Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Ständeratskandidat Alex Pfister:
«Das Parteiensystem ist veraltet»

Alex Pfister stieg als letzter Kandidat ins Rennen um den freien Sitz. Der parteilose Rheintaler über Juxkandidaturen, seine BDP-Vergangenheit und die Vorzüge von Unternehmern in der Politik.
Interview: Regula Weik
«Ich lasse mich nicht bremsen»: Ständeratskandidat Alex Pfister. (Bild: Benjamin Manser)

«Ich lasse mich nicht bremsen»: Ständeratskandidat Alex Pfister. (Bild: Benjamin Manser)

Sind Parteilose die besseren Politiker?

Alex Pfister: Sie sind keinem Parteiprogramm verpflichtet und können sich ihre eigene Meinung bilden.

Parteimitglieder denken nicht selber?

Das sage ich nicht. Als Parteiloser kann ich jene Themen aufgreifen, in denen ich stark bin. Wenn hingegen die SVP plötzlich für die Migration weibeln würde, wäre das unglaubwürdig.

Parteilose politisieren ­unabhängiger?

Genau.

Ist es als Parlamentarier nicht wichtig, vernetzt zu sein?

In Bern sind alle politisch bestens vernetzt. Trotzdem kommen sie in wichtigen Fragen keinen Schritt weiter. Links und rechts geben keinen Millimeter nach, und die Mitte weiss nicht, in welche Richtung sie ausschlagen soll.

Das Parteiensystem ist ­veraltet?

Ich zweifle, ob es heute noch richtig ist, dass unser Parlament dominiert ist von jenen sieben Prozent der Bevölkerung, die Mitglied einer Partei sind.

Der Ständerat bildet die Bevölkerung nicht ab?

Sicher nicht. Fast 30 Prozent der Ständeräte gehören der CVP an. Das entspricht in keiner Art und Weise der Bevölkerung – auch nicht dem Wähleranteil der CVP.

Sie sind Unternehmer, plädieren für wenig admini-strative und finanzielle Belastungen. Sie passen bestens in die FDP.

Das ist nicht so abwegig. Ich gehöre keiner Partei an, da ich mich mit keiner zu hundert Prozent identifizieren kann.




Sie waren 2009 Mitbegründer der St. Galler BDP, traten später aus. Weshalb?

Parteispielchen sind nicht zielführend.

Das gab es bei der BDP?

Vor den Nationalratswahlen 2011 forderte uns die Mutterpartei zu Listenverbindungen auf. Später wurden wir zurückgepfiffen. Solches parteipolitisches Taktieren ist mir zuwider. Das ist reine Zeitverschwendung.

Politische Prozesse sind oft langwierig. Sie werden sich in Geduld üben müssen.

Gäbe es mehr Unternehmer in der Politik, ginge es schneller.

Die aktuelle Spitalplanung im Kanton ...

... wenn ich so lange hätte, einen so wichtigen Entscheid zu fällen, gäbe es meine Firma nicht mehr.

Braucht es das Spital Altstätten?

Ja. Mit der Schliessung kann nicht gespart werden. Die Basiskosten der Landspitäler sind tiefer als jene des Kantonsspitals. Aber das Angebot muss angepasst werden.

Wie?

In Richtung Geriatrie. Die Bevölkerung wird immer älter.

Apropos Alter: Muss das Rentenalter erhöht werden?

Wir werden älter, und damit wird es auch selbstverständlicher, dass wir länger arbeiten. Ob bis 65, 67 oder 70, ist nicht entscheidend. Wir müssen flexibel in Rente gehen können. Und wir müssen uns fragen, ob es andere Quellen zur Finanzierung der AHV gibt.

Nämlich?

Die Negativzinsen der Nationalbank. Das sind jedes Jahr zwei Milliarden. Sie werden erhoben, um die Exportwirtschaft und den Tourismus zu stützen. Weshalb nicht auch die AHV? Ich bin zudem sicher, dass uns die Migration helfen wird, die demografischen Probleme zu lösen.

Das müssen Sie erklären.

Es muss gelingen, die Migranten gut zu integrieren. Es kommen viele junge Menschen in die Schweiz, sie wollen arbeiten.

Das tönt nach linker Politik.

Ja, da kommt mein Mitte-links-Aspekt zum Ausdruck. Ich sehe in der Migration viel mehr Chancen als Risiken. Wir können uns nicht abschotten.



Sie plädieren für eine offene Haltung gegenüber der EU?

Ja.

Auch für einen EU-Betritt?

Aktuell nicht. Die EU hat genügend eigene Probleme zu lösen, als dass wir uns auch noch einmischen müssten.

Aber Sie sagen Ja zum ­Rahmenabkommen?

Die Unionsbürgerrichtlinie passt zwar zu meiner Migrationshaltung. Aber ob jeder nach fünf Jahren automatisch eine Niederlassung erhalten soll? Ich weiss nicht, ob dies die beste Lösung ist.

Was machen Sie fürs Klima?

Zu wenig.

Was bremst Sie?

Nichts. Der persönliche ökologische Fussabdruck ist wichtig. Aber selbst wenn alle acht Millionen Schweizer darauf achten, ist der Einfluss aufs Klima begrenzt. Die Schweiz kann mit ihrer Forschung, ihren Innovationen und neuen Technologien viel mehr dazu beitragen, dass die CO2-Bilanz verbessert wird.

Sie meldeten Ihre Kandidatur spät an. Zögerten Sie?

Nein. Der Entscheid, dass ich dereinst ein politisches Amt übernehmen will, fiel schon früher.

Direkt in Bern einsteigen zu wollen, ist etwas verwegen.

Das ist die antiquierte Ansicht vieler Parteimitglieder. Ich höre oft: «Eigentlich finde ich es gut, dass du es machst, aber man macht es nicht.» Davon lasse ich mich nicht bremsen. Ich kandidiere aus Überzeugung, nicht aus Jux.

Wenn es mit dem Ständerat nicht klappt, sind Sie dann im Herbst Nationalratskandidat?

Wenn ich am 10. März 500 Stimmen mache, dann ganz sicher nicht. So vernünftig bin ich.

Sportlicher Generalagent

Alex Pfister ist seit über 20 Jahren in der Versicherungsbranche tätig, seit 2011 ist er selbstständiger Generalagent. Heute beschäftigt er 40 Mitarbeitende. Der 39-Jährige wuchs in Altstätten auf, heute lebt er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Widnau. Pfister war 2009 Mitbegründer der St. Galler BDP, wenig später trat er aus. Heute ist er parteilos. Er liebt Fussball, Biken und Tennis. (rw)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.