Das hat die Steinerschule nicht verdient

«Die Steinerschule schlingert», Ausgabe vom 4. Juni

Aaron Baruch
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Die Rudolf-Steiner-Schule in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Rudolf-Steiner-Schule in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Ihre Behauptung, es sei erstaunlich, dass sich gerade ein Grossindustrieller für die Steinerschule interessiert, erstaunt mich aus folgendem Grund: Der erste Mensch , welcher die erste Steinerschule überhaupt möglich machte, war ein Grossindustrieller mit Namen Emil Molt. Er war Dirketor der Waldorf-Astoria-Zigarren und Zigarettenfabrik Stuttgart, die der bis heute prominenten amerikanisch-britischen Familie Astor gehörte. Herr Astor, ursprünglich aus Waldorf, Deutschland, stammend, gründete zudem das Waldorf Astoria Hotel in New York . Zudem kassieren seine Erben bis dato riesige Summen an Pacht für ganze Stadtteile in Manhattan.

Einer der jetzigen Eigentümer der Firma Porsche und Familienmitglied der Familie Porsche war ebenfalls Steinerschüler und finanziert die Steinerschule Salzburg. Herr und Frau Engelhorn mit Immobilienbesitz in St. Moritz und Gstaad sind ebenfalls finanzielle Unterstützer der Waldorfschule in Mannheim Deutschland. Die Engelhorns sind eine de reichsten Industriellenfamilien Deutschlands. Ihre Vorfahren gründeten BASF und die Boehringer Mannheim Chemiewerke. Der Begründer der Drogeriemarktkette DM und der Gründer der Biosupermarktkette Alnatura sind ebenfalls Unterstützer der Steinerschule. Der Chef von American Express war Steinerschüler. George Lucas, Erfinder und Eigentümer der Marke Star Wars, schickte seine Kinder an die Steinerschule, und seine Ehefrau ist eine tatkräftige Unterstützerin der Steinerschulen in Kalifornien.

Leider haben Steinerschulen in der Öffentlichkeit manchmal so ein Öko-Alternativ-Kuschel-Image. Dies hat grundlegend aber nichts mit der Waldorfpädagogik zu tun, sondern wurde ideologisch seit den 1960er-Jahren in den Schulen durch naive Anhänger der grünen Ideologie befördert, welche ja auch heute noch überall ihre katastrophalen Krater in der Politik hinterlässt.

Aaron Baruch

Will dieser Artikel den Leser – was richtig und wichtig wäre – über die Neuausrichtung der Steinerschule informieren? Das tut er nicht oder nur pro forma. Möchte er – was ebenfalls richtig und wichtig wäre – einen unhaltbaren bildungspolitischen Zustand anprangern, nämlich dass alternative Schulformen noch immer keinerlei Unterstützung vom Kanton erhalten und deshalb gezwungen sind, wie Unternehmen ständig nach der Rentabilität zu schielen? Auch das tut der Text nicht. Niemand will leugnen, dass die Steinerschule durch eine harte Phase geht, und alle Fakten, die der Artikel referiert, treffen zu – obgleich Phänomene wie Lehrerfluktuation und Burn-out vielleicht eher Zeichen der Zeit sind (an vielen Regelschulen sieht es zumindest nicht grossartig anders aus). Genauso lassen sich auch an jeder anderen Schule unzufriedene Eltern finden, die man zitieren kann. Durch die einseitige Darstellung wird hier ein Misstrauen geschürt, das die Schule, so glaube ich, nicht verdient hat. Dass die Schule es in ihrer wechselhaften Geschichte immer wieder geschafft hat, sich aufzurappeln, dafür gebührt ihr Respekt. Und dass es nicht zuletzt eine Schule ist, deren Abgänger – fast durchgehend erfolgreich in einer Ausbildung, die ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht – mit echter Liebe von ihrer Schule sprechen und ihr über Jahre noch die Treue halten.

Annelie Kreuzer

Gottfried-Keller-Str.5, 9000 St. Gallen