäre an der nächsten Generalversammlung im Frühherbst über eine weitere Verzögerung der Ausbaupläne orientieren müssen.

Ein Einheimischer, der anonym bleiben will, meint: Die Hoffnung auf das Seco sei berechtigt. Der Bund lechze danach, Gelder aus dem Topf der Nationalen Regionalpolitik vergeben zu können, und Wildhaus könne ihm ein fertiges Projekt auf dem Silbertablett servieren. Der Bund hatte in der Tat früh Gefallen am Projekt mit dem Namen Wildhaus 2.0 gefunden; so empfahl er bereits vergangenen Juli, den Antrag um Mitfinanzierung über fünf Millionen gutzuheissen. Die Wildhauser wollen drei veraltete Skilifte durch eine neue 6er-Sesselbahn ersetzen. Das Seco spricht denn auch von einer «massgeblich verbesserten Qualität des Angebots». Die strategische Ausrichtung auf Familien, Gruppen und Wintersportanfänger, die zum ersten Mal mit Schnee in Berührung kommen, sei eine «Anpassung an veränderte Marktbedingungen». Das Projekt trage zu «einer gesunden Konkurrenzfähigkeit der ganzen Destination Obertoggenburg» bei.

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