Das Ostergitzi liegt im Trend

Der Gitzibraten war früher ein Arme-Leute-Festessen und ist heute zu einer raren Spezialität geworden. Ein Besuch in der Ziegenjugendstube des Vereins Ziegenfreunde in Lüchingen.

Hansruedi Wieser
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Die Ostergitzis leben während der Mastzeit in hellen Ställen mit genügend Platz und Einstreu. (Bild: Hansruedi Wieser)

Die Ostergitzis leben während der Mastzeit in hellen Ställen mit genügend Platz und Einstreu. (Bild: Hansruedi Wieser)

ALTSTÄTTEN. «Trotz frühzeitigem Planen sind so kurz vor Ostern sowohl Lieferanten wie Abnehmer recht nervös», sagt Peter Eugster vom Altstätter Gehrenhof. Er ist im Verein Ziegenfreunde nicht nur für die Gitziaufzucht verantwortlich, sondern kauft Gitzis von den Vereinsmitgliedern auf, mästet sie in seinem Betrieb und verkauft sie, wenn sie schlachtreif sind. Der alte Viehstall des Familienbetriebes wird deshalb ab Januar bis März zur Ziegenjugendstube. Bäuerliche Tradition wird dennoch hochgehalten. «Bei uns gilt selbst im Geschäft mit Grossverteilern noch das Wort», sagt Eugster. Auch im Geschäft mit seinen Lieferanten, die zu den 27 vom Verein Ziegenfreunde freigegebenen Betrieben gehören, welche dessen Pflichtenheft unterschrieben haben und sich auch entsprechend kontrollieren lassen.

Vertrauen wichtiger als Verträge

«Da bei mir Tiere von den verschiedensten Züchtern aus der Ostschweiz zusammenkommen, muss ich meinen Lieferanten vertrauen können, dass alle Gitzi in einwandfreiem Gesundheitszustand sind», sagt Eugster. «Vertrauen ist besser als Verträge und wir sind nur zusammen stark», betont er. «Ein Alleingang oder das Hintergehen einer Partei wäre das Aus für das Projekt Gitzimast und Gitzivermarktung.» Wie wichtig ein sauberes Geschäftsgebaren auf allen Stufen ist, belegen die jüngsten Lebensmittelskandale. Vergangenes Jahr konnte Eugster seine Kunden mit 600 selbstgemästeten und gegen 300 von Züchtern schlachtreif angelieferten Gitzis beliefern.

Das bereits angesprochene Pflichtenheft des Vereins Ziegenfreunde enthält strenge Vorlagen und ermöglicht Kontrollen, welche diese Bezeichnung auch verdienen. Die Ställe für die Aufzucht müssen der Tierschutzverordnung genügen, pro Bucht dürfen nicht mehr als 35 Gitzis gehalten und die Gesundheit der Tiere muss dauernd überwacht werden. Ein Augenschein bei Züchter und Gitzilieferant Peter Friedauer in Eichberg zeigt, wie ein tiergerechter Stall sein muss. Bei ihm wie bei Peter Eugster, welcher die gleichen Vorschriften zu befolgen hat, beeindrucken die reichliche Einstreue und der den Tieren zur Verfügung stehende Platz.

Kuhherde versorgt Gitzis

Eugster kauft die Tiere zur Mast im Alter von maximal zehn Tagen zu. Die Fütterung erfolgt hauptsächlich mit Milch (Roh- und Pulvermilch). Beim Züchter ist es Muttermilch, beim Mäster Kuhmilch. Rauhfutter können die Gitzis zur freien Verfügung aufnehmen. Eugster hat vom neuen Laufstall extra eine Milchpipeline in den Gitzistall erstellt und Getränkeautomaten installiert. «In den Monaten Januar bis März benötige ich die Milch von 40 bis 50 Kühen – täglich 1000 bis 1500 Liter – für die Gitzimast», sagt er. Im restlichen Jahr verkauft er die Milch an die Nordostmilch. Später, frühestens im Alter von 45 Tagen, lässt er die Gitzis mit einem Gewicht von sieben bis zwölf Kilogramm vom Dorfmetzger Fritz Locher metzgen. Zwölf Kilo wiegt ein Gitzi mit etwa 60 Tagen. Als neue Spezialität will man im kommenden Sommer verarbeitetes Gitzifleisch zum Grillieren anbieten.

Geplant wird schon im Vorjahr

«Früher wusste ich drei Wochen vor Ostern nicht, wer mir die Gitzis abnimmt», sagt Eugster. «Heute werden bereits im Sommer des Vorjahres erste Kontakte aufgenommen.» Auch mit den Lieferanten setzt er sich wenige Wochen nach Ostern zusammen, um Bilanz zu ziehen. «Dieses Jahr weise ich darauf hin, wie spät Ostern 2014 sein wird und dass man dies bezüglich der Gitzigeburten nach Möglichkeit zu steuern versucht.»

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