Das Parlament muss bei der Thurmed AG weiter genau hinschauen

Die Umwandlung der Thurgauer Spitäler in eine AG vor 20 Jahren ist zwar eine Erfolgsgeschichte. Doch der Grosse Rat kann nur noch von der Seitenlinie aus zuschauen. Und pocht auf Transparenz.

Christian Kamm
Christian Kamm
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Aus heutiger Sicht haben die Väter und Mütter der Spital Thurgau AG damals vor 20 Jahren alles richtig gemacht. Während andere Kantone wegen ihrer Spitäler ächzen und Mittel einschiessen müssen, läuft das Spitalwesen im Thurgau nicht nur reibungslos, sondern liefert auch noch regelmässig Geld an die Staatskasse ab.

Selbst die oberste Personalvertreterin lobte am Mittwoch im Grossen Rat den CEO der Spital AG fast schon beängstigend überschwänglich als absoluten Macher, der einen sehr guten Job gemacht habe. Wo liegt angesichts dieser Erfolgsgeschichte also das Problem?

Zum einen kaut das Parlament immer noch an seinem Bedeutungsverlust, den ihm die Altvorderen eingebrockt haben. Nur noch von der Seitenlinie zuschauen zu müssen, wie die Spital Thurgau AG förmlich durch die Decke geht, muss etwas Beängstigendes haben. Da wird Volksvermögen im grossen Stil herumdirigiert, da wird Unternehmen gespielt und expansiv auch jenseits der Kantonsgrenzen investiert − und die Volksvertreter müssen mehr oder weniger tatenlos zuschauen. Kommt dann noch mangelnde Offenheit in der Kommunikation und in der politischen Fellpflege dazu, dann ist die Kritik nicht mehr weit.

Der Aufstieg der Spital Thurgau AG ist nicht zuletzt einem personellen Glücksgriff an der Spitze zu verdanken. Die Verdienste des CEO sind gross. Nur: Nicht einmal Päpste regieren heutzutage noch auf Lebenszeit. Deshalb ist die Politik gut beraten, ihre Position zu halten, weiterhin nah am Geschehen zu bleiben und kritisch nachzufragen. Wer weiss heute schon, ob der nächste CEO ebenfalls wieder ein Glücksgriff sein wird.