Das befürchtete Chaos blieb aus: So verlief Tag 1 nach der Mautaufhebung im Vorarlberg

Seit Sonntag sind Teile der Rheintalautobahn A14 von Hörbranz bis Hohenems nicht mehr vignettenpflichtig. Im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet wird Mehrverkehr befürchtet.

Christoph Zweili
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Beobachten den Verkehr auf der Hauptstrasse in Diepoldsau: Claudia Aeberhard, Verkehrskommission; Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau, und Reto Friedauer, Präsident Verein Agglomeration Rheintal (von links).

Beobachten den Verkehr auf der Hauptstrasse in Diepoldsau: Claudia Aeberhard, Verkehrskommission; Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau, und Reto Friedauer, Präsident Verein Agglomeration Rheintal (von links).

Bild: Hanspeter Schiess

Reisebusse, Lastwagen, ein Flixbus mit deutschem Nummernschild, Autofahrer mit St.Galler, Bregenzer, Dornbirner und Feldkircher Kennzeichen überqueren den Grenzübergang Diepoldsau-Hohenems in beide Richtungen. Der Verkehr fliesst ruhig am frühen Montagmorgen. Das befürchtete Chaos im Berufsverkehr ist ausgeblieben. Wer von der deutschen Grenze über Hörbranz nach Hohenems fährt, um hier auf die A13 zu wechseln, braucht seit Sonntag keine Vignette mehr für diese A14-Teilstrecke. Die Absicht, die dahintersteckt: Bleiben die Autofahrer auf der Autobahn, wird der Grossraum Bregenz vom Verkehr entlastet.

Davon wissen die am Zollamt Diepoldsau befragten deutschen Tagestouristen freilich noch nichts: Sie haben wie stets eine Vignette gekauft. Noch bis Mitte Woche wird es dauern, bis die Schilder «A14 Staatsgrenze-Hohenems, Ausfahrt 23» mit dem durchgestrichenen Vignettenzeichen an der Autobahn angebracht sind.

Kein grosser Verkehr am Montagmorgen in Diepoldsau.

Kein grosser Verkehr am Montagmorgen in Diepoldsau.

Hanspeter Schiess

A14: Einmal mautfrei, einmal nicht

Wenn alles so ruhig bleibt, woher rührt denn die Aufregung über die Aufhebung der Mautpflicht? Einheimische im kleinen schweizerisch-österreichischen Kiosk an der Grenze, wo auch die Grenzbeamten geduzt werden, sprechen von einem «Schwarzpeterspiel». Bregenz werde zwar mit der Vignettenbefreiung entlastet, dafür würden andere Gemeinden belastet.

Gegner der Befreiung sind nicht nur die Vorarlberger Grenzgemeinden Hohenems, Lustenau und Altach, die zusätzlichen Verkehr befürchten, wenn bei ihnen die Auto- und Lastwagenfahrer vermehrt auf die A13 auf Schweizer Seite wechseln, sondern auch Gemeinden im Oberland, die durch die aus ihrer Sicht ungleiche Behandlung nun Nachteile für den Tourismus befürchten. Sie fordern zusammen mit den Schweizer Grenzgemeinden Diepoldsau und Oberriet die Wiedereinführung der Maut.

Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer kündigt an:

«Finden wir einen wegen der Mautpflicht an der A14 gebüssten Autofahrer, streben wir wegen Ungleichbehandlung eine Klage am österreichischen Verfassungsgerichtshof an.»

Der 56-jährige Politiker ärgert sich grün und blau über die «Hauruck-Aktion» des österreichischen Nationalrats. 25'000 Privatautos und 3000 Lastwagen führen in Lustenau täglich «mitten durchs Wohnquartier». Für Fischer ist die Situation bei der Autobahn-Verbindung Tirol-Kufstein «eine ganz andere als in Vorarlberg». Die Mautbefreiung sei quasi eine Einladung: «Liebe Deutsche, fahrt doch mautfrei durch Diepoldsau oder Lustenau, wenn ihr in Richtung Schweiz wollt. Das ist purer Blödsinn.»

Täglich 21'000 Fahrzeuge in Diepoldsau

Auf Schweizer Seite ist der Ton gemässigter. Andreas Kästli, Kantonsingenieur-Stellvertreter, ortet in Diepoldsau ein «grosses Pendlerproblem in Spitzenzeiten». Seitens des Kantons wolle man vorerst die Testphase der Mautbefreiung mit dem Vorarlberger-Monitoring bis Februar 2021 abwarten, bevor Massnahmen ergriffen würden. Mit täglich 21'000 Fahrzeugen auf der Hauptachse bei der Rheinbrücke und 11'000 beim Zollamt sei man schon heute «an der Belastungsgrenze». «Diese Situation ändert sich nicht von heute auf morgen.»

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