Das Manifest des Bauernkriegs 1525

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Forderungen Vermutlich entstand das Manifest des Bauernkriegs im süddeutschen Memmingen. Der dortige Reformator Christoph Schappeler aus St. Gallen wirkte an den zwölf Artikeln mit.

Die Beschwerden umfassten nebst religiösen politische und wirtschaftliche Aspekte. Im ersten Artikel verlangten die Bauern für ihre Gemeinden das Recht der freien Wahl und Absetzung der Pfarrer. Nur so könne sichergestellt werden, dass das reine Evangelium gepredigt werde. Im zweiten Artikel wurde die Zehntenfrage erörtert. Der Zehnt war eine prozentuale Abgabe der bäuerlichen Ernte an die Herren, um den Unterhalt des Pfarrers zu sichern. Im Mittel­alter wurde der Zehnt vermehrt von den Feudalherren selber eingezogen. Die Folge war eine massive Verschlechterung der Seelsorge. Die Bauern leisteten den Zehnten zwar weiterhin, forderten aber, dass dieser dem Unterhalt ihrer Pfarrer zufliesse. Überschüsse sollten den Armen zugute kommen.

Obrigkeitlicher Gehorsam trotz Abschaffung der Leibeigenschaft

Ausserdem wurde die freie Jagd und das freie Fischen gefordert – zuvor ein Privileg des Adels. Weiter baten die Bauern um Einhaltung von Abmachungen; Abgaben und Dienste sollten von der Herrschaft nicht willkürlich erhöht werden.

Die revolutionärste Forderung der Bauern: die Abschaffung der Leibeigenschaft. Als Leibeigener konnte man ohne Einwilligung der Obrigkeit niemanden heiraten, der nicht dem gleichen Herrn unterstand. Zudem durfte ein Leibeigener nicht unerlaubt aus dem Herrschaftsgebiet wegziehen. Weiter war man beim Tod des Ehepartners zu Sonderabgaben (Todfall) und zu Arbeitsleistungen für den Herrn (Fronarbeit) verpflichtet. Ziel des Widerstands war aber nicht eine radikale Ablehnung der gesellschaftlichen Ordnung. Die Bauern forderten nicht, keiner Obrigkeit mehr unterstellt zu sein. Denn wenn man sie aus der persönlichen Unfreiheit entliesse, würden sie sich, wie sie schriftlich festhielten, «gern gegenüber ihrer erwählten und gesetzten Obrigkeit gehorsam» erweisen. (sso)