Video
«Ganz schön gruselig» – so leer sieht es in den Olmahallen 4 und 5 zu Beginn der Ersatzmesse aus

Wo sich sonst Hunderte Menschen tummeln und fast kein Durchkommen ist, herrscht derzeit eine unheimliche Leere: Ein wehmütiger Besuch in den verlassenen Olma-Degustationshallen 4 und 5.

Raphael Rohner
Merken
Drucken
Teilen

Rein kommt hier dieses Jahr keiner: Gleich hinter der Glastüre stehen Paletten mit diversem Material für die Messe. Stühle sind gestapelt, und manch ein Gast der Ersatzolma versucht, einen Blick in die Halle zu erhaschen. Die Bierstände wären da. Man könnte rein... Ein junger Mann drückt kurz seine Nase an die Scheibe und guckt in die Degustationshalle 5: «Ganz schön gruselig da drin», sagt er und macht ein Foto mit dem Smartphone.

Doch rein kommt auch er nicht, an diesem ersten Olma-Tag. Man kam sonst schon manchmal fast nicht dorthin, wo man sich im «Vier/Fööf» verabredet hatte. Zu voll sind die Hallen immer, die Luft ist stickig, und an jeder Ecke kennt man eine Sarah oder einen Roman von früher. Mit der einen ging man einst in die Primarschule, mit dem anderen war man in der Berufsschule und dann hin und wieder auf der Baustelle aushelfen.

Kannte man jemanden, gab es meist ein gemütliches «Hoi du, bisch au a de Olma?» – Wo sollte man denn sonst sein? Gewisse Leute bezeichneten die Degustationshallen schon als den «Schmelztiegel» der Ostschweiz. Hier trifft sich Jung und Alt, hier lernen sich Philipps und Jennifers kennen und lieben. Hier werden Krumme und Wein geteilt wie anderswo Wasser und Brot. Hier trifft man sich jedes Jahr, und hier steht man sich beinahe auf die Füsse...

Olma-Gäste sind verschwunden

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Kein ohrenbetäubendes Gewirr und Gewusel von Tausenden Stimmen. Kein verzweifeltes Telefonieren in der Menge, wenn man jemanden sucht und eigentlich kein Wort versteht. Keine Trauben am Bier-, keine gemütlichen Runden beim Weinstand. Keine fröhlichen Gruppen aus jungen Damen und Herren, die sich am «Coiffeusen-Montag» scheu gegenüberstehen und sich kennenlernen. Sie sind alle nicht da an diesem ersten Olmatag. Ausgesperrt.

15 Bilder

Bild: Raphael Rohner

Christian Mansers Stimme, aber kein Säulirennen

Noch nie ging es so schnell vom «Freihof»-Stand rüber zur Moststube und dann rauf zur Bar der Brauerei Schützengarten. Leere Bierflaschen liegen herum. Zeugnisse einer Zeit, in denen der Bär noch steppte. In den Hallen ist es gespenstisch still. Von draussen ertönt das Lied «Whatever you want» von Status Quo, und die Stimme von Christian Manser, Kultmoderator des Olma-Säulirennens, ist zu hören. Er animiert die Gäste beim Begrüssungs-Event. Kein Säulirennen, auch wenn es danach tönt. Kein Kopf-an-Kopf Rennen und kein «Verklepfen» des Preisgewinns am Margritli-Stand mit den Kolleginnen. Kein Gong, der die Gäste darauf aufmerksam macht, dass es 19 Uhr ist und man austrinken soll.

Irgendwann wird es aus dem Lautsprecher wieder tönen: «D'Olma macht morn wieder abem 9ni uuf...» Irgendwann.