Das rollende Klassenzimmer

Am Hauptbahnhof St. Gallen gastiert derzeit der Schul- und Erlebniszug der SBB. Mit einer interaktiven Ausstellung bringt er Mittel- und Oberstufenklassen die Themen Mobilität, Energie und Sicherheit näher – inklusive Spiel und Spass.

Anina Rütsche
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Keine Chance für Dreck und Schmierereien: Im Schul- und Erlebniszug am St. Galler Hauptbahnhof lernen Kinder das richtige Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln. (Bild: Michel Canonica)

Keine Chance für Dreck und Schmierereien: Im Schul- und Erlebniszug am St. Galler Hauptbahnhof lernen Kinder das richtige Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Die Polstersitze sind aufgeschlitzt, die Wände verkritzelt, am Boden liegen Zeitungsschnipsel und leere Getränkedosen. «Wäh, isch das gruusig», rufen die Fünftklässler aus, die soeben den Bahnwagen betreten haben. Der Aufforderung, sich zu setzen, kommen die Mädchen und Buben nur zögernd nach. «Da würde ich niemals mitfahren», tönt es aus einem der Abteile.

Lernen in drei Dimensionen

Aufrüttelnd und erschreckend realistisch nachgestellt ist sie, die Unordnung, die sich den Kindern und ihrem Lehrer in einem der Ausstellungsräume im Schul- und Erlebniszug der SBB präsentiert. Diese 130 Meter lange Komposition macht diese und nächste Woche Halt auf einem Abstellgleis am Hauptbahnhof St. Gallen. Sie besteht aus fünf Wagen, welche die Themen Mobilität, Energie und Sicherheit auf interaktive und spielerische Weise vermitteln. Das Angebot richtet sich an Elf- bis Sechzehnjährige, wie der Leiter des Projekts, Diego Marti von den SBB, erklärt. «Es ist wichtig, dass junge Menschen frühzeitig den richtigen und respektvollen Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln lernen.»

Die «dreidimensionale Lernlandschaft» gibt es laut Marti seit zehn Jahren. Die aktuelle Ausstellung existiert jedoch erst seit kurzem – im Winter 2012/13 wurde sie neu konzipiert. «Der Schwerpunkt liegt nun bei der Verantwortung und der Prävention», erklärt Marti. Zudem sei das Angebot interaktiver geworden. Zahlreiche Stationen mit Bildschirmen oder Spielen zeugen davon. Im Energie-Raum besteht sogar die Gelegenheit, mittels Handkurbeln einen Mikrowellenofen in Betrieb zu setzen, in dem sich Maiskörner in Popcorn verwandeln. «Das ist viel cooler, als einfach aufs Knöpfli zu drücken», bemerkt einer der Schüler erstaunt.

Standorte im ganzen Land

Das «rollende Klassenzimmer» ist im Laufe dieses Jahres an rund 20 Standorten in der Schweiz zu Gast. Mit dabei sind Moderatorinnen und Moderatoren, welche die Klassen in je 100 Minuten durch die Ausstellung führen. In St. Gallen sind sechs von ihnen im Einsatz – unter ihnen Martin Künzler, der seit letztem Frühjahr zum Team gehört. «Es ist wichtig, die Ausstellung altersgerecht zu erklären», sagt der Ostschweizer, der bereits vor seinem Einsatz im Schul- und Erlebniszug für die SBB gearbeitet hat. «Mich beeindruckt besonders, wie gut sich schon die Jüngsten mit Fragen rund um Energie und Nachhaltigkeit auskennen.» Bis November 2013 werden über 18 000 Schülerinnen und Schüler die neue Ausstellung besucht haben.

Angebot ist ausgebucht

Ermöglicht wurde der Schul- und Erlebniszug dank der Zusammenarbeit der SBB mit dem Bundesamt für Energie und der Stiftung «Science et Cité». Auch lokale Partner aus dem Bereich des öffentlichen Verkehrs, zum Beispiel die Thurbo AG, sind beteiligt.

Das Angebot sei sowohl bei den Lehrpersonen als auch bei den Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, sagt Martin Künzler: «In St. Gallen sind alle Termine ausgebucht.» Insgesamt hätten sich 94 Klassen aus der Stadt St. Gallen und umliegenden Gebieten für eine Führung angemeldet. «Einige kommen sogar am schulfreien Mittwochnachmittag vorbei», fügt der Moderator an und schmunzelt. Auch Projektleiter Diego Marti freut sich: «Das grosse Interesse am Schul- und Erlebniszug zeigt, dass der öffentliche Verkehr in der Ostschweiz einen besonders hohen Stellenwert hat.»