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Das Schlupfhuus und seine «Spargeschichte»: Petitionäre glauben nicht an eine günstigere Alternative

Die Initianten einer Petition kritisieren den Spardruck auf das St. Galler Schlupfhuus. 6500 Personen haben bereits unterschrieben.
Noemi Heule
Das Schlupfhuus in St.Gallen steht Kindern und Jugendlichen offen. Im März 2020 schliesst es seine Türen für immer. (Bild: Benjamin Manser)

Das Schlupfhuus in St.Gallen steht Kindern und Jugendlichen offen. Im März 2020 schliesst es seine Türen für immer. (Bild: Benjamin Manser)

Seit drei Monaten läuft die Petition, die Fachleute nach der angekündigten Schliessung des Schlupfhuus’ lancierten. «Wir wollen eine qualitative Nachfolgelösung», heisst es in der Überschrift. 5000 Unterschriften lautete das anfängliche Ziel. Diese Marke ist bereits überschritten: Bisher haben sich 6500 auf der Online-Plattform eingetragen.

Und die Sammlung geht munter weiter. «Wir sammeln so viele Unterschriften wie möglich», sagt Sprecher Michael Gretler, der selber seit 17 Jahren im Schlupfhuus arbeitet. Die Petitionäre wollen weitermachen, bis eine Nachfolgelösung für April 2020 steht.

Weniger Budget, mehr Arbeit

In einer Mitteilung breiten sie die 18-jährige Geschichte der Notunterkunft für Kinder und Jugendliche aus – eine «Spargeschichte», wie es heisst. Über die Jahre sei das Budget von 1,8 auf 1,2 Millionen Franken zurück gegangen. Gleichzeitig erhöhte sich die maximale Zahl der Betreuungsfälle von sechs auf acht, während die Stellenprozente der Fachpersonen gekürzt wurden. Und weiter:

«Durch die kontinuierliche Kürzung der Mittel betreibt eine bewährte 18-jährige Institution mit einem hoch professionellen, eingespielten Team schon längere Zeit Hochleistungsakrobatik.»

In einer Mitteilung breiten sie die 18-jährige Geschichte der Notunterkunft für Kinder und Jugendliche aus – eine «Spargeschichte», wie es heisst. Über die Jahre sei das Budget von 1,8 auf 1,2 Millionen Franken zurück gegangen. Gleichzeitig erhöhte sich die maximale Zahl der Betreuungsfälle von sechs auf acht, während die Stellenprozente der Fachpersonen gekürzt wurden. Und weiter: «Durch die kontinuierliche Kürzung der Mittel betreibt eine bewährte 18-jährige Institution mit einem hoch professionellen, eingespielten Team schon längere Zeit Hochleistungsakrobatik.»

In den vergangenen Monaten habe die Auslastung des Schlupfhuus’ bis zu 115 Prozent betragen, sagt Gretler. Spitzenwerte mit bis zu 13 Jugendlichen auf einmal stellten das Personal vor Herausforderungen. Dass offiziell von einer durchschnittlichen Belegung von 50 Prozent gesprochen wird, hält er für irreführend. «Das ist sind Jahresmittelwerte, die nichts über den täglichen Betrieb aussagen.»

Bundesgelder fallen künftig weg

Pro Jahr sparte der Kanton in den vergangenen Jahren eine halbe Million Franken, rechnen die Petitionäre vor. Davon sind 200000 Franken Bundesgelder, die dem Schlupfhuus seit der staatlichen Anerkennung zufallen. Sie werden aber erst ab sieben Plätzen ausgeschüttet und fallen künftig weg. Mit der Schliessung des Schlupfhuus’ im kommenden März soll das Angebot auf vier bis sechs Plätze verkleinert werden.

Dass eine qualitativ gleichwertige Alternative für den Kanton dennoch günstiger ausfallen soll, stellen die Petitionäre in Frage.

Die Petition richtet sich an Christina Manser, Leiterin des kantonalen Amtes für Soziales. Sie ist trotz der wegfallenden Bundesgelder überzeugt, dass eine weniger defizitäre Lösung möglich ist, wenn die Unterkunft nicht mehr eigenständig betrieben, sondern an eine bestehende Institution angegliedert wird. Die Lösung sieht sie in einem «flexiblen Arbeitszeitmodell», wie dies in Notunterkünften in Zürich oder Luzern bereits gehandhabt wird. Zu Spitzenzeiten wird mehr Personal aufgeboten, als wenn die Betten leer stehen.

Säuglinge und Teenager getrennt unterbringen

Wie die Nachfolgelösung für das Schlupfhuus aussehen wird, bleibt weiterhin offen. Dass es sich dabei um eine qualitativ hochstehende und langfristige Lösung handle, sei allerdings auch für sie eine «Herzensangelegenheit», sagt Manser. Derzeit seien Gespräche mit Interessenten in Gang.

Sicher ist: Nebst der Notunterkunft für Kinder und Jugendliche soll es eine separate Auffangeinrichtung für Säuglinge und Kleinkinder geben. Diese werden zurzeit ebenfalls im Schlupfhuus betreut, obwohl dafür eigentlich die Ressourcen fehlen. Dass künftig Neugeborene und Teenager nicht mehr gleichenorts unterkommen, hält auch Michael Gretler für eine «sinnvolle Lösung», welche die Schlupfhuus-Betreiber schon lange in Erwägung zögen.

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