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«Das hat St.Gallen verpennt»: Vier Ständeratskandidaten diskutieren auf dem Podium zum Thema Kultur über Hochschulen, die freie Szene und Teilhabe

Einstimmig haben die Kandidaten die Plafonierung der Kulturausgaben bis 2021 durch den Kantonsrat beklagt. In anderen Punkten unterscheiden sich die Vorstellungen von Kulturförderung, wie sich bei der Podiumsdiskussion zur Ständeratswahl im St.Galler Palace zeigte.
Urs Bader
Moderatorin Corinne Riedener, die St.Galler Ständeräte Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP), Kandidatin Franziska Ryser (Grüne) und Kandidat Pietro Vernazza (GLP) beim Podium im Palace (von links). (Bild: Michel Canonica)

Moderatorin Corinne Riedener, die St.Galler Ständeräte Benedikt Würth (CVP) und Paul Rechsteiner (SP), Kandidatin Franziska Ryser (Grüne) und Kandidat Pietro Vernazza (GLP) beim Podium im Palace (von links). (Bild: Michel Canonica)

Nur die Kultur komme wieder einmal zu kurz, während sonst im Wahlkampf um die Ständeratssitze über alles Mögliche diskutiert werde, stellte die Erfreuliche Universität im St.Galler Kulturhotspot Palace fest. Und sie lud die Kandidatin und die sechs Kandidaten auf Freitagabend zu einem Podiumsgespräch ein. Teilgenommen haben schliesslich die Ständeräte Paul Rechsteiner (SP) und Benedikt Würth (CVP) sowie Franziska Ryser (Grüne) und Pietro Vernazza (Grünliberale).

Moderatorin Corinne Riedener, Redaktorin beim Kulturmagazin Saiten, wollte am Ende von den Podiumsgästen wissen – im Sinn einer Bilanz des Abends -, wo sie denn die regionale Kulturpolitik in zwanzig Jahren sehen und wie sie sich im Ständerat für die Kultur einsetzen würden.

Mehr Geld, mehr Profil

Für Ryser sollte die Kultur dann in der Politik einen höheren Stellenwert haben und sie sollte im Kanton besser vernetzt sein. «So liessen sich auch grössere Projekte wie ein Literaturhaus oder ein Haus für die freie Szene realisieren.» Im Rat würde sie mehr Bundesgelder für die Kultur fordern.

Rechsteiner regte an, «neue Ambitionen» zu entwickeln, die Region habe noch ein grosses Potential, gerade wenn der ganze Bodenseeraum in den Blick genommen werde. Als Ständerat stehe er für einen breiten Kulturbegriff; es gehe auch mal um die Stärkung des Urheberrechts oder um Medienpolitik.

Ausbildung von Künstlern stärken

Vernazza ist die Integrationsleistung der Kultur in einer disparaten Gesellschaft wichtig.

«Sie kann mithelfen, dass Menschen sich besser verstehen. Deshalb fordere ich, dass Kultur breit gefördert wird, sukzessive mit mehr Geld.»

Würth sieht unter anderem einen Schwerpunkt in der Ausbildung und Bildung von Kunst- und Kulturschaffenden: «Da haben wir verloren. Hochschulen sind ein Katalysator für eine Region.» (Rechsteiner: «Das hat St.Gallen verpennt.») Interessant findet Würth das Expo-Projekt der Städte, das Impulse geben könnte über das Projekt hinaus; St.Gallen ist da dabei. Als Ständerat will er mithelfen, dass auch das Textilmuseum vom Bund unterstützt wird; ein erstes Fördergesuch wurde abgewiesen, anders als jenes der Stiftsbibliothek.

Kulturelle Teilhabe stärken

Die Betriebsbeiträge des Bundes an Museen sind ein Beispiel, wie dessen Kulturpolitik für Kantone und Städte von Bedeutung ist. Letztere müssen sich aber regen und profilieren. Unisono beklagt wurde auf dem Podium in diesem Zusammenhang die Plafonierung der Kulturausgaben bis 2021 durch den Kantonsrat. («Die ist das wahre Debakel»: eines von zwei Voten aus dem Publikum.) Rechsteiner sagte:

«Sicher könnte vom Bund noch mehr Unterstützung erhalten werden - Stichworte musikalische Bildung, Institutionenförderung.»

Die Kulturpolitik des Bundes wird über die Kulturbotschaften geregelt. Darin setzt der Bundesrat Schwerpunkte, etwa die «kulturelle Teilhabe», worunter auch das Förderprogramm «Jugend und Musik» läuft. Mit Blick auf die «Teilhabe» möchte Würth, dass mehr getan wird für den Sprachaustausch. Er findet es grundsätzlich richtig, dass der Bund bei der Kulturförderung Schwerpunkte setzt. «Dies liesse sich noch akzentuieren. Zuerst soll über Inhalte, dann über Geld geredet werden.»

Niederschwelliges und die Rolle von Vereinen

Unter dem Stichwort «Teilhabe» fordert Ryser, dass mehr Licht in die Frage der Gendergerechtigkeit gebracht wird. «Wie viele Frauen und Männer sind in kulturellen Institutionen und in den verschiedenen Sparten der Kultur tätig?» Wichtig ist ihr auch der Einbezug von Migrantinnen und Migranten. Nötig seien hier nicht nur niederschwellige Angebote zum kulturellen Austausch, sondern auch niederschwelliger Zugang zu Fördermitteln. Würth will solche Projekte eher Vereinen und Verbänden in Kultur und Sport überlassen; der Staat soll unterstützend wirken. «Solche Initiativen von der Basis her sind nachhaltiger.»

Mögliches Schlusswort zum anregenden, aber kaum kontroversen Podium, gesprochen von Pietro Vernazza im Lauf der Diskussion: «Bei aller Förderung, die Kultur ermöglichen soll – die Kultur muss frei sein, muss aus sich selbst entstehen.»

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