«Das Risiko muss jeder selber kalkulieren»

ST.GALLEN. Für Marcel Halbeisen ist klar: Bei den aktuellen Schneeverhältnissen sollten nur Cracks auf anspruchsvolle Skitouren gehen – «top ausgebildete und sehr erfahrene Sportler; alle andern sollten sich zurückhalten und kleinere Touren ohne rasante Abfahrten planen.»

Regula Weik
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Unberührte Hänge – verlockend für Skitourenfahrer. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Unberührte Hänge – verlockend für Skitourenfahrer. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Für Marcel Halbeisen ist klar: Bei den aktuellen Schneeverhältnissen sollten nur Cracks auf anspruchsvolle Skitouren gehen – «top ausgebildete und sehr erfahrene Sportler; alle andern sollten sich zurückhalten und kleinere Touren ohne rasante Abfahrten planen.»

Was rät der Präsident der Sektion St.Gallen des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) Skitourengängern, die der Verlockung unberührter Hänge nicht widerstehen können? Er zögert. «Steiles Gelände meiden. Hänge mit einer Neigung unter 30 Prozent wählen.» Da sei die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenniedergangs geringer. Doch rasch fügt er an: «Totale Sicherheit gibt es nie. Jeder Bergsport birgt ein gewisses Risiko. Die Berge sind ein Ort, wo wir nicht total behütet sind. Diese Freiheit macht den Reiz der Berge aus. Wie viel Risiko man eingeht, um ein bestimmtes Erlebnis zu haben, muss jeder für sich selber kalkulieren.»

Mehr Unfälle Anfang Saison

Es braucht derzeit keine sonderliche Belastung der Schneedecke, um eine Lawine auszulösen; es reicht eine Person, die in einen Hang hineinfährt. «Der Schnee ist nicht abgesetzt und nicht verbunden», erklärt Halbeisen. Die Schneedecke ist «störanfällig», nennen es Experten. Laien sprechen von «schlechtem Untergrund».

Wurde die erhebliche Lawinengefahr – die Gefahrenstufe 3 gilt aktuell für die Ostschweiz – von den Tourengängern unterschätzt? «Erheblich heisst: Es besteht eine ganz klare Lawinengefahr», sagt Halbeisen. Jede höhere Gefahrenstufe bedeute «no go» – oder eben auf der Piste bleiben. «Anfang Saison gibt es immer mehr Unfälle als später im Winter», beobachtet Halbeisen. Die Sportler hätten lange auf den Schnee gewartet und seien «giggerig».

Die Skitourenleiter des SAC haben alle eine schweizweit geregelte Ausbildung absolviert. Dazu gehören: Gelände beurteilen, Kartenlesen, Schneeprofile erstellen, Verschüttete orten und bergen. Und: Der SAC bietet Lawinenkurse für Mitglieder an. «Prävention über Ausbildung», sagt Halbeisen. «Wer später alleine loszieht, muss Eigenverantwortung übernehmen – so wie der Fahrlehrer auch nicht verantwortlich ist, wenn einer später über die Autobahn rast.»

Falsche Sicherheit

Verhalten sich Schneesportler, ausgestattet mit Verschüttetensuchgerät und Lawinen-Airbag, sorgloser? Halbeisen weist dieses falsche Sicherheitsgefühl nicht von der Hand – «irgendwo steckt es im Unterbewusstsein in jedem drin».

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