«Die sanfte Hügellandschaft vermisse ich»: Nathalie Ledermann-Bachmann aus Aadorf war als Model in aller Welt – wie denkt sie heute über den Thurgau?

Nathalie Ledermann-Bachmann war während fünf Jahren auf den Laufstegen der Welt unterwegs. Heute lebt die Aadorferin in Basel.

Svenja Rimle
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Natalie Ledermann-Bachmann war in den Achtzigerjahren ein gefragtes Model.

Natalie Ledermann-Bachmann war in den Achtzigerjahren ein gefragtes Model.

Bild: Reto Martin

Sie sind im thurgauischen Aadorf aufgewachsen, leben heute aber in Basel. Was hat Basel, was der Thurgau nicht hat?

Das Wetter ist in Basel viel schöner. Wir haben im Winter kaum Nebel. Diese Stadt wird von vielen Leuten unterschätzt. Nicht nur die kulturelle Vielfalt macht Basel so einzigartig, auch die Menschen sind entspannter als beispielsweise jene in Zürich. Dort habe ich früher gewohnt. Basel mit dem Thurgau zu vergleichen, ist aber schwierig: Basel ist eine grössere Stadt, während der Thurgau einfach Natur Pur ist.

Was vermissen Sie aus dem Thurgau?

Ich liebe die sanfte Hügellandschaft des Hinterthurgaus, die Apfelplantagen, den Bodensee… In Basel gibt es ja leider keine Seen, dafür den Rhein.

Wie oft besuchen Sie Ihren Heimatkanton?

Ich fahre einmal pro Woche nach Aadorf und besuche meine Mutter. Sie freut sich über Gesellschaft. Wir fahren dann immer gemeinsam nach Vogelsang, um in unserem Stammbistro gemeinsam Mittag zu essen und wir beschäftigen uns mit Brettspielen.

Wie sieht Ihr Alltag unter der Woche aus?

Da mein Mann viel arbeitet, erledige ich die Haus- und Gartenarbeit sowie die Buchhaltung und kümmere mich um meine Mutter und die Schwiegereltern, falls sie Hilfe brauchen. Ausserdem nähe ich gerne und besuche wöchentlich einen Nähclub. Ich geniesse es sehr, meine Ruhe zu haben. Vielleicht kommt das daher, dass ich früher viel erlebt habe und dauernd etwas los war. Heute bin ich nicht mehr so abenteuerlustig. Für meine Familie da zu sein, hat jetzt oberste Priorität.

Zur Person

Natalie Ledermann-Bachmann
Bild: Reto Martin
Natalie Ledermann-Bachmann
In den Achtzigerjahren war Natalie Ledermann-Bachmann als internationales Model tätig und auf Laufstegen rund um den Globus unterwegs. Heute geniesst die inzwischen 52-Jährige ein ruhiges Leben in Basel. Dort lebt sie gemeinsam mit ihrer Familie, abseits von jeglicher Aufmerksamkeit. Aufgewachsen ist sie im ländlichen Aadorf, der Liebe wegen entschied sie sich später für einen Umzug nach Basel. Die vielen interessanten Museen und die historische Altstadt haben es ihr besonders angetan. Der Bodensee und der Apfelsaft von Möhl fehlen ihr aber trotzdem. 

Sie waren in den 80er-Jahren ein international tätiges Model. Wie sind Sie dazu gekommen?

Durch Zufall: Ich war im Deutschland-Urlaub und wurde in einem Kaufhaus von einer Model-Agentin angesprochen. Nachdem ich meine Ausbildung beendet hatte, wagte ich einen grossen Schritt und ging allein nach Paris. Dort hatte ich viel Glück und konnte bald auf vielen Modeschauen laufen. Nicht nur in Paris, auch in Mailand, London und sogar New York wurde ich als Model gebucht.

Modeschau im Jahr 1990

Modeschau im Jahr 1990

Getty / ullstein bild

Haben Sie sich in dieser Zeit manchmal allein gefühlt?

Ich hatte gar nicht so viel Zeit, um nachzudenken, ich war zu beschäftigt. Als Model ist man sehr begehrt. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings in der Tat, dass man sich manchmal sehr alleine fühlt. Branchenintern ist es schwierig, Freundschaften zu pflegen, da jeder immer unterwegs ist. Das Alleinsein hat aber auch seine Vorteile, denn ich konnte die Zeit, die ich für mich hatte, nutzen, um neue Energie zu tanken.

Weshalb haben Sie mit dem Modeln aufgehört?

Es war mir einfach zu stressig. Ich war dauernd erkältet und konnte mich nie richtig erholen. Nach fünf Jahren hatte ich genug vom internationalen Model-Business und zog mich von einem Tag auf den anderen zurück. Ich bin dann wieder nach Aadorf gezogen, kaufte mir ein Pferd und genoss die Idylle.

Modeschau im Jahr 1990

Modeschau im Jahr 1990

Getty. / ullstein bild

Und seither haben Sie nie wieder gemodelt?

Doch, ich nahm dann die eine oder andere Anfrage von hier aus an, ging aber nicht mehr zu Castings. Das war nie mein Ding.

Warum?

Ich empfand diese Castings immer als sehr erniedrigend. Man legt sein Modelbuch auf den Tisch und wird dann von kritischen Augen betrachtet, als wäre man ein Tier im Zoo. Ab und zu habe ich dann noch Aufträge angenommen, bevor ich dann 2015 ganz aufgehört habe.

Sie werden also nie wieder auf den Laufsteg zurückkehren?

Sag niemals nie, vielleicht ergibt sich mal wieder eine Gelegenheit. Ich möchte aber nicht mehr dauernd auf Abruf sein und diese ganze Aufmerksamkeit brauche ich auch nicht mehr. Ich habe genug davon, auf mein Äusseres reduziert zu werden.

Wie halten Sie sich fit und gesund?

Ich mache regelmässig Kraft- und Cardiotraining. Ausserdem ernähre ich mich ausgewogen, mache aber keine Diät. Ab und zu gönne ich mir auch Schokolade.

Früher als Model haben Sie aber bestimmt Diäten gemacht.

Als Model hat man viel Stress und ist ständig unterwegs. Dadurch werden die Kalorien schnell verbrannt. Ausserdem hatte ich schon immer einen guten Stoffwechsel, weshalb ich eine Diät glücklicherweise nie nötig hatte. Meine Kolleginnen hatten da teilweise mehr gelitten. Sie haben viel geraucht und Wasser getrunken, anstatt zu essen. Das konnte ich aber nie.

Natalie Ledermann-Bachmann

Natalie Ledermann-Bachmann

Reto Martin

Haben Sie Mühe mit dem Älterwerden?

Nein, überhaupt nicht. Ich finde den Lebensabschnitt, in dem ich mich gerade befinde, genial. Ich habe Lebenserfahrung, bin aber noch nicht gebrechlich. Ausserdem verspüre ich eine angenehme Gelassenheit und kann die Dinge akzeptieren, wie sie sind. Schönheit ist nur eine Hülle – wirklich wichtig ist der Mensch, der sich darin befindet.

Wie würden Sie einen Film über Ihr Leben nennen?

«Wer nicht wagt, der nicht gewinnt». Es war ein Wagnis, als junge Frau ins Ausland zu gehen aber auch, dann den Beschluss zu treffen, am Höhepunkt meiner Modelkarriere aufzuhören. Ich habe aber keine dieser Entscheidungen jemals bereut.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang die Rollen tauschen?

Ich wäre sehr gerne Floristin in einem Fünfsternehotel. Dann könnte ich mit einem grossen Budget den Eingangsbereich dekorieren. Das würde ich auch länger als nur einen Tag lang machen. Ich bin gerne kreativ und liebe Blumen – vor allem Anemonen, Rosen und Lilien gefallen mir sehr.

Welche Eigenschaft haben Ihre Kinder von Ihnen?

Die Pünktlichkeit, das ist mir sehr wichtig. Ich finde Unpünktlichkeit so unanständig. Ich habe meinen Kindern immer gesagt, dass man sich selbst nie so wichtig nehmen darf, dass man andere warten lässt.

Interessieren sich Ihre Kinder auch für das Modeln?

Meine beiden Söhne Michael und Matthias gar nicht. Meine Tochter Stephanie wollte es mal ausprobieren und schaffte es am Elite Model Look-Contest in die Top-5. Sie fand das Modeln aber nicht so toll, wie sie es sich vorgestellt hatte und liess es dann wieder sein. Dafür habe ich volles Verständnis.

Mit welchen Gefühlen schauen Sie in die Zukunft?

Um ehrlich zu sein, lebe ich eher im Moment und mache keine grossen Zukunftspläne. Ich geniesse mein Leben gerade sehr. Viele Frauen haben eine Wechseljahreskrise in meinem Alter. Ich bekomme hingegen so viele Freiheiten zurück, schaue alles als natürlich an und habe keine Angst. Ich habe nicht mehr so viele Erwartungen und das ist das befreiendste Gefühl, das ich mir vorstellen kann.

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