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Das Online-Portal «Die Ostschweiz» baut um — und kommt dabei in Teufels Küche

Neue Investoren, neue Pläne und familiäre Banden: Wie das Online-Portal «Die Ostschweiz» seine Zukunft sieht und mit wem.
Andri Rostetter
«Es geht um die Meinungsvielfalt»: Eingang zu den Büros von «Die Ostschweiz» an der Marktgasse in St.Gallen.. (Bild: Ralph Ribi)

«Es geht um die Meinungsvielfalt»: Eingang zu den Büros von «Die Ostschweiz» an der Marktgasse in St.Gallen.. (Bild: Ralph Ribi)

Erstaunen und Belustigung: Etwa so fielen die Reaktionen aus, als der Werber und Journalist Stefan Millius vor bald zwei Jahren sein Online-Newsportal «Die Ostschweiz» ankündigte. Ein Abbild der Region soll es werden, massgeschneidert, unabhängig, aktuell und entschleunigt. Branchenkenner runzelten die Stirn: Wer gründet in Zeiten schwindender Werbeerträge eine regionale Online-Zeitung? Mit welchen Absichten? Und vor allem: Mit welchem Geld?

Inzwischen hat sich der Nebel gelichtet. Ende Juni wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Als Aktionäre engagiert sich laut einer Mitteilung «eine Reihe von Unternehmern aus allen Regionen der Ostschweiz». Im Verwaltungsrat sitzen neben Millius zwei potente Geldgeber: Ex-FDP-Nationalrat und PR-Unternehmer Peter Weigelt und Werber Marcel Odermatt, CEO der St. Galler Marketingagentur Ammarkt. Millius bleibt als Chefredaktor publizistischer Kopf des Unternehmens, Weigelt übernimmt das Präsidium des Verwaltungsrats.

Das Engagement Weigelts kommt für Branchenkenner nicht überraschend. Der 63-Jährige hat sich in seiner Laufbahn mehrfach an publizistischen Projekten beteiligt oder sie gleich selber gegründet, darunter «Buureradio», «St. Gallen TV» und das «Schweizer Sportfernsehen». Geschäft und Politik gingen bei Weigelt Hand in Hand. Als Geschäftsführer der «Aktion für freie Meinungsbildung», der Kampforganisation des Stahlhelm-Freisinns, überzog er die Schweiz mit nationalkonservativen Kampagnen. Die legendären «Trumpf-Buur»-Inserate, die gegen den Staat, die EU und Ausländer polemisierten, stammten aus Weigelts Küche, ebenso die 1992 lancierte (und gescheiterte) Anti-SRG-Initiative, die «eine freiheitliche Medienordnung ohne Medien-Monopole» verlangte. Mit Millius stand er nach eigenen Angaben von Anfang an in Kontakt. «Neue Medien haben mich schon immer interessiert», sagt er. Sein Engagement begründet er auch mit «einer gewissen Enttäuschung, dass in Sachen digitale Medien in der Ostschweiz bis jetzt wenig gelaufen ist». Dass er nun bei Millius mitmacht, habe keine ideologischen Gründe. «Es geht um die Meinungsvielfalt.» Und selbstverständlich ums Geschäft: «Mich interessiert, wie sich neue Medien monetarisieren lassen.»

Ausführliche Würdigung eines Wahlkampfvideos

Heikel ist das Engagement von Weigelt gleichwohl. Dass seine Tochter Karin Weigelt, Jahrgang 1984, im Herbst für die St. Galler FDP in den Nationalrat will, ist für sich allein noch nicht problematisch. Dass Weigelt in Millius einen bereitwilligen Kampagnenverstärker gefunden hat, umso mehr. Karin Weigelt ist auf «Die Ostschweiz» als Kolumnistin präsent, das Portal organisiert mehrere Podien mit prominenten Gästen zu Themen wie Frauen in der Politik, Medienvielfalt, die Wahrnehmung der Ostschweiz, immer mit Berichterstattung auf «Die Ostschweiz». Stets mit von der Partie: Karin Weigelt. Unter dem Titel «Der Nationalratswahlkampf beginnt früh – und eine Frau gibt den Takt an» publizierte Millius einen Text, in dem er Weigelts erstes Wahlkampfvideo ausführlich würdigte. Kein Wort davon, dass Millius selber FDP-Mitglied und Vorstand der Innerrhoder Kantonalpartei ist.

Lieber Weigelt als Paul Rechsteiner

Millius wiegelt ab: «Ich spiele in der FDP überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil, ich zähle zu ihren grössten Kritikern.» Er habe damit gerechnet, dass Weigelts Engagement und die Podien mit dessen Tochter Fragen aufwerfen. «Peter Weigelt hat keinerlei Einfluss genommen. Uns hat das Format gereizt. Wir machen auch für andere Podiumsserien, im Herbst zum Beispiel für die LGBT-Community.» Dass er Vater Weigelt politisch nahesteht, sieht Millius eher als Vorteil. «Es ist sinnvoll, wenn man gewisse bürgerlich-liberale Grundwerte teilt. Paul Rechsteiner als Verwaltungsratspräsident hätte ich mir nicht vorstellen können.»

Ansonsten ist «Die Ostschweiz» wenig auf Transparenz aus, Geschäftszahlen werden keine bekannt gegeben. Das Portal publizierte bislang einzig seine monatlichen Besucherzahlen (rund 60000). Diese Zahl will Millius verdoppeln. Helfen soll dabei die App, deren Lancierung für den Herbst geplant ist, sowie ein Ausbau der redaktionellen Leistungen. In diesem Jahr will Millius zudem erstmals die seit langem angekündigte gedruckte Version seiner «Ostschweiz» publizieren.

Publizistischer Einfluss für 7500 Franken pro Jahr

Finanziert werden soll das Ganze nicht nur über das Aktiona­riat, sondern auch mit Beiträgen von Gönnern. Für einen Jahresbeitrag von 222 Franken wird man «Bronze-Mitglied» im «Ostschweiz»-Club. Einzige Aufnahmebedingung ist Volljährigkeit. Dafür gibt es eine Einladung an die jährliche Sommerparty, regelmässige Informationen zur Entwicklung des Unternehmens per Newsletter und automatische Zustellung sämtlicher Printpublikationen. Wer eine Silber- oder Gold-Mitgliedschaft löst, bekommt noch etwas mehr fürs Geld.

Für eine Platin-Mitgliedschaft und Gebühren von 7500 Franken pro Jahr kann man sich sogar ein bisschen publizistischen Einfluss erkaufen: Platin-Mitglieder können sich auf Wunsch «aktiv bei der Umsetzung und Ausgestaltung der Formate (Online, Print und Event) einbringen».

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