Das Magglingen der Ostschweiz: Auf dem Gründenmoos in St.Gallen soll ein neues Leistungszentrum für Sporttalente entstehen

Der Verein Netzwerk Sport hat in der Stadt St.Gallen Grosses vor: ein Leistungssportzentrum. Jetzt heisst’s: Warten auf die Stadt.

Daniel Wirth
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Die Sportanlage im Gründenmoos soll der Standort eines nationalen Sportzentrums werden, mit einer Elitesportschule für Talente aus den unterschiedlichsten Sportarten.

Die Sportanlage im Gründenmoos soll der Standort eines nationalen Sportzentrums werden, mit einer Elitesportschule für Talente aus den unterschiedlichsten Sportarten.

Bild: Urs Bucher

Die Ostschweiz sei auf der Landkarte der nationalen Sportzentren ein weisser Fleck, sagt Roman P. Büchler, Delegierter des Vorstands des Vereins Netzwerk Sport und stellvertretender Geschäftsleiter. Mit einem Leistungszentrum im Gründenmoos im Westen der Stadt St.Gallen entstehe mit den Eckpunkten Magglingen und Tenero ein gleichschenkliges Dreieck, sagt er.

Ziel des im Advent 2019 gegründeten Vereins ist gemäss Büchler, Nachwuchssportlerinnen und -sportler zu fördern, die das Potenzial haben, ein nationales oder internationales Aushängeschild in ihrer Sportart oder ihrer Disziplin zu werden. Aufgenommen werden sollen Sportlerinnen und Sportler im Alter von zwölf bis 26 Jahren, die ihren Wohnsitz in den Kantonen St.Gallen, Thurgau, Graubünden, Glarus, Schaffhausen oder beiden Appenzell haben und eine Talentcard von Swiss Olympic besitzen, dem Dachverband der Schweizer Sportverbände.

Der Verein Netzwerk Sport stehe für eine Vielfalt der Sportarten ein und unterstütze Vertreterinnen und Vertreter von olympischen und nicht-olympischen Sportarten sowie von Behinderten- und Rollstuhlsportarten, sagt Büchler. Der Vorstand regelt gemäss Angaben auf der Website die Selektion der Fördervorschläge und berücksichtigt Relevanz und Dringlichkeit.

Ex-Gemeindepräsident von Steinach ist Geschäftsführer

Adrian Krüsi, Präsident Verein Netzwerk Sport.

Adrian Krüsi, Präsident Verein Netzwerk Sport.

Bild: Maurus Hofer

Präsident des Vereins ist Adrian Krüsi. Er ist Unternehmensberater mit einer Firma in St.Gallen. Neben ihm und Büchler gehören Daniel Schmidli, Hanspeter Krüsi, Matthias Berger, Karin Weigelt, Daniela Merz, Reto Graf, Marcus Gossolt, Christian Rüegg, Titus Hürlimann und Mirko Spada dem Vorstand an.

Mirko Spada ist ein ehemaliger Schweizer Leichtathlet. 1993 und 1994 war er Schweizer Meister im Zehnkampf. Er wurde dreimal Thurgauer Sportler des Jahres. 2001 gründete er die Nationale Elitesportschule Thurgau (NET) in Kreuzlingen, die er bis 2018 auch leitete. Heute ist Spada Schulleiter in der Volksschulgemeinde Wigoltingen im Thurgau. «Spada ist im Vorstand Wissensgeber», sagt Büchler. Der ehemalige Spitzensportler sei nicht der designierte Leiter der Elitesportschule Ostschweiz Gründenmoos (ESO). Er bringe seine Erfahrung ein, genauso wie die anderen Vorstandsmitglieder.

Mit Hanspeter Krüsi ist ein Mann des Fussballclubs St.Gallen mit an Bord, mit Karin Weigelt eine der erfolgreichsten Schweizer Handballerinnen, mit Titus Hürlimann von der St.Galler Kantonalbank (SGKB) ein Finanzfachmann. Geschäftsführer des Vereins ist der ehemalige Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli. Vereinspräsident Adrian Krüsi sagt:

«Wir verstehen uns als Anschieber.»

Das Sportzentrum Gründenmoos könnte als Anlage das Dach für die einzelnen Säulen des Sportes bilden: Schulische Bildung, Kompetenzzentren und Leistungszentren der Sportverbände. Die Elitesportschule Ostschweiz Gründenmoos (ESO) übernimmt Krüsi zufolge den Bereich der schulischen Bildung. Die ESO verbände alle schulischen Angebote und förderte die schulische Ausbildung der Talente individuell und über alle Stufen hinweg. Von der Primarschule, Oberstufe bis zur Berufsschule, Mittel- und Hochschule. «Das Ziel ist, eine Schule der Stadt St.Gallen zu werden und die Erreichung des Labels Swiss Olympic Sport School zu erlangen», sagt Krüsi.

Stadt sucht Nachfolger für die Migros Ostschweiz

Im Juni 2019 wurde bekannt, dass die Migros Ostschweiz das Baurecht der Anlage Gründenmoos aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr weiterführen und ab Oktober 2020 aus dem Betrieb aussteigen wird. Eine Chance für den Verein Netzwerk Sport. Er bemüht sich um das zukünftige Baurecht für das Projekt Sportzentrum Ostschweiz Gründenmoos (SZO). Krüsi sagt:

«Auf dem Gründenmoos könnte ein Sportzentrum entstehen, das eine ähnliche Ausstrahlung wie Magglingen oder Tenero erlangen kann.»

In Magglingen im Kanton Bern ist das nationale Sportzentrum, in Tenero im Tessin das nationale Jugendsportzentrum. Die Vision des Vereins Netzwerk Sport sei mit der Vision 2030 des St.Galler Stadtrats mehr oder weniger identisch, sagt Krüsi. Darin heisst es: «St.Gallen ist eine Stadt mit nationaler und internationaler Ausstrahlung für Kultur und Sport. In St.Gallen stehen vielfältige Sportmöglichkeiten und Bewegungsangebote zur Verfügung.» Oder: «St.Gallen will sich auch in Zukunft als innovative, sportbegeisterte (...) Stadt positionieren.»

Entscheid fällt in den nächsten Wochen

Wegen der Parallelen der Ziele des Vereins und der Stadt und des polysportiven Ansatzes des SZO rechnet sich Adrian Krüsi intakte Chancen aus, den Zuschlag der Stadt zu erhalten. Gemäss Marcel Thoma, Leiter der städtischen Dienststelle Sport, wird der Stadtrat in den nächsten Wochen entscheiden, wer den Zuschlag für das «Gründenmoos» erhält. Es seien gut 20 Bewerbungen eingegangen. Der Stadtrat hatte im Dezember entschieden, die Sportanlage Gründenmoos von der Migros Ostschweiz zu übernehmen und auf einen Rückbau zu verzichten.

Thoma findet den Ansatz des Vereins Netzwerk Sport «hochinteressant». Es seien aber auch andere spannende Ideen und Konzepte für eine Zwischennutzung eingegangen. Für eine Zwischennutzung hatte sich der Stadtrat ausgesprochen, weil eine langfristige Nutzung erst nach Vorliegen eines Gemeindesportanlagenkonzepts (Gesak) festgelegt wird.

Im Vorstand des noch jungen Vereins mit seinen grossen Zielen harrt man des Entscheids des Stadtrats, sagt Büchler. Erhalte man den Zuschlag, müsse man sofort an den Start, denn ab Oktober müsse der Betrieb im «Gründenmoos» sichergestellt werden. Mit der ersten Klasse der Elitesportschule Ostschweiz will der Verein im Sommer 2021 starten – allenfalls an einem anderen Ort, aber am liebsten in der Stadt. Er könne im Gründenmoos auch mit einer Zwischennutzung leben, sagt Krüsi.

Bekannte Botschafter werben für die Idee

Der Verein arbeitet mit der Wirtschaft zusammen. In Ostschweizer Unternehmen sollen die talentiertesten jungen Sportlerinnen und Sportler parallel eine Berufsausbildung machen können. Für Krüsi geht es beim geplanten Sportzentrum um ein gesellschaftliches Projekt:

«Wir leben in einer Zeit, wo grosse gesellschaftliche Visionen anders angegangen werden müssen. Netzwerk Sport soll der Ostschweiz Mut geben und zeigen, dass es geht.»

Der Verein hat prominente Botschafter, die für ein Sportzentrum in der Ostschweiz werben. Einer von vielen ist Daniel Lopar. Der ehemalige Goalie des FC St.Gallen wird auf der Vereinswebsite wie folgt zitiert: «Ich habe dem Sport so viel zu verdanken, ich möchte ihm etwas zurückgeben. Das SZO Gründenmoos wäre das Bijou der Ostschweiz.»