Das Leibchen für europäische Träume: Der FC St. Gallen präsentiert das Trikot und seine Mannschaft für die neue Saison

Der FC St. Gallen hat am Dienstagabend seine Kick-off-Party im Heimstadion veranstaltet. Als Dank lud der Verein die Sponsoren ein, die nicht nur, aber gerade in dieser schwierigen Phase des Fussballs so wichtig sind.

Christian Brägger
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Das Geheimnis der Trikots für die kommende Spielzeit lüftet sich schnell: Die St. Galler spielen zu Hause natürlich in grünweiss.

Das Geheimnis der Trikots für die kommende Spielzeit lüftet sich schnell: Die St. Galler spielen zu Hause natürlich in grünweiss.

Bilder: PD

Man kennt die Bilder, wie Grossklubs in ihrer Heimstätte Mannschaft und Trikots für eine neue Saison präsentieren. Wie Spieler als moderne Gladiatoren auf dem Rasen vorgeführt werden, Fans auf den vollbesetzten Rängen aus dem Häuschen sind, den Stars huldigen. Und sich die Merchandisingabteilung die Hände reibt.

Ganz so pompös gestaltet am Dienstagabend der FC St. Gallen im Heimstadion seine Kick-off-Party natürlich nicht. Das wäre sie – immerhin live in die weite Welt hinaus gestreamt – auch ohne Zeiten von Corona und Social Distancing nicht. Der Verein hat als Dank die Sponsoren eingeladen, die nicht nur, aber gerade in dieser schwierigen Phase des Fussballs so wichtig sind. Knapp 200 leisten Folge, froh, wieder einmal Kybunparkluft zu schnuppern.

Grün ist die Farbe der Hoffnung

Das Geheimnis der Trikots für die kommende Spielzeit lüftet sich schnell, und natürlich spielen die St. Galler zu Hause in grünweiss, das Leibchen ist längs gestreift, die Grundfarbe weiss. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Auswärts ist das Tenü in Schwarz gehalten, horizontal durch die Mitte geht ein grünweisses Band. Die Trikots wirken schlicht, passend zum Klub, der sich Vizemeister nennen darf und nach Europa schielt.

Vor allem das Heimdress erinnert an jenes der Ausgabe 2015/16. Die Gedanken an damals sind noch latent präsent, sie sollten nicht aktiv wiederkehren. Zu jener Zeit lief es nicht gerade rund im Verein, und nach Saisonbeginn löste Joe Zinnbauer den aufgebenden Jeff Saibene als Trainer ab. Besser wurde es danach nicht.

Musah Nuhu, Lawrence Ati Zigi und Florian Kamberi (von links) präsentieren die neuen Trikots.

Musah Nuhu, Lawrence Ati Zigi und Florian Kamberi (von links) präsentieren die neuen Trikots.

Ein Coach in seinem Element

Viel besser ist es unterdessen geworden, vor allem was die vergangene Saison anbelangt. Da verträgt es auch den einen oder andern Spruch mehr, und als Peter Zeidler seine 28 Spieler für die kommenden Aufgaben anpreist, hört das Publikum einen Coach in seinem Element. Über Musah Nuhu sagt er:

«Er ist auf dem Weg zurück, hat bereits gegen Lustenau ein Tor gemacht – aber eben nur gegen Österreicher.»

Zu Neuzugang Florian «Flo» Kamberi: «Er hat schon viel erlebt mit seinen früheren Klubs, wie hiess der eine nochmals? Ah, die Grasshoppers. Wenn du, Flo, für uns 15 Tore auflegst und drei selbst machst, ist das auch gut.» Auch bei fast Vergessenen wie Adonis Ajeti weiss der Fussballlehrer etwas zu sagen:

«Adonis ist der Spieler, der nie ein Kopfballduell verliert.»

Dem verletzten Betim Fazliji macht Zeidler als «Medizinmann» Hoffnung, dass es bis zum Meisterschaftsstart am 19. September reicht. Auch habe Neuzugang Kwadwo Duah gemerkt, es gebe nach dem FC Wil noch eine Steigerung. Bei Alessandro Kräuchi spürt Zeidler, dass es «seine Saison wird. Du merkst Alessandro, ich mache richtig Druck jetzt.» Und schliesslich gar etwas neidisch ist der Trainer auf Vincent Rüfli, weil dieser schon im Parc des Princes gespielt hat. Zeidler selbst träumt davon.

Der Verein hat als Dank die Sponsoren eingeladen, die nicht nur, aber gerade in dieser schwierigen Phase des Fussballs so wichtig sind.

Der Verein hat als Dank die Sponsoren eingeladen, die nicht nur, aber gerade in dieser schwierigen Phase des Fussballs so wichtig sind.

Die Stimmung war positiv, locker, sie korrelierte auch mit den gestiegenen Erwartungen.

Die Stimmung war positiv, locker, sie korrelierte auch mit den gestiegenen Erwartungen.

Positive, lockere Stimmung

Die Stimmung ist positiv, locker, sie korreliert auch mit den gestiegenen Erwartungen. Und sogar Silvan Hefti ist noch da, trägt immer noch die St. Galler Farben – der Rechtsverteidiger erntet den grössten Applaus. Nur Alain Sutter fehlt, weil der Sportchef irgendwo ein vor einem Jahr abgemachtes Referat hält, dass trotz Corona stattfindet.

Ja, die Mannschaft ist immer noch zusammen, das soll auch so bleiben, selbst wenn Zeidler beim abschliessenden «Espentalk» noch mit Mutationen rechnet. Die Spielweise der Ostschweizer soll so oder so einen Wiedererkennungswert generieren – man frage die Luzerner oder Xamax, die nach der Coronapause heuer hier nicht den Hauch einer Chance hatten.

«Ab jetzt gibt’s eine Warteliste»

Präsident Matthias Hüppi sagt in diesem Rahmen, der Klub sei wirtschaftlich stabil. Weil aber die Kantone bestimmen, wie viele Personen ab Oktober in Stadion dürfen und das Schutzkonzept noch nicht abgesegnet ist, hat er den Saisonkartenverkauf bei 8500 stoppen lassen. «Ab jetzt gibt’s eine Warteliste.»

Man wagt sich gar nicht auszumalen, wie hier der Abend im Kybunpark vor den eigenen Fans gewirkt hätte – vielleicht 2021? Was dann passiert, wenn Zeidler sagt, dass man Linz im Europacup schlagen könne, sofern es in der Quali der Gegner wäre. Und wie es dann ist, wenn Zeidler sagt:

«Ich will hier dereinst europäische Spiele vor ausverkauften Rängen erleben.»
Die Mannschaft soll so bleiben, wie sie ist.

Die Mannschaft soll so bleiben, wie sie ist.