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Interview

«Das möchte ich mir und meiner Familie nicht zumuten»: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler will nicht Ständerat werden

Stadler-Rail-Boss Peter Spuhler hat sich entschieden: Er will nicht Nachfolger seines SVP-Parteikollegen Roland Eberle im Stöckli werden. Sein Nein begründet Spuhler mit dem Alter und unternehmerischen Herausforderungen. Und er will mehr Zeit für die Familie haben.
David Angst/Christian Kamm, Bussnang
Peter Spuhler: «Ich bin halt zuerst einmal Unternehmer und erst in zweiter Linie Politiker.» (Bild: Andrea Stalder)

Peter Spuhler: «Ich bin halt zuerst einmal Unternehmer und erst in zweiter Linie Politiker.» (Bild: Andrea Stalder)

Peter Spuhler konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als er sah, dass ihm die Überraschung gelungen war. Der Entscheid war ihm jedoch alles andere als leicht gefallen. Spuhler informierte am Dienstag die Redaktion der Thurgauer Zeitung aus erster Hand über seinen Entschluss, nicht für den Ständerat zu kandidieren. Spuhler war am Freitag vom Parteipräsidenten Ruedi Zbinden offiziell angefragt worden, ob er im Herbst 2019 den Ständeratssitz der SVP verteidigen wolle.

Spuhlers Entscheid überrascht, weil er in den letzten zwei Jahren mehrfach gesagt hatte, dass es ihn durchaus reizen würde, noch einmal aufs nationale politische Parkett zurückzukehren. Der Eigentümer und Verwaltungsratspräsident der Stadler Rail AG begründet seinen Entscheid so:

«Ich werde nächstes Jahr 60 Jahre alt, und ich habe die letzten 30 Jahre Tag und Nacht für meine Unternehmungen und 13 Jahre lang auch für den Nationalrat gearbeitet. Wenn ich nun Ständerat würde, stünde ich für weitere acht Jahre unter voller Belastung, denn für nur vier Jahre würde ich ohnehin nicht antreten.»

Dies wolle er sich und seiner Familie nicht zumuten. «Meine Familie hat in den letzten Jahren oft auf mich verzichten müssen. Ich möchte nun etwas mehr Zeit mit ihr verbringen.»

Lesen Sie nachstehend unser ausführliches Interview mit Peter Spuhler:

Peter Spuhler, weshalb gibt es kein politisches Comeback von Ihnen?

Ich habe die Politik geliebt, und die 13 Jahre als Nationalrat waren 13 tolle Jahre. Mein Rücktritt Ende 2012 als Folge der schwierigen Währungsverhältnisse ist mir schwer gefallen. Jetzt hat mich die Partei angefragt, ob ich bereit wäre, für die Nachfolge von Roland Eberle zu kandidieren. Das hat mich gefreut und geehrt. Ich habe mir den Entscheid nicht einfach gemacht und nach Abwägen aller Faktoren schweren Herzens Nein gesagt.

Als Sie am 1. Januar dieses Jahres die operative Führung in Ihrem Unternehmen Stadler abgegeben haben, dachten alle im Thurgau, dass jetzt die Weichen für eine zweite politische Karriere in Bern gestellt seien.

Das hatte nichts miteinander zu tun. Wir haben bei Stadler in den letzten fünf Jahren die Konzernleitung kontinuierlich verjüngt. Wir sind alle während der letzten 15 bis 20 Jahre miteinander älter geworden, sind jetzt plus minus 60 Jahre alt. In einer derart komplexen Branche, in der wir unterwegs sind, ist es etwas vom schwierigsten, im richtigen Moment die richtigen Nachfolgeentscheidungen zu treffen. Nicht nur bei mir selber, sondern auch bei meinen Kollegen in der Konzernleitung. Dieser Prozess ist von langer Hand vorbereitet worden und völlig unabhängig von allfälligen politischen Comebacks abgelaufen.

Läuft alles wie geplant?

Bis jetzt läuft es sehr gut mit dem neuen CEO Thomas Ahlburg. Ich hatte mich eigentlich auf mehr Diskussionen innerhalb der Konzernleitung eingestellt, als das jetzt der Fall ist. Aber alles geht zu meiner vollsten Zufriedenheit über die Bühne.

Dann hat Ihr Verzicht auf eine Ständeratskandidatur nichts mit der Firma zu tun?

Nein, direkt nicht.

Inwieweit spielt Ihr Alter eine Rolle?

Ich habe Jahrgang 1959 und werde am 9. Januar 60 Jahre alt. Ein schwieriger Moment, bald zu den Ü-60 zu gehören. Die Eidgenössischen Wahlen finden im Oktober 2019 statt, und die erste Session ginge über die Bühne, wenn ich bereits knapp 61 wäre. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass die Thurgauer Bevölkerung die Erwartung an mich hätte, mindestens zwei Legislaturperioden zu bleiben − also bis 69. Da stellt sich mir schon die Frage, ob ich das wirklich machen will oder ob ich nicht besser Jüngeren den Vortritt lasse. Auch diese Überlegung hat mit zum negativen Entscheid beigetragen.

Im Nationalrat ist man einer von 200, im Ständerat aber einer von 46, man hat mehr Einfluss und kann mehr bewirken.

Peter Spuhler zeigte sich beim Interview humorvoll. (Bild: Andrea Stalder)

Peter Spuhler zeigte sich beim Interview humorvoll. (Bild: Andrea Stalder)

Mir ist eher der Nationalrat auf den Leib geschneidert. Dort findet der politische Infight statt. Wenn in der Fraktion die Ständeräte jeweils über den Nationalrat gelästert haben, dann entgegnete ich oft: «Ja, ihr älteren Herren, ihr seid ja nicht einmal mehr in der Lage aufzustehen, wenn ihr redet.» Und jetzt würde ich auch einer von denen... Aber Spass beiseite: Die beiden Kammern sind nur bedingt vergleichbar. Der Nationalrat ist sicher lebendiger, wilder. Politisch wird dort mit dem Zweihänder gekämpft, während man im Ständerat eher mit dem Florett unterwegs ist.

Und die zeitliche Belastung?

Vom Arbeitsumfang her befindet sich der Ständerat in einer anderen Liga als die Grosse Kammer − mit gleich vielen Dossiers, aber es gibt nur 46 statt 200 Parlamentarier. Es trifft also bei den Dossiers jeden Ständerat mit Faktor vier gegenüber einem Nationalrat. Dazu kommt die Mitgliedschaft in vier oder fünf Kommissionen. Ich habe nach wie vor als Unternehmer einige Mandate, und die machen mir Spass. Und ich will jetzt mit 60 mein Engagement etwas zurückschrauben. Ein wichtiger Faktor ist zudem meine Familie. Die musste in den letzten 30 Jahren viele Abwesenheiten schlucken. Ihr möchte ich mehr Zeit widmen.

Welche Projekte wollen Sie in Zukunft noch anpacken?

Mein «Baby» ist nach wie vor Stadler. Hier bin ich als Verwaltungsratspräsident weiter für die strategische Entwicklung sowie für «Merger & Acquisitions» verantwortlich. Die Branche befindet sich im Moment in einer ziemlich starken Konsolidierungsphase. Ein Stichwort ist die Fusion zwischen Siemens und Alstom. Dazu kommt die Digitalisierung im Bahnbereich wie beispielsweise die Driverless-Technologie. Wir haben also noch einige Herausforderungen zu bewältigen, auch bei meinen weiteren Investments und damit verbundenen Verwaltungsratstätigkeiten: Mit Aebi Schmidt sind wir sehr gut unterwegs. In den USA konnten wir drei Akquisitionen realisieren und sind an einer weiteren dran in Europa. Rieter befindet sich auch in einem schwierigen Marktumfeld. Es hat also noch genug offene Baustellen. Das macht mir nach wie vor am meisten Spass. Ich bin halt in Gottes Namen zuerst einmal Unternehmer und erst in zweiter Linie Politiker.

Offene Baustellen gibt es auch in der Politik. Sie waren der bekannteste Wirtschaftsvertreter im Bundeshaus. Sie fehlen.

Dessen bin ich mir schon auch bewusst. Und ich glaube auch, dass ich wieder einige Inputs hätte geben können. Der Wirtschaftsflügel in der SVP-Fraktion war damals stärker als heute. Wobei etwa mit Magdalena Martullo-Blocher auch heute starke Persönlichkeiten dabei sind. Aber es stimmt: Hier wieder Einfluss nehmen zu können, hätte mich schon gereizt. Es ist mir, ehrlich gesagt, auch nicht leicht gefallen, diesen Entscheid jetzt so zu treffen. Aber unter dem Strich, wenn man alle Faktoren wie Alter, Familie, unternehmerische Herausforderungen zusammenzählt, dann ist es der richtige Entscheid.

Wer folgt auf Roland Eberle?

Mit Peter Spuhlers Absage kommt im Thurgau ein Jahr vor den Eidgenössischen Wahlen Spannung auf. Denn innerhalb der SVP gibt es noch keinen Favoriten für die Nachfolge Roland Eberles. In Frage kommen die SVP-Vertreter im Regierungsrat (Jakob Stark und Monika Knill) und im Nationalrat (Verena Herzog, Markus Hausammann und Diana Gutjahr). Aussichtsreicher wird die Situation nun auch für die anderen Parteien.

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