Das rabiate Bild eines Vaters

Eine junge Frau beschuldigt ihren Vater der sexuellen Nötigung und Drohung. Dieser streitet ab. Die anderen Familienmitglieder wollen nichts bemerkt haben.

Silvan Meile
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SIRNACH. Gestern traf eine Frau vor dem Bezirksgericht Münchwilen nach Jahren erstmals wieder auf ihren Vater. Im Oktober 2010 auferlegte das Untersuchungsrichteramt ein Kontaktverbot zwischen den beiden. Grund dafür sind schwere Vorwürfe der heute 23jährigen Frau an den dreifachen Vater, wie sexuelle Nötigung und Drohung.

Dominanter Vater

Die Frau erzählt vor Gericht von einer Kindheit mit viel Gewalt. «Die Familienverhältnisse waren eine Katastrophe», sagt sie und spricht von Beleidigungen, Schlägen und Morddrohungen seitens des Vaters. In der Anklageschrift werden dem 47jährigen Gemeindeangestellten auch sexuelle Übergriffe auf seine Tochter vorgeworfen. Mehrmals soll er sie an den Brüsten angefasst haben, während er von ihr Keuschheit verlangte. Kontakt mit Burschen habe die Situation jeweils eskalieren lassen, erzählt die Frau unter Tränen. Die Anklage zeichnet das Bild eines rabiaten Vaters mit einer überaus dominanten Stellung in der Familie. Vor mehr als drei Jahren floh deshalb die Tochter aus der elterlichen Wohnung.

Zehn bis zwölf Monate gefordert

Der Angeschuldigte wies jegliche Schuld von sich. Den Fragen des Gerichtspräsidenten wich er aus. Obwohl er seit 25 Jahren in der Schweiz lebt, war der Kosovare auf einen Albanisch-Übersetzer angewiesen. Die Befragung nahm teils bizarre Züge an. Es stand Aussage gegen Aussage. Die Vorwürfe gründen nur auf den Schilderungen der Klägerin. Ihre beiden Geschwister und ihre Mutter gaben im Vorfeld zu Protokoll, nichts von den Vorwürfen mitbekommen zu haben. So stellt die Anklageschrift eine «eher prekäre Aktenlage» fest. Die Verteidigung des Angeklagten verlangt einen Freispruch.

2009 erhob die Klägerin vor dem Bezirksamt Münchwilen ähnliche Vorwürfe, zog diese aber «auf Druck der Familie» wieder zurück, wie sie sagt. Die Staatsanwaltschaft verlangt für den Familienvater zehn bis zwölf Monate Freiheitsstrafe. Er sass bereits 29 Tage in U-Haft. Ein Urteil wurde gestern nicht gefällt.

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