Das Nein «erzwungen»

Der Kanton St. Gallen bleibt in Sachen Ladenöffnungszeiten eine Insel. Das Volk hat klar entschieden: Beim Ladenschluss bleibt alles beim alten; um 19 Uhr werden die Geschäfte zugesperrt – auch künftig. Liberalere oder gar keine Gesetzgebung in den Nachbarkantonen hin oder her.

Drucken
Teilen

Der Kanton St. Gallen bleibt in Sachen Ladenöffnungszeiten eine Insel. Das Volk hat klar entschieden: Beim Ladenschluss bleibt alles beim alten; um 19 Uhr werden die Geschäfte zugesperrt – auch künftig. Liberalere oder gar keine Gesetzgebung in den Nachbarkantonen hin oder her. Die Befürchtungen der Befürworter – Abwanderung von Kundinnen und Kunden, Marktnachteil für den Kanton – verhallten ungehört.

Vor sieben Jahren, bei der letzten Abstimmung über längere Öffnungszeiten im Kanton, war das noch anders gewesen. Vor allem Gemeinden in Grenznähe sagten damals deutlich Ja, Rapperswil, Jona, Wil und auch eine Reihe Rheintaler Gemeinden. Hinzu kamen Ja-Mehrheiten in touristisch geprägten Orten wie Amden, Bad Ragaz, Wildhaus. Das Ergebnis fiel denn auch knapper aus; 6000 Stimmen gaben den Ausschlag für das damalige Nein. Dieses Mal sagten von den 85 St. Galler Gemeinden lediglich zwei Ja: Rapperswil-Jona und Amden.

Wo sind die übrigen, damaligen Befürworter geblieben? Wo die Konsumentinnen und Konsumenten, die flexiblere Öffnungszeiten wünschen?

Gut möglich, dass nicht der Inhalt der Vorlage, eine Stunde länger einkaufen am Abend, den Ausschlag für das Nein gab. Gut möglich, dass es vielmehr die Vorgeschichte war. Die Tatsache, dass die Frage zum dritten Mal innert vierzehn Jahren an die Urne kam, empfanden viele Bürgerinnen und Bürger als Zwängerei und Uneinsichtigkeit der Politiker – und des kantonalen Gewerbeverbands.

Auch als Missachtung des Volkswillens. Vor diesem Hintergrund lässt sich keine Abstimmung gewinnen. Die Verlierer tun gut daran, das zu akzeptieren – für länger. Regula Weik

r.weik@tagblatt.ch